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Aktuell Asien

Immer mehr Selbstverbrennungen in Tibet

Wieder hat sich ein Tibeter aus Protest gegen die chinesische Besatzung seiner Heimat selbst verbrannt. Auch unter Tibetern wächst die Kritik an dieser Form des Widerstands.

Die Pro-Tibet Organisation "Free Tibet" sieht in den immer häufiger und in kürzerer Folge stattfindenden Selbstverbrennungen eine gefährliche Entwicklung. Am Montag starb nach ihren Angaben ein etwa 50-jähriger Mann, als er sich im Kloster Labrang in der chinesischen Provinz Gansu selbst anzündete. "Die Proteste der Tibeter eskalieren", sagte "Free-Tibet"-Direktorin Stephanie Brigden. Es sei bereits der achte Vorfall in den vergangenen vier Wochen. Sieben endeten tödlich. China müsse die Forderungen der Tibeter nach Freiheit anerkennen. Brigden, deren Organisation in London sitzt, forderte von Peking einen "konstruktiven Dialog".

Erst am Samstag hatte sich in der gleichen Region ein 27-Jähriger auf diese Weise umgebracht. Wie "Free Tibet" berichtete, setzte sich der Familienvater in dem Dorf Bhora in der Region Gansu in Brand und rannte anschließend auf das dortige Kloster zu. Dabei schrie er Augenzeugen zufolge Slogans, in denen er die Rückkehr des Dalai Lama nach Tibet forderte. Staatliche Sicherheitskräfte hätten noch versucht, die Flammen zu löschen.

Tödlicher Protest gegen die Besatzer

Laut "Free Tibet" haben sich in den vergangenen zwei Jahren rund 60 Tibeter selbst verbrannt, um gegen Chinas Tibet-Politik zu protestieren. Mehrheitlich waren es junge Mönche und Nonnen des tibetischen Buddhismus. Das Kloster Labrang, Ort der jüngsten Selbstverbrennung, gilt als ein Zentrum des tibetischen Widerstands. Es sei jedoch das erste Mal, dass sich dort jemand selbst verbrannt habe, erklärte "Free Tibet".

Kritik auch von Innen

Auch unter Tibetern gibt es zunehmend Kritik an dieser Form des Protestes. Bereits Ende September appellierten Teilnehmer einer Konferenz von Exil-Tibetern aus aller Welt am Sitz des Dalai Lama im indischen Dharamsala an ihre Landsleute, Selbstverbrennungen zu unterlassen. Peking macht das geistliche Oberhaupt der Tibeter, den Dalai Lama, für die Selbstverbrennungen verantwortlich. Dieser weist die Vorwürfe, er habe dazu aufgerufen, zurück.

Der Dalai-Lama mit rund 20 Getreuen 1959 auf der Flucht aus Lhasa ins indische Exil (Foto: Archivbild, Li Jianglin)

Der Dalai-Lama mit rund 20 Getreuen 1959 auf der Flucht aus Lhasa ins indische Exil

China hält Tibet seit dem Jahr 1951 besetzt und kontrolliert die Region mit harter Hand. Rund zwei Millionen Tibeter leben in der autonomen Region Tibet. Vier Millionen siedeln in den chinesischen Westprovinzen Gansu, Sichuan, Yunnan und Qinghai. Die Tibeter klagen seit Jahrzehnten über soziale und religiöse Diskriminierung. Der Dalai Lama, der seine Landsleute immer wieder zu gewaltfreiem Widerstand ermutigt, fordert größere innenpolitische Autonomie für alle tibetischen Siedlungsgebiete. Peking lehnt solche Veränderungen als "Eingriff in die territoriale Integrität" ab.

qu/sti (dpa, kna, dapd)