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Deutschland

Imame sollen Brückenbauer werden

Wer zwischen unterschiedlichen Kulturen und Religionen vermitteln will, muss etwas über beide Seiten lernen. Das ist das Leitmotiv eines Integrationsprojekts, das in Nürnberg und Köln begonnen hat.

Hakan Altinok sitzt aut einem Tisch in einem Klassenzimmer (Foto: Pauline Tillmann, DW 2009)

Lehrer Hakan Altinok unterrichtet Imame

Am 10. Dezember ist in Nürnberg das Modellprojekt "Imame für Integration" angelaufen: In einem zehnmonatigen Sprachkurs sollen 15 Imame und Religionsbeauftragte aus Mittelfranken so gut Deutsch lernen, dass sie später als Mittler zwischen Gesellschaft und muslimischer Gemeinde fungieren können. Initiatoren sind das Goethe-Institut, das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge sowie die Türkisch-Islamische Union (DITIB).

Verständnis ist wichtig

Lehrer Hakan Altinok gestikuliert mit beiden Händen und gespreizten Fingern (Foto: Pauline Tillmann, DW 2009)

Eine gestenreiche Sprache soll die Schüler zu einem schnellen Lernen der deutschen Sprache animieren

Der Klassenraum in der Integrations- und Bildungsakademie ist freundlich gehalten. Überall orange Wände, die positive Stimmung fördern sollen. Und die positive Stimmung ist da, alle Teilnehmer sind topmotiviert und ganz bei der Sache. Erst wenige Tage vor Beginn des Projekts lernten sich alle 15 kennen - 13 Männer, zwei Frauen. Alle von ihnen haben ein Theologiestudium in der Türkei abgeschlossen und arbeiten seit ein, zwei Jahren als Imame in ihren bayerischen muslimischen Gemeinden.

Ein halbes Jahr dauerten die Vorbereitungen für den Kurs in Nürnberg. "Dabei bestand die größte Herausforderung sich so gut wie möglich abzustimmen", sagt Angela Kaya, die das Projekt von Seiten des Goethe-Instituts begleitet. Die Imame könnten ihrer Meinung nach einen wichtigen Beitrag zur Integration leisten, weil sie die Sorgen und Nöte der Muslime in Deutschland besser verstünden als Nichtmuslime. Außerdem könnten sie bei Behördengängen übersetzen und vermitteln.

Mehr über Sprache und Gesellschaft erfahren

Der Unterricht ist immer vormittags und umfasst 500 Deutschstunden. Dazu kommen zwölf interkulturelle und landeskundliche Einheiten. In denen werden die Projekt-Teilnehmer zum Beispiel in das deutsche Bildungssystem eingeführt, oder sie lernen mehr über Migration und religiöse Vielfalt.

Zeitgleich mit Nürnberg hat in Köln ein zweiter Integrationskurs für Imame begonnen. Warum ausgerechnet Köln und Nürnberg? Weil dort am meisten Imame zusammenkamen, um so einen Kurs zu besuchen. Das Projekt ist insgesamt auf drei Jahre angelegt - bis dahin sollen bundesweit bis zu 150 Imame die Deutschkurse durchlaufen haben. Das soll sie dazu befähigen, Brücken zwischen ihrer muslimischen Gemeinde und der deutschen Gesellschaft zu bauen.

Autorin: Pauline Tillmann

Redaktion: Martin Schrader

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