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Gesundheit

Immer mehr gebrechliche Patienten in Kliniken

In den deutschen Kliniken steigt die Zahl alter Patienten rapide an. Zudem gibt es immer mehr Senioren mit mehreren Krankheiten. Die größte deutsche Krankenkasse sieht auf die Kliniken große Herausforderungen zukommen.

"Auf die Altersmedizin in Deutschland rollt ein Tsunami zu." Wenn es um die Zukunft der Medizin in Deutschland geht, greift die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie zu starken Vergleichen. Auch Deutschlands größte Krankenkasse, die Barmer, mahnte in Berlin in ihrem jüngsten Krankenhausreport, dass Deutschlands Krankenhäuser angesichts der alternden Gesellschaft umdenken müssten.

Trotz Zuwanderung und steigender Geburtenzahlen: Die Zahl der Über-70-Jährigen wird zwischen 2015 bis 2050 um rund 46 Prozent zunehmen. Was gleichzeitig bedeutet, dass auch die Zahl der älteren Krankenhauspatienten über 70 Jahre, die unter mehreren Erkrankungen gleichzeitig leiden, stark anwächst. Allein im Zeitraum von 2006 bis 2015 stieg deren Zahl bereits um rund 80 Prozent von 1,1 Millionen auf 2 Millionen an, heißt es im Krankenhausreport. "Damit wird die fachspezifische Versorgung geriatrischer Patienten immer wichtiger." Die Finanzierung und die Umgestaltung der Medizin würden zu einer "zentralen gesundheitspolitischen Herausforderung".

Versäumnisse bei Bund und Ländern

Nach Einschätzung der Deutschen Stiftung Patientenschutz sind die 2.000 Kliniken auf die wachsende Zahl älterer Patienten bisher kaum vorbereitet. "Bund und Länder haben hierauf in der Krankenhausgesetzgebung nicht reagiert", sagte der Stiftungsvorstand Eugen Brysch der Katholischen Nachrichtenagentur. Ein Aufenthalt alter Menschen im Krankenhaus gleiche oft einer unfreiwilligen Achterbahnfahrt, sagte Vorstand Eugen Brysch. "Betroffene sind gestresst, werden eingeengt und fühlen sich hilflos ausgeliefert. Das macht Angst. Deshalb geht es ihnen nach der Entlassung häufig schlechter als vorher."

Schon jetzt gehört die Geriatrie (Altersheilkunde) laut Barmer zu den am stärksten wachsenden medizinischen Fachdisziplinen. Erst Anfang der 1970er Jahre wurde der bundesweit erste Lehrstuhl für Geriatrie an der Universität Erlangen-Nürnberg eingerichtet. Inzwischen nahm die Zahl der Krankenhausbetten in der Geriatrie von etwa 10.400 im Jahr 2005 auf über 15.300 im Jahr 2014 zu, das ist eine Steigerung von rund 48 Prozent. Die Zahl der stationären Fälle in der Geriatrie wuchs sogar um 60 Prozent.

Bessere Heilungsaussichten an großen Kliniken

Geht es nach der Barmer, so kommt es vor allem darauf an, Pflegebedürftigkeit zu verhindern oder zumindest zu verringern. Die Krankenkasse empfiehlt, Geriatrie-Patienten nach Möglichkeit an größeren, multidisziplinär aufgestellten Krankenhäusern zu behandeln. "Dort haben sie bessere Chancen, wieder auf die Beine zu kommen", sagte der Autor des Krankenhausreports, Boris Augurzky vom RWI - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung. Dem Report zufolge sind etwa Kliniken mit mindestens fünf Fachabteilungen bei der Versorgung der Patienten mit einem Oberschenkelhalsbruch erfolgreicher. Dort sei das Risiko, im Anschluss an ein Pflegeheim überwiesen zu werden, um sechs Prozentpunkte geringer.

Die Barmer-Studie kommt außerdem zu dem Ergebnis, dass Hunderttausende hochbetagte Patienten in deutschen Krankenhäusern nicht optimal versorgt werden. So blieben viele über 70-Jährige oft für eine spezielle Krankenhaus-Reha in der Klinik, obwohl sie dort ein höheres Pflegefall-Risiko haben als bei einer herkömmlichen Reha. Die Behandlungsdauer richte sich immer öfter nach den größten Erlösen der Krankenhäuser, nicht nach medizinischen Gesichtspunkten.

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Gesund leben - Demenz vorbeugen

Klinik-Verweildauer sinkt weiter

Wie aus dem Krankenhausreport weiter hervorgeht, verbrachten Patienten zuletzt generell immer weniger Zeit im Krankenhaus. Die Verweildauer sank von durchschnittlich 8,51 Behandlungstagen 2006 um zwölf Prozent auf 7,49 Behandlungstage 2015. Anders war der Trend bei der Behandlung psychischer Krankheiten. Dort stieg die Verweildauer im selben Zeitraum um 6,5 Prozent von 22,15 auf 23,59 Tage.

Der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Karl Lauterbach, forderte, mehr Hausärzte auszubilden, um immer mehr ältere Patienten zu versorgen. "Das Risiko, an Demenz zu erkranken, erhöht sich, wenn ältere Patienten fern von zu Hause behandelt werden", sagte der Gesundheitsexperte. "Dafür brauchen wir mehr Hausärzte und müssen sie besser bezahlen."

kle/sti (kna, dpa, afp)

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