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Kultur

Im Zeichen des Propheten: "Style Islam"

Auf den Karikaturenstreit wollte Melih Kesmen positiv und kreativ antworten: er druckte seine Meinung auf T-Shirts. Und die entwickelten sich zu Verkaufsschlagern.

T-Shirts mit Aufdrucken im Look von styleislam.com (Foto: Murat Koyuncu)

T-Shirts mit Aufdrucken im Look von styleislam.com

Ein Nachmittag in der Wittener Agentur von "Style Islam":

Das gesamte Büro von Wänden, über Tische, Stühle, Regale bis hin zu den Schränken ist schlicht und komplett in Weiß gehalten. Bunt und kreativ sind hier die Ideen in den Köpfen der Mitarbeiter. Melih Kesmen, der Gründer von "Style Islam", ist Grafikdesigner und entwirft Bilder und Sprüche für T-Shirts und Sweatshirts. Mit seiner Frau Yeliz bespricht der 32jährige die neuesten Motive und Slogans, mit denen die Shirts bedruckt werden sollen: "Muslim by Nature", "Terrorism has no Religion" oder "Stop Wars". Die wichtigste Inspirationsquelle für seine Arbeit ist der Alltag, erzählt Melih Kesmen: beispielsweise Gespräche mit Eltern oder Menschen auf der Straße, Beobachtungen im Alltag oder auch die Auseinandersetzung mit dem Koran. "Das ist wirklich total bunt gemischt. Diese Motive sind wirklich Ausschnitte aus den Eindrücken, die ich die ganzen Wochen und Monate über sammle."

Anregung zum Nachdenken

Ideen ohne Ende: Logos von Firmen oder Aktionen werden zum Islam Style verändernd. (Foto: Murat Koyuncu)

Ideen ohne Ende

Im Moment arbeitet Melih Kesmen an einem neuen Aufdruck für den Ramadan-Monat. Sein Entwurf zeigt drei Bilder: Gabel und Messer, ein gefülltes Glas und zwei Menschen, die sich streiten – alle drei als Verbotsschilder markiert und durchgestrichen. Mit seinen Bildern und Texten auf den T-Shirts will Kesmen Menschen aufmerksam machen und zum Nachdenken bringen. "Wenn die Motive jetzt einfach nur total unspektakulär und total weich wären, würde es nicht meinen Zweck erfüllen. Und der Zweck ist ja eigentlich, Leute neugierig zu machen", erklärt Melih Kesmen, "wenn jetzt irgendwelche Leute an der Bushaltestelle stehen, gelangweilt durch die Gegend gucken und sehen, dass der Nachbar ein T-Shirt trägt, auf dem steht: „Jesus and Mohammed – Brothers in Faith“, dann dürfte das vielleicht einen Christen neugierig machen. Was heißt das? Brüder im Glauben? Mohammed und Jesus? Was haben die miteinander zu tun? Das war genau der Reiz und die Idee, dass man Menschen einfach zum Kommunizieren bringt und dass sie miteinander sprechen."

I love my Prophet

Die Idee zu den selbst bedruckten T-Shirts kam dem Grafiker vor drei Jahren eher zufällig; damals lebte und arbeitete Melih Kesmen mit seiner Frau Yeliz noch in London. Als dann die Mohammed-Karikaturen aus Dänemark erhitzte Diskussionen und Gewalttätigkeiten auslösten, wollte er auf irgendeine positive kreative Art darauf reagieren. So entstand das erste bedruckte T-Shirt, auf dem als Bekenntnis "I love my Prophet" zu lesen war. "Dann sind wir in Cafés gegangen, sind in der Londoner U-Bahn gewesen, wo uns Leute angesprochen haben," erinnert sich Melih Kesmen, "die wollten auch direkt das T-Shirt haben und es war echt total überraschend. Da habe ich gemerkt, dass ich nicht alleine mit dieser Idee lebe, meine Identität zu kommunizieren."

Typisch für die Agentur Islam Style: Verbotsschilder für Schweinefleisch oder Alkohol auf ein T-Shirt gedruckt (Foto: Murat Koyuncu)

Typisch für die Agentur Islam Style

Für den Designer und sein Team, einer sechsköpfigen Gruppe aus Grafikern und Fotografen, ist die Marke "Style Islam" einfach eine Möglichkeit, sich auf kreative Weise zum Islam zu bekennen und gleichzeitig Mode zu machen.

Allerdings gibt es für Melih Kesmens Projekt nicht nur Anerkennung: Manche empfinden dies oft als zu provokant und befürchten, dass hinter der Marke eine fundamentalistische Organisation stecken könnte. "Wir müssen wirklich aufpassen, in welche Richtung das Ganze geht und dass man eben die Marke rein hält", sagt der Grafiker entschlossen, "man muss sich immer wieder selbst daran erinnern, welche Absicht man am Anfang verfolgte und was man vor mit dieser Marke vorhatte. Da muss man versuchen, sich selbst zu schützen. Das ist die Herausforderung, die wahrscheinlich noch auf uns kommen wird."

Autor: Murat Koyuncu

Redaktion: Conny Paul