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Asien

Imageschaden für China

Der Internetkonzern Google hat seine Ankündigung vom Januar wahr gemacht: Nach fruchtlosen Verhandlungen unterwirft er sich nicht mehr den chinesischen Zensurbestimmungen. Das ist konsequent.

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"Vorübergehend geschlossen" - Googles China-Zentrale in Peking

Es ist ein Paukenschlag: Google hält Wort und beteiligt sich nicht mehr an der Zensur des Internets in China. Die Hongkonger Server des Unternehmens liefern jetzt unzensierte Suchergebnisse. Das mutet an wie ein Befreiungsschlag. Erst recht für einen Konzern, dessen informelles Firmenmotto lautet: "Tu nichts Böses" (Don´t be evil).

Für Google ist das Manöver konsequent. Die Internetgemeinde hat nie den wachsweichen Begründungen geglaubt, die Google bei seinem Markteintritt in China 2006 abgegeben hat: "Positive und bedeutende Beiträge" zur Entwicklung in China wolle man leisten. Und um das zu tun, müsse man sich eben den chinesischen Zensurbestimmungen unterwerfen und selbst die Suchergebnisse filtern. Für den Zutritt zum mittlerweile größten Internetmarkt der Welt machte Google sich zum Komplizen der Zensoren. Damit hat Googles Ruf großen Schaden genommen – ohne dass sich wirtschaftlicher Erfolg eingestellt hätte: Denn in China kam der weltweite Marktführer nie über einen Marktanteil von geschätzten 30 Prozent hinaus.

Deutsche Welle Zentrale Programmredaktion Matthias von Hein

Matthias von Hein

Googles Geschäftsprinzip basiert auf einem freien Fluss von Informationen. Aber der wird in immer mehr Ländern unterbunden. Über 40 Staaten schränken routinemäßig das Internet ein. In über 20 Ländern werden Google-Dienste geblockt. So wie in China etwa das Videoportal Youtube. Die Rückbesinnung auf die Tugenden eines freien Internets sind für Google schlicht überlebenswichtig.

Durch die Umleitung der chinesischen Suchanfragen nach Hongkong macht sich Google jetzt wenigstens nicht mehr selbst die Hände mit Internetzensur schmutzig. Für die Nutzer allerdings ändert sich wenig. Denn die Datenströme aus Hongkong werden in China behandelt wie Datenströme aus dem Ausland. Und das bedeutet: Sie werden jetzt von den staatlichen Systemen gefiltert, dem "Great Firewall of China". Damit bleiben viele kritische Inhalte gesperrt. China hat frühzeitig die Bedeutung des Internets für die Wirtschaftsentwicklung erkannt und auf einen massiven Ausbau gesetzt. Aber in ihrer Furcht vor freier Meinungsäußerung hat die Kommunistische Partei parallel eine mehrstufige Kontroll- und Zensurinfrastruktur aufgebaut: Dazu gehören ausgefeilte automatische Filtersysteme ebenso wie zehntausende hauptamtliche Internetpolizisten.

Entsprechend schäumt China vor Wut über Google, spricht von gebrochenen Zusagen und unerhörtem Verhalten. Zugleich versucht China, den Imageschaden einzudämmen. Welche Sorge China wirklich treibt, lässt sich an der Äußerung von Außenamtssprecher Qin Gang ablesen: Der hatte betont, der chinesische Markt sei völlig offen. Hier schmerzt Googles Schritt Peking vielleicht am meisten: Denn der Weltkonzern stellt mit seinem Rückzug auf Raten das chinesische Erfolgsmodell der letzten 30 Jahre in Frage: Mit der Verheißung eines vermeintlichen Milliardenmarktes ausländischen Konzernen Regeln aufzuzwingen, die sie nirgendwo sonst akzeptieren würden.

Autor: Matthias von Hein
Redaktion: Mathias Bölinger

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