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Venezuela

Immer mehr Todesopfer in Venezuela

Es ist der bisherige Höhepunkt der Unruhen in der Hauptstadt Caracas: Allein in der Nacht zu Freitag mussten zwölf Menschen bei den Protesten gegen den sozialistischen Präsidenten Maduro ihr Leben lassen.

Damit sei die Zahl der Todesopfer seit Beginn der Protestwelle gegen Präsident Nicolás Maduro vor drei Wochen auf insgesamt 20 gestiegen, teilte die Staatsanwaltschaft in Caracas mit. Bei den nächtlichen Ausschreitungen im Bezirk El Valle im Südwesten der Hauptstadt seien auch zahlreiche Menschen verletzt worden. Die meisten Toten und Verletzten gab es, als Demonstranten eine durch einen Elektrozaun gesicherte Bäckerei stürmten. Insgesamt wurden bisher rund 1000 Festnahmen gezählt.

Guevara: "Gehen Sie nicht mit der Titanic Maduros unter"

In dem blutigen Machtkampf rief die Opposition unterdessen das Militär zum Bruch mit dem sozialistischen Staatschef auf. "Gehen Sie nicht mit der Titanic Maduros unter", sagte einer der Oppositionsführer, Freddy Guevara, an die Adresse von Verteidigungsminister Vladimir Padrino. Der Vizepräsident des Parlaments kündigte für Montag neue Massenproteste in Venezuela an. Demonstranten nannten Maduro einen "Mörder", weil er Soldaten und Milizen zum rücksichtlosen Vorgehen aufrufe. Bilder zeigten, wie auf Demonstranten von Motorrädern aus geschossen wurde. Zudem prügelten Polizisten auf Protestierende ein, von denen einige ebenfalls gewalttätig wurden. Es gab brennende Straßenbarrikaden, Molotowcocktails flogen - die Polizei setzte massiv Tränengas ein.

Chaos in Caracas: Motorradpolizisten feuern Tränengas in Richtung der Demonstranten (Foto: Getty Images/AFP/R. Schemidt)

Chaos in Caracas: Motorradpolizisten feuern Tränengas in Richtung der Demonstranten

Seit Tagen demonstrieren Hunderttausende für Neuwahlen und gegen ein Abdriften in die Diktatur - Auslöser war die zeitweise Entmachtung des Parlaments und die zunehmende Repression. Der Generalsekretär der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS), Luis Almagro, sagte, die Demokratie in Venezuela sei "tödlich verletzt". "Wir verurteilen vor allem, dass das Regime die Colectivos bewaffnet hat, damit sie unkontrolliert Repression ausüben", sagte der frühere uruguayische Außenminister Almagro. Als Colectivos werden mit den seit 1999 regierenden Sozialisten sympathisierende Milizen bezeichnet, die mit Waffen und Schlagketten Gegner attackieren.

Maduro: "Es wird nie einen Bürgerkrieg geben"

Bilder von einer Frau, die sich einem gepanzerten Fahrzeug inmitten von Tränengas entgegenstellt oder von einem nackten Mann, der einen Panzerwagen besteigt und ein Ende der Gewalt fordert, gingen um die Welt. Der Mann hatte sich zuvor - nur mit Schuhen bekleidet - mit ausgestreckten Armen und einer Bibel in der Hand zwischen schwer bewaffnete Polizisten gestellt, die sich auf ihren Motorrädern mit Gasmasken gegen Tränengas schützten. "Werft keine Bomben mehr", rief er mit Blick auf den massiven Tränengaseinsatz.

Maduro wiederum bezeichnete die Demonstranten als Terroristen, erklärte sich aber zugleich zum Dialog bereit: "Es wird nie einen Bürgerkrieg in unserem Vaterland geben". Vor Anhängern forderte Maduro die Verteidigung der von seinem Vorgänger Hugo Chávez begonnenen sozialistischen "Revolution" - dank der Öleinnahmen wurde lange massiv in Sozialprogramme und Wohnungsbau investiert. Aber Misswirtschaft ließ Venezuela zuletzt abstürzen. Wegen der Bedienung milliardenschwerer Auslandsschulden und der höchsten Inflation der Welt können kaum noch Lebensmittel und Medikamente importiert werden, die in Euro oder Dollar zu bezahlen sind. Antibiotika, Diabetes- oder Epilepsie-Medikamente sind kaum noch zu bekommen. Auch die Kindersterblichkeit stieg deutlich an. 2016 brach die Wirtschaftsleistung um 18 Prozent ein.

sti/kle (afp, ap, dpa, rtr)

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