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Alltagsdeutsch – Podcast

Im Stau

In Deutschland heißt es für Autofahrer meist morgens, nachmittags und in den Schulferien: Geduld haben. Auf bestimmten Strecken reiht sich Auto an Auto: Stau! Auf unkomplizierte Mobilität will aber kaum einer verzichten.

Sprecher:
Mobilität ist in der modernen Gesellschaft etwas überaus Wichtiges. Güter müssen zur weiteren Verarbeitung oft lange Strecken transportiert werden. Die fertigen Produkte sollen dann schnell im Laden zu haben sein, werden also auf 's Neue befördert, und das leider meistens auf der Straße. Den größten Anteil am Verkehr haben die Personenkraftwagen, kurz PKW, genannt

Sprecherin:

Deutschland besitzt eines der dichtesten Verkehrsnetze der Welt. Wie ein Spinnennetz überziehen die Autobahnen die Bundesrepublik in einer Gesamtlänge von knapp 11.000 Kilometern, ohne dass dabei Landstraßen und andere Verbindungsstraßen eingerechnet wären. Dennoch reicht das alles nicht aus, um das wachsende Verkehrsaufkommen zu bewältigen. 33.000 Staus werden pro Jahr gemeldet. Aneinandergereiht ergäben die Fahrzeuge eine Gesamtlänge von 130.000 Kilometern, eine Blechkarawane, die drei Mal um die Erde reicht. Zu bestimmten Zeiten am Tag, in der Woche und im Verlauf des Jahres kommt es besonders häufig zum Stau.

ADAC-Mitarbeiterin:

"Ja. Staus. Da gibt 's natürlich ganz viele Ursachen. Wir sagen ganz salopp, es gibt zum Einen den Stau, den wir jeden Tag erleben im Berufsverkehr, die Rushhour, die Straßen reichen für etwa 20 Stunden am Tag, für vier Stunden reichen sie eben nicht, nämlich genau dann, wenn die Pendler unterwegs sind und alle in ihre Büros, in die Arbeitsstätten wollen. Dann gibt 's natürlich den Urlaubsstau. Da ist das gleiche Prinzip irgendwo zu sehen. Und wenn jetzt viele Menschen, sag 'n wir mal wir hab'n in Nordrhein-Westfalen, das ist das bevölkerungsreichste Bundesland, Ferien, Sommerferien, dann fahren an einem Wochenende etwa drei Millionen Menschen mal an einem Freitag- oder an einem Samstagmorgen los. Dann reichen die Autobahnen natürlich in der vorhandenen Kapazität nicht mehr aus. Dann sind viele unterwegs, das heißt die Gefahren steigen, es kommen Unfälle dazu, dann haben wir direkt den Verkehrsstau."

Sprecher:

Die Mitarbeiterin des ADAC, des Allgemeinen Deutschen Automobilclubs, spricht davon, dass es salopp gesagt, den Stau durch Berufsverkehr und den Urlaubsstau gibt. Salopp heißt eigentlich, etwas nicht ganz korrekt und ungezwungen ausdrücken. Man kann nicht nur salopp formulieren, man kann auch saloppe Kleidung tragen, zum Beispiel im Büro statt eines Anzugs mit Hemd und Schlips eine Jeanshose mit Pullover und einer Wolljacke. Die ADAC-Mitarbeiterin will mit dem Wort salopp einschränkend sagen, dass es natürlich noch viele andere Gründe für Staus gibt als den Berufsverkehr und Urlauberverkehr. Statt des deutschen Ausdrucks Berufsverkehr benutzten viele heute auch den englischen Begriff Rushhour. Pendler sind nicht etwa schlechte Fahrer, die den Verkehr behindern, sondern diejenigen, die außerhalb der Städte wohnen und zu ihrem Arbeitsplatz in die Stadt fahren müssen, also zwischen Wohnort und Arbeitsplatz hin- und herpendeln.

Sprecherin:

Damit Verkehrsstörungen die Autofahrer nicht gefährden, werden von vielen Radiosendern regelmäßig Verkehrsnachrichten ausgestrahlt. In diesen Verkehrsnachrichten werden zum einen natürlich die Staus gemeldet, zum anderen melden die Sender aber auch Hindernisse auf der Autobahn, zum Beispiel wenn sich Tiere dorthin verirrt haben oder die Fahrbahn vereist und glatt ist. Damit Unfälle vermieden werden, müssen die Informationen schnell weitergegeben werden, egal ob die Polizei oder ein einzelner Autofahrer sie meldet.

ADAC-Mitarbeiterin:

"Also als es wird das weitergegeben, was einigermaßen ernsthaft klingt, also wenn ein lachendes kleines Kind anruft, dann wird man diese Meldung wohl kaum ernst nehmen. Aber alle Meldungen, die ernst zu nehmen sind, die werden auch erst mal sofort weitergegeben, weil das Risiko ist einfach zu hoch, dass man sagt, das klingt wie 'ne Finte, also lass' ich das mal draußen, und dann sind aber wirklich da fünf Kühe auf der Autobahn und dann fahren zwei Autos rein. Das Risiko darf man nicht eingehen. Das heißt: erst geht die Meldung raus und parallel beginnt aber sofort die Überprüfung, und dann hat man ja auch sehr schnell die Rückmeldung, ob das so ist oder nicht, und dann wird die Meldung wieder rausgenommen. Der andere Weg wär' glaub' ich nicht zu vertreten."

Sprecher:

Eine Finte ist eine umgangssprachliche Bezeichnung für eine bewusste Täuschung. In einem anderen Zusammenhang könnte es auch eine Ausflucht oder einen Vorwand bedeuten. Zum Beispiel könnte jemand ein nur scheinbar unbeschädigtes Auto verkaufen und als besonders günstiges Angebot ausgeben. Das günstige Angebot wäre dann eine Finte. Wenn etwas nicht zu vertreten ist, dann ist diese Sache nicht zu akzeptieren und durchzuführen. Nach Ansicht der ADAC-Mitarbeiterin ist es nicht zu vertreten, Meldungen über Verkehrsstörungen erst zu überprüfen bevor man sie weitergibt. In der Zwischenzeit könnte schon etwas passiert sein. Vertreten werden können nicht nur Handlungen, sondern auch Meinungen. Ich vertrete die Meinung ist dann nur eine andere Formulierung für Ich bin der Meinung.

Sprecherin:

Um Hindernisse, Unfälle und Staus melden zu können, gibt es entlang der Autobahnen zahlreiche Polizeistationen. Zur zusätzlichen Unterstützung werden auch Flugzeuge und Hubschrauber eingesetzt. So können die Autofahrer wesentlich zuverlässiger und schneller informiert werden. Besonders oft im Stau stehen natürlich die Fernfahrer. Für sie ist der Fahrersitz ein Arbeitsplatz. Auf Autobahnraststätten treffe ich einige Fernfahrer bei einer kurzen Pause und frage, wie oft sie im Monat im Stau stehen.

O-Töne:

"Na, im Monat, na sag 'n wir mal fünf Stunden oder so. / Also bei uns im Fernverkehr sind es im Monat zehn, vierzig, na 400 Stunden im Jahr auf jeden Fall. Nur is' es eigentlich so: jeder hinter 'm PKW drin, guck' mal rein, wie viel da drin sitzen. Zu 90 Prozent eine Person, aber so lang wie die öffentlichen Verkehrsmittel für die Leut' nit ausgebaut sind, dass Sie von die kleine Ortschaften in die Stadt rein bessere Verbindung haben, so lange ändert sich nichts. Können Se abschminken."

Sprecher:

Für geübte Ohren war es leicht herauszuhören, dass unsere beiden Fernfahrer aus Schwaben kommen. Der Mann zuletzt spricht davon, dass sich nichts ändern wird, solange öffentliche Verkehrsmittel – also Bus und Bahn – nicht besser ausgebaut sind. Er sagt: Das können Sie sich abschminken, eine umgangssprachliche Redewendung dafür, dass etwas so unwahrscheinlich ist, dass man nicht glauben darf, es sei zu verwirklichen. Aber hören Sie noch einen weiteren Fernfahrer.

O-Ton:

"Wie lang ich im Stau stehe? Kann isch ungefähr saache: zwischen sibbe und elf Stunden im Monat jetzt geseh'n. Im Monat da hab' isch so mei neun, sibbe, neun, elf Stunden, die sind weg. Gell. Das ist traurig, aber das ist wahr. Noch die vorische Woch' hier in Köln-Leverkusener Kreuz. Da hab' ich allein zwoeinhalb Stunde im Stau gestanden. Da war hier 25 Kilometer Stau."

Sprecher:

Auf der Autobahn trifft man Menschen aus dem ganzen Bundesgebiet. Unser letzter Sprecher ist deutlich an seinem hessischen Akzent zu erkennen. Im Hessischen bleiben das "n" und das "e" am Schluss der Wörter oft unbetont. Der Fahrer sagt zum Beispiel sibbe statt sieben und Woch statt Woche. Noch deutlicher aber ist seine Betonung des "g" und des "ch". Im Wort sage wird "g" zu einem "ch", also aus sage wird sache. Ich wird im Hessischen immer als isch ausgesprochen. Der Hochdeutsch gesprochene Satz Vorige Woche habe ich zwei Stunden im Stau gestanden würde in Hessen deshalb lauten: Vorische Woch hab ich zwei Stunde im Stau gestande.

Sprecherin:

Bei so viel Ärger über Staus und verschwendete Zeit stellt sich natürlich die Frage, wie man die Zustände verbessern könnte. Auch dazu wussten einige Autofahrer etwas zu sagen:

O-Töne:

"Doch das kann man scho ändern, aber da müssten eigentlich die Betriebe – Ballungszentrum Köln Beispiel – aufeinander zugehen und so weiter, 'Hey, wir hab' n die und die Arbeitszeit. Du hascht auch 'n Kollege, der kommt wegen mir von Bergisch Gladbach, der andere auch und so weiter. Könnt ihr euch nit kurzschließe. Wenn wir auch zwei verschiedene Betriebe sind, können die nicht miteinander fahren, als dass sie jeder alleine fahrt, ne. / Zeitweise bei uns in Hessen ist das ja teilweise, gell. In Ingelheimer-Raum dort gibt es ja viele Fahrgemeinschafte, und das tut das Land Rheinland-Pfalz ja auffordern. Das find' ich schon richtig, gell. Das is a vernünftische Gedanke, das is wunderbar. Das werd' ich auch unterstütze, ne, vielleicht mit e paar Steuergrosche. / Ja auch wenn ich dafür die junge Leut' heutzutage im Alters wieder hochzustufe. Wie ich 21 Jahr' war, auch konnt' ich mir erst e Auto kaufe. Heut' geht dat schon mit 17 Jahr' los. Heut' kommen se aus de Schul, müssen se mit 18 das Auto schon vor der Haustür steh 'n, aber das war in meiner Zeit noch nit. Das werd' ich auch dadurch reduzieren."

Sprecher:

Der erste Autofahrer schlägt vor, dass große Firmen in Ballungszentren ihre Mitarbeiter zu Fahrgemeinschaften anregen müssten. Ballungszentren sind Gebiete wie beispielsweise der Raum Köln oder Frankfurt. Viele Industriebetriebe und Wohnungen finden sich hier auf verhältnismäßig wenig Fläche eng beieinander. Die Einrichtungen ballen sich. Der Fahrer sagte, die Kollegen müssten sich untereinander kurzschließen, ein umgangssprachliches Wort für verständigen oder miteinander abstimmen. Von Kurzschluss sprechen sonst eher die Elektriker und Heimwerker, dann nämlich wenn jemand zum Beispiel die elektrischen Kabel vertauscht hat und nach einem Knall gar nichts mehr funktioniert.

Sprecherin:

Zunehmender Verkehr auf den Straßen ist nicht nur eine lästige, und wenn Staus entstehen, eine zeitraubende Angelegenheit, sondern viel Autoverkehr schadet auch der Umwelt. Gegen einen weiteren Ausbau des Straßennetzes wendet sich auch der Verkehrsclub Deutschland, kurz VCD. Er ist für einen stärken Ausbau von Bus und Bahn.

Roland Schüler:

"Ein Beispiel wäre der morgendliche Pendler aus dem Bergischen Land oder aus jeder anderen Region, die in die Stadt rein wollen. Die setzen sich heute in das Auto und fahren dann eben regelmäßig jeden Morgen in ihren Stau hinein. Kennen sie schon und wissen dann genau, an der Autobahnabfahrt beginnt der Stau und jetzt muss ich noch zwanzig Minuten stehen und dann kann ich wieder weiter flüssig fahren. Und für diese Leute, die ganz regelmäßige Fahrten hab'n, können wir überlegen, 'n anderes Alternativangebot: dass er eine Bushaltestelle in der Nähe hat, wo er weiß, dass der Bus dann fährt. Im Bus bekommt er seine Tageszeitung serviert; er steigt dann um in die Straßenbahn oder in die Eisenbahn, dort bekommt er 'ne Tasse Kaffee oder Brötchen serviert, so dass er dann auch ein anderes Erlebnis hat, nämlich der Verkehrsweg wird für ihn zum Erlebnis."

Sprecher:

Roland Schüler beschrieb gerade, dass viele Autofahrer recht genau wissen, wie lange sie im Stau stehen müssen, bevor sie dann wieder flüssig weiter fahren können. Flüssig fahren bedeutet ohne Behinderung fahren zu können. In ähnlich bildlicher Weise spricht man häufig auch vom Verkehrsstrom oder Verkehrsfluss. Der Verkehr rollt also nicht nur, sondern er fließt – wenn er denn fließt.

Fragen zum Text

Jemand, der einen anderen täuschen will, ist …

1. fintenvoll.

2. fintenreich.

3. fintig.

Ein Ballungszentrum kann auch bezeichnet werden als …

1. Metropole.

2. Großregion.

3. Agglomeration.

Ergänzen Sie: "Der Stau hat sich aufgelöst. Sie können jetzt …

1. wieder fließen."

2. flüssig weiterfahren."

3. fließend kriechen."

Arbeitsauftrag

Es gibt mehrere Automobilclubs in Deutschland, zum Beispiel den ADAC, den AvD, den VCD. Suchen Sie sich einen Club aus dem Internet heraus. Stellen Sie diesen und seine Angebote in Ihrer Gruppe in einem etwa fünf- bis zehnminütigen Vortrag vor.


Autor: Günther Birkenstock

Redaktion: Beatrice Warken

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