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Europa

Im Tandem zum Songcontest

Der Eurovision Song Contest findet zum ersten Mal in Moskau statt. Es ist das Event schlecht hin. Alle Fiebern mit - selbst Putin! Und auch Moskaus Schwule wittern ihre Chance.

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Alex schwingt, Oscar singt! Na, wenigstens ist da die Aufgabenteilung klar. Und mit ihrer eingängigen Swing-Nummer können die Deutschen beim "Eurovision Song Contest" in Moskau nicht viel falsch machen. Das geht glatt runter, ganz ohne bitteres Aufstoßen.

Es sei das Ereignis dieser Tage in Moskau, da sind sich heimische wie ausländische Korrespondenten einmal einig. Alle fiebern mit, wer am Samstag (16.05.2009) im Finale stehen wird. Doch warum eigentlich? Das Staatsfernsehen zeigt zwar brav die Vorrunden, auch die beiden Halbfinale werden ein Mattscheiben-Großereignis werden. Und seit dem Wochenende laufen in verschiedenen hippen Locations der Metropole Moskau Wettbewerbspartys.

Georgier flogen raus

Doch noch prägen Plakate, die an den "glorreichen Sieg der Roten Armee über den Faschismus" erinnern, eher das Stadtbild, als Ankündigungen zum 54. Eurovision Song Contest. Und was macht das diesjährige Event überhaupt besonders? Dass der europäische Sangeswettbewerb erstmals im fernen Moskau stattfindet? In der ehemaligen Schalt-Zentrale des einstigen Ostblocks? Dass mit Patricia Kaas, Andrew Lloyd Webber oder Ralph Siegel in diesem Jahr wieder Schwergewichte in der eher "leichten" Sangeskunst Europas mitmischen? Dass eine Ukrainerin für Russland antritt, ein Weißrusse für Norwegen singt oder ein Amerikaner für Deutschland?

Dass es im Vorfeld zu politischen Spannungen kam, und das ausgerechnet wegen des georgischen Beitrags? Der Song der Georgier würde den russischen Regierungschef schmähen, so die Kritik. Fahrlässig oder absichtlich, das war den Europäischen Rundfunkanstalten egal: Sie schlossen die Georgier kurzerhand vom Wettbewerb aus.

Auch Putin fiebert mit

Das offizielle Russland jedenfalls nimmt dieses Großereignis extrem wichtig: Regierungschef und Ex-Präsident Wladimir Putin stattete den Teilnehmern bei ihren Generalproben medienwirksam einen Besuch ab. Man wolle den Grand Prix der Eurovision ins 21. Jahrhundert katapultieren, hieß es auf einer Pressekonferenz. Dafür sei man sogar bereit, rote Zahlen zu schreiben. Gut 30 Millionen Euro sollen die Staatsoberhäupter dafür bereitgestellt haben. Damit könnte der Moskauer Grand Prix der Teuerste aller Zeiten werden.

Moskaus Schwule hoffen auf ihre Chance

Auch Moskaus Schwulen-Aktivisten hoffen auf den Song Contest. Wenn alle Welt auf Russland blickt, wollen sie ihre erste Gay-Parade durch die russische Metropole führen. Seit 2006 ließen die Stadtväter solche Versuche strikt und mit Polizeigewalt immer wieder unterbinden. Schwulsein geht in Russland gar nicht! Es ist krank und eine Sünde, so sehen das die meisten Russen. Und viele wähnen in den jüngsten Plänen der Homo-Aktivisten eine pure Provokation. "Die wollen uns doch bloß unsere schöne Feier verderben. Die wollen hier für Krawall sorgen, damit Russland wieder schlecht da steht", solche Aussagen hört man zur Zeit öfter.

Tandems – der Renner in Russland

Der Wettbewerb an sich wird in Russland sicher gut ankommen. Abendfüllende, erheiternde leichte Unterhaltung auf bunten, glitzernden Bühnen hat hierzulande seit Sowjetzeiten Tradition. Und auch für die Deutschen Teilnehmer Alex und Oscar stehen die Chancen gut in Moskau, denn Tandemlösungen liegen in Russland im Trend! Auf höchster politischer Ebene rocken "Dima" und "Wowa" das Land schon seit einem Jahr. "Wowa" Wladimir Putin als Kabinetschef und "Dima" Dmitri Medwedjew als Kremlchef. Der eine führt, der andere regiert. Oder umgekehrt?

Autor: Markus Reher, Moskau
Redaktion: Miriam Klaussner