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Aktuell Europa

Immer mehr Tote durch Überschwemmungen

Die Zahl der Toten bei den schlimmsten Überschwemmungen in Serbien und Bosnien seit mehr als einem Jahrhundert hat sich auf mindestens 30 erhöht. Das deutsche Technische Hilfswerk entsandte Spezialisten.

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Mira Barthelmann aus Belgrad

Allein im nordbosnischen Doboj gibt es mehr als 20 Tote, wie wie Obren Petrovic, der Bürgermeister der Stadt, im Fernsehen mitteilte. Die bosnischen Behörden hatten zuvor von mindestens 13 Toten auf ihrem Staatsgebiet gesprochen, darunter sechs aus Doboj. Aus Serbien wurden zunächst nur drei Todesfälle bestätigt. Allerdings teilte die Regierung in Belgrad nach Berichten über die Bergung weiterer Leichen mit, die endgültige Bilanz solle erst nach dem Abschluss des Rettungseinsatzes bekanntgegeben werden.

Jahrhundertregen

Seit mehr als 120 Jahren hat es in den betroffenen Gebieten keine derartig ergiebigen Regengüsse gegeben. Dutzende von Städten in Bosnien und Serbien standen unter Wasser. Aus der serbischen Stadt Obrenovac, nördlich von Belgrad, wurden alle 20.000 Einwohner vorsichtshalber in Sicherheit gebracht. In Bosnien waren 60.000, in Serbien sogar 95.000 Haushalte von der Stromversorgung abgeschnitten.

Im Norden Bosniens, wo in der Stadt Bijeljina 10.000 Menschen aus ihren überfluteten Häusern geborgen werden sollten, ist die Lage weiter kritisch. Insgesamt seien 1,2 Millionen Einwohner des Landes und damit ein Drittel der Bevölkerung von den Überflutungen betroffen, berichten bosnische Medien. Vor allem in den Städten Doboj, Maglaj und Brcko war die Lage angespannt.

Hilfsangebote aus der EU

Die EU-Kommission teilte mit, dass 14 EU-Staaten Hilfe zugesagt hätten. Deutschland bot Bosnien-Herzegowina und Serbien Unterstützung an, wie das Auswärtige Amt in Berlin mitteilte. Experten des Technischen Hilfswerks (THW) seien bereits in Serbien eingetroffen, weitere Hilfsmaßnahmen würden koordiniert. Das THW erklärte, 17 Spezialkräfte sollten in Serbien eine Hochleistungs-Wasserpumpe einsetzen, die bis zu 15.000 Liter Wasser in der Minute abtransportieren kann.

"Noch ist das ganze Ausmaß der Katastrophe nicht erkennbar", erklärte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier. "Den Familien, die ihre Angehörigen infolge der Flut verloren haben, sprechen wir unser tiefes Mitgefühl aus."

Kritik an Unternehmern und Regierung

In der serbischen Stadt Sabac, wo am Freitag eine Katastrophe gedroht hatte, konnte Entwarnung gegeben werden. "Sabac ist gerettet und es droht im Moment keine Gefahr", sagte Generalstabschef Ljubisa Dikovic. Das Wasser habe noch nicht den Höchststand erreicht, so Serbiens Regierungschef Aleksandar Vucic.

Vucic bestätigte die Festnahme von Geschäftsleuten, die die Notlage der Menschen ausgenutzt und die Preise für Mineralwasser und Lebensmittel um ein Vielfaches angehoben hätten. Zeitungen in Serbien schrieben, dass die Meteorologen nicht rechtzeitig vor den Unwettern gewarnt hätten. Freiwillige, die von der Regierung in Belgrad zu den betroffenen Orten geschickt worden waren, kritisierten die schlechte Organisation ihres Einsatzes.

chr/wl/kle (afp, dpa)

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