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Afrika

Im Zangengriff

Machtkampf in Liberia: Die Rebellen greifen die Hauptstadt an und fordern den Rücktritt des Präsidenten Charles Taylor. Während Ausländer außer Landes geflogen werden, ist die Lage für die Bevölkerung katastrophal.

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Mit allen Mitteln auf der Flucht vor den Kämpfen um Monrovia

Viele Bürger der belagerten liberianischen Hauptstadt Monrovia sind sicher, dass für Präsident Charles Taylor das Ende nicht mehr fern ist. Ihre größte Hoffnung ist, dass sie dabei nicht selbst ins Kreuzfeuer geraten. Die meisten Ausländer haben die heruntergekommene Hauptstadt bereits verlassen: Französische Soldaten evakuierten inzwischen rund 540 Ausländer aus 38 Ländern.

Verzweifelte Lage in der Hauptstadt

Flüchtlinge in Liberia USA Botschaft

Flüchtlinge suchen Schutz in einem Gebäude nahe der US-Botschaft in Monrovia

Die Liberianer sind jedoch noch da und auf sich selbst gestellt. Furcht und Verzweiflung beherrschen die Stadt. "Die Leute haben Angst um ihr Leben", sagt Emile Sam-Paal, der Generalsekretär der liberianischen Baptisten-Vereinigung. Die meisten zogen zu Fuß ins Stadtzentrum, das noch von den Regierungstruppen kontrolliert wird. Ihre bescheidene Habe aus Kochtöpfen, Kleidung und Nahrungsmitteln trugen sie mit sich. In der ganzen Stadt gibt es kein fließendes Wasser mehr, denn die Wasserwerke liegen genau in den Stadtteilen, in denen die Kämpfe am heftigsten sind. Die Preise fast aller Güter steigen dramatisch. Und der Preis für eine Fluchtmöglichkeit ist ins Unermessliche geklettert.

Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hat bereits die Bürgerkriegsparteien in Liberia zu einem sofortigen Ende der Gewalt aufgerufen (9. Juni 2003). Das Gremium zeigte sich besorgt über die Folgen der anhaltenden Gefechte für die Zivilbevölkerung und rief Regierung und Rebellen auf, humanitäre Hilfe nicht zu behindern. Vor Ausbruch der neuen Kämpfe hätten humanitäre Helfer wenigstens noch zu einem Drittel des Landes Zugang gehabt. Inzwischen sei nach UN-Angaben so gut wie keine internationale Hilfe für die Drei-Millionen-Bevölkerung des westafrikanischen Staates mehr möglich.

Durchhaltewillen kontra Attacken

Kämpfe in Liberia

Ein Soldat bewacht den Hafen von Monrovia

Monrovia wird weiter von Rebellen belagert, die zum Sturz von Präsident Charles Taylor aufgerufen haben. Die Rebellenbewegung LURD ("Vereinigte Liberianer für Versöhnung und Demokratie") versucht seit vier Jahren, den gewählten Staatschef zu stürzen. Notfalls auch mit einem Sturm auf die Hauptstadt. Mit einem Zangenangriff von Norden und Südwesten wollen die Regimegegner Taylor zu Fall bringen. Er wird für den verheerenden Bürgerkrieg im Land von 1989 verantwortlich gemacht, der in den nachfolgenden Jahren eine Millionen Menschen zu Flüchtlingen machte.

Taylor hingegen demonstrierte Durchhaltewillen: Er fuhr zum Hafen von Monrovia, weniger als zehn Kilometer vom Ort der Kämpfe entfernt. Wie lange er noch durchhalten kann, ist ungewiss. Der Staatspräsident wird inzwischen mit internationalem Haftbefehl gesucht. Das UN-Tribunal für das Nachbarland Sierra Leone wirft ihm vor, für dort verübte Kriegsverbrechen verantwortlich zu sein. Am 4. Juni 2003 war gegen Taylor wegen Verwicklung in den mehr als zehnjährigen Bürgerkrieg Sierra Leones Anklage erhoben worden.

Alternativen: Rücktritt oder Sturz Taylors

Präsident Charles Taylor Liberia

der liberianische Präsident Charles Taylor

LURD-Führer Sehon Damate Conneh rief die internationale Gemeinschaft zu stärkerem Druck auf Taylor auf. "Der einzige Weg, Liberia den Frieden zu bringen, ist die Ablösung Taylors", sagte er. Die jüngste Rebellenoffensive auf die Hauptstadt Monrovia nannte Conneh eine Reaktion auf die Angriffe der Regierung. Der 1948 geborene baptistische Laienprediger und langjährige Rebellenkommandant Charles Taylor hatte sich 1997 zum Präsidenten Liberias wählen lassen. Seit fast vier Jahren sieht er sich immer wieder neuen Aufständen im eigenen Land gegenüber und kontrolliert nur noch etwa 40 Prozent Liberias.

Zudem wurde Taylor von den Vereinten Nationen wiederholt vorgeworfen, die Rebellen der Revolutionären Vereinigten Front (RUF) im Nachbarland Sierra Leone unterstützt und Unruhe gestiftet zu haben. Die RUF tötete und verstümmelte seit 1991 zehntausende Menschen. In dem Konflikt, der 2002 Jahr offiziell beendet wurde, kamen mindestens 200.000 Menschen ums Leben.

Nachdem Taylor 1989 zunächst die Kämpfe der Nationalen Patriotischen Front Liberias (NPFL) gegen Liberias Militärmachthaber Samuel Doe angeführt hatte, weitete sich der Krieg 1991 auf das Nachbarland Sierra Leone aus. Taylor gilt als Drahtzieher des Waffen- und Diamantenschmuggels in der Region. Seit 1999 unterliegt Liberia einem UN-Embargo für Waffen- und Diamantenhandel.

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