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Asien

Immer mehr chinesische Investitionen in Deutschland

Wachsende Investitionen aus China schaffen Arbeitsplätze in Deutschland. Zu diesem Ergebnis kommt eine jüngst veröffentlichte Studie der Bertelsmann-Stiftung, die große Chancen für beide Länder sieht.

Chinesische Unternehmen kaufen seit etwa drei Jahren verstärkt deutsche Firmen auf - nachdem bisher hauptsächlich deutsche Firmen in China investiert hatten. Doch in Deutschland lösen die Investitionen der Chinesen Ängste vor einem Verlust von Kontrolle und von Arbeitsplätzen aus. Ist das berechtigt? Oder liegen nicht vielmehr Chancen in diesem Trend?

Umgang mit Chinas Investoren: "Eine Aufklärungsfrage"

Cover: Aufbruch nach Westen - Chinesische Direktinvestitionen in Deutschland

Cora Jungbluth: Chinesische Direktinvestitionen in Deutschland

Dies hat jetzt die Bertelsmann-Stiftung in einer Studie untersucht. Für die Stiftung des Medienkonzerns Bertelsmann (Gruner + Jahr, RTL, Random House) aus dem nordrhein-westfälischen Gütersloh überwiegen eindeutig die Chancen der chinesischen Investitionen in Deutschland. Vor diesen müssten die Deutschen keine Angst haben, denn sie förderten das Wachstum und schafften Arbeitsplätze. Das ist das Fazit der Studie "Aufbruch nach Westen - Chinesische Direktinvestitionen in Deutschland".

Ängste, die Chinesen hätten mit ihren Investitionen in Deutschland "in der Summe Jobs vernichtet, sind unzutreffend", heißt es in der Untersuchung. Für ein abschließendes Urteil sei es zwar noch zu früh, da das Phänomen sehr neu sei. "Die Deutschen müssen sich erst daran gewöhnen, dass Chinesen hierher kommen und investieren", erklärte Liz Mohn, Vorstandsmitglied der Bertelsmann-Stiftung. Den Umgang mit chinesischen Investitionen nennt Mohn "eine Aufklärungsfrage".

Betrugen Chinas Investitionen in Deutschland 2003 nur 25 Millionen Dollar, waren es 2011 schon 512 Millionen, 2012 sogar 626 Millionen Dollar. Das meiste chinesische Geld fließt in mittelständische Unternehmen. Attraktiv für Chinas Firmen sei das deutsche Know-how, die eingespielten Vertriebsstrukturen, die bekannten Markennamen und Deutschlands Lage in Europa. "Die übernommenen Mittelständler wiederum profitieren häufig von einem verbesserten Marktzugang in China und der Zuführung frischen Kapitals", heißt es.

Deutscher Mittelstand sucht Nachfolge

Porträt von Liz Mohn (Foto: Bertelsmann-Stiftung)

Liz Mohn: Umgang mit chinesischen Investitionen ist "eine Aufklärungsfrage"

In Deutschland hätten viele mittelständische Familienunternehmen Nachfolgesorgen und stünden deshalb zum Verkauf. Die chinesischen Investoren würden nicht nur Geld bringen, sondern hätten meist auch langfristige Interessen. "Dies kann besser sein als die Übernahme durch einen US-Finanzinvestor", sagt Cora Jungbluth, Autorin der 94-seitigen Studie.

Norbert Scheuch, Chef des 2012 vom chinesischen Baumaschinenkonzern Sany übernommenen schwäbischen Betonpumpenherstellers Putzmeister, ergänzt: "Warum sollten wir unsere Firma an einen amerikanischen Fonds verkaufen, der uns später dann nach China verkauft? Das können wir auch selbst." Scheuch ist inzwischen im Vorstand des neuen Eigentümers Sany und guter Dinge: "Der Umgang ist sehr konziliant." Putzmeister habe weiterhin keine Spitzenmanager aus China.

Verdreifachung bis 2020

Aufschrift Putzmeister auf einer Maschine (Foto: dpa)

Der deutsche Betonpumpenhersteller Putzmeister wurde 2012 von der chinesischen Firma SANY übernommen

Die Studie prognostiziert bis 2020 eine Verdreifachung chinesischer Investitionen in Deutschland auf zwei Milliarden US-Dollar pro Jahr. Bisher sind es kumulativ 2,5 Milliarden und damit nur 0,2 Prozent aller ausländischen Investitionen in Deutschland. Noch liegt China als Investor in Deutschland erst auf Rang 20.

Chinesische Firmen treffen in Deutschland auf weniger Widerstände als in den USA, was zu Deutschlands Attraktivität beitrage. Doch gebe es Ängste vor ungewolltem Technologietransfer, unfairen Wettbewerbspraktiken und Industriespionage. Gegen die Vorbehalte empfiehlt die Studie "offene Kommunikation und maximale Transparenz".

"Von den Ängsten emanzipiert"

Porträt Armin Schild, Bezirksleiter des Bezirks Frankfurt der IG Metall (Foto: dpa)

Armin Schild von der IG-Metall: "Das Bild der chinesischen Investoren hat sich von den Ängsten emanzipiert"

"Vor drei Jahren war der Gedanke noch schockierend für uns, Chinesen könnten Opel aus GM rauskaufen", sagt der Bezirksleiter der Gewerkschaft IG Metall und Aufsichtsrat im Autokonzern Opel, Armin Schild. "In der Wahrnehmung der IG Metall hat sich das Bild der chinesischen Investoren von den Ängsten emanzipiert." Zwar hätten chinesische Investoren kein Verständnis für das deutsche Mitbestimmungsmodell, bei dem viele Maßnahmen zu Arbeitsbedingungen und Arbeitszeiten nur mit Zustimmung der Arbeitnehmervertretung umgesetzt werden dürfen. Aber die chinesischen Investoren seien dazu bereit, mit Leuten zusammenzuarbeiten, die davon etwas verstehen, hat Schild festgestellt.

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