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Politik

Immer mehr südkoreanische Geiseln sind frei

Die radikalislamischen Taliban haben mittlerweile zwölf der 19 in Afghanistan entführten Südkoreaner freigelassen. Seoul sicherte im Gegenzug zu, seine Truppen abzuziehen. Zudem sollen Missionare das Land verlassen.

Befreite Südkoreanische Geiseln in Afghanistan, Quelle: AP

Befreite Südkoreanische Geiseln in Afghanistan

Quelle: AP

Eine freigelassene Geisel wird gestützt

Die Taliban-Miliz in Afghanistan hat vier weitere südkoreanische Geiseln freigelassen. Damit endete am Mittwoch (29.8.07) die fast sechswöchige Geiselhaft für insgesamt zwölf Entführte. Weiter in der Gewalt der Taliban befanden sich sieben der ursprünglich 23 verschleppten Mitglieder einer christlichen Hilfsorganisation. Die zehn Frauen und zwei Männer wurden am Mittwoch in der südafghanischen Provinz in drei Gruppen dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz übergeben. Ein Taliban-Sprecher sagte, die sieben weiterhin festgehaltenen Südkoreaner würden bis Donnerstag freikommen.

Die Taliban, die die christlichen Aufbauhelfer im Juli verschleppt hatten, und die Regierung in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul hatten tags zuvor eine Einigung für die Freilassung der Geiseln bekannt gemacht. Demnach soll Südkorea seine Soldaten der internationalen Schutztruppe bis Ende des Jahres aus Afghanistan abziehen. Auch alle christlichen Missionare sollen das Land verlassen.

Abzug ohnehin geplant

Den Durchbruch zur Lösung des Geiseldramas erzielten südkoreanische Diplomaten und Taliban-Vertreter am Dienstag bei Gesprächen in der Stadt Ghasni. Die Unterhändler trafen sich in einem Büro des Roten Halbmonds. Einer der im Auftrag der südkoreanischen Regierung tätigen Unterhändler, der afghanische Stammesführer Haji Zahir, bestätigte, dass eine Einigung erreicht worden sei. Südkorea wollte sein etwa 200 Mann starkes Truppenkontingent, bestehend aus medizinischem Personal und Ingenieuren, bereits vor der Geiselkrise bis Ende des Jahres abziehen. Reisen in das Land sind seit der Entführung der Landsleute zudem verboten.

Die Taliban hatten im Juli 23 Südkoreaner in der Provinz Ghasni entführt, die von einer Kirche in einem Vorort von Seoul als Helfer nach Afghanistan entsandt worden waren. Zwei Geiseln wurden später erschossen, zwei kranke Frauen freigelassen. Die Geiselnehmer drohten mit der Ermordung der übrigen Südkoreaner, falls ihre Forderungen nicht erfüllt würden.

Schicksal von Rudolf B. weiter unklar

Einen Tag vor den Koreanern waren zwei deutsche Ingenieure entführt worden, von denen einer erschossen wurde. Weiterhin offen ist das Schicksal des entführten Deutschen Rudolf B. Die Kidnapper des 62-Jährigen fordern den Abzug der mehr als 3000 Bundeswehrsoldaten aus Afghanistan. Um seine Freilassung ist die Bundesregierung unverändert intensiv bemüht. Kanzlerin Merkel sagte in Tokio, die Situation der Südkoreaner ändere nichts an Art und Umfang der deutschen Bemühungen. Der afghanische Verteidigungsminister Abdel Rahim Wardak hatte am Wochenende die Auffassung vertreten, die Entführer von Rudolf B. machten dessen Freilassung möglicherweise von der Entwicklung im Falle der Südkoreaner abhängig.

Die Regierung und die Familien der Geiseln reagierten erleichtert auf die angekündigte Freilassung. "Die gute Nachricht hat uns erreicht und die ganze Bevölkerung ist jetzt erleichtert", erklärte Präsident Roh Moo Hyun in Seoul. "Ich würde am liebsten tanzen", sagte eine Mutter. Die Familien seien sehr glücklich, dass alle Geiseln freikommen würden, sagte Lee Jung Hoon, ein Bruder einer der weiblichen Geiseln, in ihrer Kirche im Seouler Vorort Pundang. "Ich werde beten, bis alle gesund zurückkehren." (stu/sams)

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