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Fußball

Immer auf der Höhe sein

Schiedsrichter müssen sich ständig weiterbilden. Auch während der Saison werden die Unparteiischen geschult. Zurzeit im Fokus: Pyro-Attacken, Handspiele und "Stoßstangen"-Fouls.

Schiedsrichter Tobias Welz massregelt Cristian Molinaro von Stuttgart (Foto: Patrick Seeger/dpa)

Schiedsrichter Tobias Welz massregelt Cristian Molinaro von Stuttgart

Rote oder Gelbe Karte? Handspiel oder vielleicht Abseits? Schiedsrichter müssen in Sekundenbruchteilen entscheiden und eine komplexe Spielsituation in ihre Einzelheiten zerlegen. Was war zuerst – das Foulspiel oder die Abseitssituation? Ging der Arm zum Ball, hat der Stürmer eine erstklassige Schauspieleinlage demonstriert oder wurde er tatsächlich gefoult? Was Fans vor dem Bildschirm in der dritten Wiederholung "ganz eindeutig" als elfmeterreif beurteilen, hat der Unparteiische auf dem Platz nur einmal gesehen. Und das vielleicht sogar nur aus dem Augenwinkel.

"90 Prozent richtige Entscheidungen"

Zur Seite stehen ihm die Assistenten, die durchaus Mitspracherecht haben. Doch der Funkverkehr zwischen dem Schiedsrichtergespann soll auf ein Minimum reduziert sein. "Im Gegensatz zu Spielern hat ein Schiedsrichter keine Möglichkeit, einen Fehler wieder gutzumachen", macht Hellmut Krug deutlich. Der ehemalige deutsche FIFA-Schiedsrichter ist Experte der Deutschen Fußball Liga (DFL) für das Schiedsrichterwesen. Er schult die Referees und bildet Schiedsrichter-Beobachter aus. Vier Mal im Jahr findet für deutsche Top-Schiedsrichter eine Leistungsprüfung statt, um die Fehlerquote im Spiel möglichst niedrig zu halten.

Hellmut Krug (l.): 2001 ermahnt er noch als aktiver Schiedsrichter Kaiserslauterns Torwart Georg Koch (Foto: dpa)

Hellmut Krug (l.): Als aktiver Schiedsrichter ermahnt er 2001 Kaiserslauterns Torwart Georg Koch

"Pro Spiel gibt es im Schnitt 220 Entscheidungen für Schiedsrichter", erklärt Krug. "Aber 90 Prozent sind richtig." In Grenzsituationen solle ein Schiedsrichter zu der geringeren Strafe greifen, sagt Krug, der die Laufbahn eines Unparteiischen vor allem als "charakterbildend" und "persönlichkeitsstärkend" beschreibt. Es sei nicht leicht, in einer Fußballarena von 60.000 Heimfans ausgebuht zu werden.

Ellbogeneinsätze zu wenig geahndet

Dennoch werden Einzelszenen oft kontrovers diskutiert – auch von Experten. Und so müssen Bundesligaschiedsrichter genau wie Bundesligafußballer immer wieder ihre eigenen Spielszenen anschauen. Handspiele geraten dabei genauso in den Fokus wie Fouls und andere strittige Einzelsituationen. Vergrößert ein Spieler seine Körperfläche, indem er den Arm hebt oder zur Seite streckt, ist das zum Beispiel als Handspiel zu werten.

Im Rückblick auf die Hinrunde ist den Schiedsrichter-Experten vor allem eines negativ aufgefallen: Der Armeinsatz in Zweikampfsituationen. Oft springen Spieler mit dem Ellbogen voran in den Gegner, schlagen beim Laufduell nach hinten oder setzen ihren Unterarm wie eine Waffe ein. "Wer ausholt und seinen Gegner ins Gesicht schlägt, muss raus. Und wer seinen Ellbogen oder Arm als Stoßstange vorneweg dem Gegner ins Gesicht rammt, der muss ebenfalls raus", erklärt Herbert Fandel, Krugs Pendant auf Seiten des DFB.

Herbert Fandel, Vorsitzender der DFB-Schiedsrichter-Kommission, spricht bei einer Pressekonferenz (Foto: Boris Roessler dpa/lhe)

Herbert Fandel: Der Ex-Unparteiische ist heute Vorsitzender der DFB-Schiedsrichter-Kommission

Nachwuchsproblem im Schiedsrichterwesen

Fandel und Krug machen aktuell vor allem den Schiedsrichterschwund zum Thema, Nachwuchs komme nur schwer nach. "Es hat sicherlich damit zu tun, dass viele Jugendliche nicht mehr bereit sind, sich in diesem Bereich zu quälen", vermutet Krug. "Natürlich sind aber auch hier und da Übergriffe verantwortlich dafür. Wenn Schiedsrichter angegriffen werden, ist das natürlich wenig förderlich. Es geht darum, dass wir die jungen Schiedsrichter intensiv betreuen, dass wir ihnen auch helfen und wo dieses Personal vorhanden ist, machen wir auch gute Erfahrungen."

Insgesamt zieht Krug ein positives Fazit der Hinrunde und zum aktuellen Stand des deutschen Schiedsrichterwesens. "Wir sehen die Leistungen der Schiedsrichter bei Weitem positiver, als es in der Öffentlichkeit der Fall ist, aber auch das internationale Geschäft gibt uns Recht: Wir haben im Augenblick sechs Schiedsrichter auf internationaler Ebene in der Eliteliste der europäischen Schiedsrichter." Das könne kein anderes Land vorweisen. Der Lehrgang vor Beginn der Rückrunde sei sehr zielführend gewesen. "Unser Ziel liegt immer darin, die Schiedsrichter so gut vorbereitet in die Saison zu schicken, dass sie genau wissen, wo sie eingreifen müssen und an welchen Stellen sie ein Spiel steuern können."