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Aktuell Deutschland

Immer mehr Gewalt gegen Journalisten

Nur "Lügenpresse"-Rufe waren gestern: Reporter, die von "Pegida" oder AfD-Demonstrationen berichten, werden inzwischen auch tätlich angegriffen. Sie setzen nun auf Sicherheitsleute - und hoffen auf die Politik.

"Journalisten werden körperlich angerempelt, angepöbelt, fotografiert." So beobachtet und erlebt es Frank Überall jüngst in seiner Heimatstadt Köln, als sich die "Pegida"-Bewegung anlässlich der Übergriffe der Silvesternacht auf den Weg über den Rhein in die Domstadt macht. Der Journalist muss Chinaböllern ausweichen, sieht, wie Bierflaschen Richtung Polizei fliegen. Er veröffentlicht den Bericht im Blog "augenzeugen.info", einem Projekt des Deutschen Journalisten Verbands, dessen Vorsitzender Überall ist.

Zeitgleich zum Start des Blogs berichtet der 44-Jährige in Berlin, im Bundestag vor dem Ausschuss Kultur und Medien. Er und andere, die berichten wollten - und Opfer wurden. So wie Deutsche-Welle-Reporter Jaafar Abdul Karim, der bei einer "Pegida"-Demonstration im vergangenen Oktober angegriffen wird. So wie, Britta Hilpert, ZDF-Studioleiterin in Brandenburg, die in Cottbus angegangen wird.

Ein Screenshot des Films, der zeigt, wie Britta Hilpert in Cottbus behandelt wird

Ein Screenshot des Films, der zeigt, wie Britta Hilpert in Cottbus behandelt wird

"Es gibt keine kritische Berichterstattung, die es rechtfertigt, gegen uns die Hand zu heben", sagt Hilpert vor den Politikern. "Wohl wahr", kommentiert Grünen-Politikerin Tabea Rößner später im Kurznachrichtendienst Twitter. In einem anderen Tweet schreibt die Obfrau des Ausschusses für Kultur und Medien über Ursachen der wachsenden Aggressionen gegenüber Journalisten:

Gewalt, Sachbeschädigung, Todesdrohungen: Knapp 30 Angriffe auf Journalisten zählt die Organisation "Reporter ohne Grenzen" 2015, das Europäische Zentrum für Presse- und Medienfreiheit sogar 49, davon 30 in Sachsen, dem Geburtsland von "Pegida".

Bewachte Berichterstatter

Britta Hilpert zieht nach dem Angriff gegen sich Konsequenzen. Sie will sich bei derartigen Demos nur noch in der Nähe der Polizei aufhalten. Und auch andere Reporter gehen nur noch mit Schutz vor Ort - weil sie es anders nicht mehr dürfen: Der MDR will fortan Moderatoren und Kamerateams bei Risiko-Veranstaltungen durch Sicherheitspersonal schützen lassen, erklärt der Chefredakteur des Mitteldeutschen Rundfunks, Stefan Raue, im Bundestag.

Der Anlass: Erst in dieser Woche wird in Leipzig eine MDR-Reporterin Opfer. Sie will vom Organisator des Montagsaufmarschs, Lutz Bachmann, ein Foto machen. Von hinten wird ihr das Handy aus der Hand geschlagen - und daraufhin ihr selbst ins Gesicht.

Appell an Polizei und Politik

Was tun gegen diese Entwicklung? "Wir lassen uns nicht einschüchtern und berichten weiter über alles, von dem wir glauben dass es berichtenswert ist", sagt im "augenzeugen.info"-Interview RTL-West-Chef Zajonc, der wie MDR-Kollege Raue seine Reporter von Sicherheitsteams begleiten lässt.

Raue fordert Kontaktbeamte für Reporter bei der Polizei, ZDF-Journalistin Hilpert drängt auf Hilfe der Politik. "Wir stehen am Anfang einer Entwicklung, die ich ganz gern jetzt gestoppt wissen möchte."

bor/uh (epd, kna)

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