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Wirtschaft

Im tiefen, tiefen Tal

Das Heulen und Zähneklappern geht weiter: Rund 40 Prozent hat der Deutsche Aktienindex DAX in den vergangenen drei Monaten verloren. Auch diese Woche kam die Talfahrt nur vorübergehend zum Stillstand.

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Ein Lichtblick: Die Amerikaner kaufen wieder deutsche Autos

Geringe Umsätze und sinkende Kurse während des Feiertagshandels ließen den DAX im Minus schließen, und so ging es auch am Freitag (4.10.2002) weiter. Dabei hatten sich die Aktienmärkte gerade erst von dem starken Druck befreit, der zu Anfang der Woche durch den deutlich unter Erwartungen liegenden Chicagoer Einkaufsmanager-Index ausgeübt worden war.

Ebenfalls belastend wirkte, dass institutionelle Investoren ihre Portefeuilles zum Quartalsende hin bereinigten. Berichte, dass sich der Irak mit den Vereinten Nationen über Waffenkontrollen geeinigt hat, sorgten dann für Entspannung. Händler betrachten diese Entwicklung dennoch mit Skepsis: Die USA seien nach wie vor zu einem Waffengang entschlossen. Am Freitag belasteten Gerüchte um eine angebliche Gewinnwarnung der Deutschen Bank und Berichte über einen riesigen Abschreibungsbedarf der Versicherungsgesellschaften auf ihre Industriebeteiligungen erneut die Kurse.

Neue Abschreibungsregelungen bei Lebensversicherern

Die Lebensversicherer haben allerdings diese Spekulationen über massive Wertberichtigungen auf Grund der Kursverluste an den Börsen zurückgewiesen. Sollten die von Wirtschaftsprüfern gemachten Vorschläge für Abschreibungsregeln auf Aktien, Anleihen und Fonds angenommen werden, werde es zwar Abschreibungsbedarf geben, dieser werde aber nicht riesig sein, stellte der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GdV) am Freitag in Berlin klar.

Generell hingen Wertberichtigungen von der Firmensituation ab. Durchschnittlich liegt der Aktienanteil nach Branchenangaben zur Zeit bei etwa 15 Prozent. Mehr als 80 Prozent ihrer Kapitalanlagen im Wert von insgesamt 540 Milliarden Euro hätten die Lebensversicherer in festverzinslichen Wertpapieren und Immobilien angelegt, heißt es. Den Aktien von Allianz und Münchener Rück half das wenig - sie standen am Freitagmittag zwischen vier und fünf Prozent im Minus.

Das Institut der deutschen Wirtschaftsprüfer (IdW) hatte sich auf neue Abschreibungsregeln für deutsche Lebensversicherer verständigt. Danach müssten Versicherer Werte in ihren Kapitalanlagen unter anderem abschreiben, wenn etwa am Bilanzstichtag der Kurs einer Aktie sechs Monate davor permanent um mehr als 20 Prozent unter Buchwert notiert.

Die Gewinner der Woche:

Dazu zählen die deutschen Automobilhersteller. Sie profitierten von einer hohen Absatzsteigerung in den USA im September. Insbesondere im Vergleich zu den US-amerikanischen Produzenten legten sie sehr gute Ergebnisse vor. Ebenso holten Technologietitel auf. Werte, die in der vergangenen Woche über Gebühr und aus fundamentaler Sicht ungerechtfertigt unter Druck geraten waren, erholten sich von ihren teilweise drastischen Kursverlusten. Wenngleich die Entspannung nicht endgültig ist und Rückschläge einzukalkulieren sind, zeigte sich, dass die Aktienmärkte sensibel auch auf kleine positive Verbesserungen in konjunktureller oder unternehmensspezifischer Sicht reagieren.

Sofern der Irak-Konflikt nicht eskaliert, sollte die Börse ihre negative Übertreibungsphase mehr und mehr abbauen und den guten Fundamentaldaten wie Kurs/Gewinnverhältnis, Dividendenrendite oder Kurs/Buchwertverhältnis Rechnung tragen. Die europäischen Rentenmärkte verließen am Mittwoch (2.10.2002) dieser Woche ihre jüngsten Renditetiefststände. Aufgrund der sich abzeichnenden Entspannung im Irak-Konflikt verabschiedeten sich Investoren insbesondere von Staatsanleihen, in die sie trotz schlechter Konjunkturaussichten in Europa investiert hatten. Daran kann man die aus fundamentalen Gesichtspunkten bestehende Überbewertung am Mark tfür Staatsanleihen mit mittlerer und langer Restlaufzeit erkennen, meinen die Analysten der Commerzbank.