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Wissen & Umwelt

Im Solarauto einmal um die Welt

Von Australien über die USA nach Europa: So viel haben sie schon geschafft. Ein Team von Studenten lernt mit der Energie der Sonne die Welt kennen. Sie sind begeistert - wenn es auch komfortablere Autos gibt.

Das Solarauto Solarworld GT fährt um die Welt, nur mit Sonnenenergie. Hier in Neuseeland. (Foto: SolarWorld AG)

Solarauto auf Weltumrundung Neuseeland

Die Sonne brennt strahlend heiß vom Himmel - trotzdem muss die versprochene Probefahrt mit dem solarbetriebenen Auto erst mal ausfallen. Denn die Batterien des Autos sind gerade leer, erklärt Matthias Drossel, Elektrotechnikstudent der Hochschule Bochum. In den letzten Tagen hat einfach die Sonne zu wenig geschienen, vor allem auf der Fahrt durch Belgien war schlechtes Wetter.

Matthias Drossel von der Hochschule Bochum. (Foto: DW/Per Henriksen)

Matthias Drossel fährt um die Welt

Jetzt müssen Drossel und der Rest des etwa zehnköpfigen Teams den sonnigen Tag nutzen. Sie haben die Solarpaneele ihres Autos abgeschraubt und schräg zum Himmel aufgebahrt, damit die Paneele durch den optimalen Einfallswinkel besonders viel Energie tanken können. Noch vier Stunden, dann erst seien die Batterien wieder voll geladen, berichtet Matthias Drossel nach einem Blick auf seinen Laptop. Statt einer Probefahrt gibt es daher erst mal ein Probesitzen im SolarWorld GT.

Schummeln verboten

Die Hochschule Bochum hat das Solarauto gebaut - wie der Name schon sagt, mit Unterstützung des Unternehmens Solarworld. Es soll einmal die Erde umrunden, nur mit der Energie der Sonne. Ein Jahr dauert die Reise von Australien über die USA, Europa und Asien wieder zurück nach Australien. Zwischendurch etwas Strom aus dem Stromnetz zu ziehen, ist nicht drin, betont der Maschinenbaustudent Yago Albrecht: "Wir wollen zeigen, dass es möglich ist, nur mit Sonnenenergie rund um die Welt zu fahren", sagt er, "und wenn die Sonne nicht scheint, stehen wir eben zwei oder drei Tage an demselben Ort und warten."

Solarauto SolarWorld GT (Foto: DW/Per Henriksen)

Das Solarauto parkt, und die abgeschraubten Solarpaneele tanken in der Mittagssonne Energie.

In der Mittagssonne reicht die Sonnenenergie, um 50 km/h zu fahren. In der Morgen- und Abendsonne hingegen muss der Motor zusätzliche Energie aus den Akkus im Kofferraum ziehen - ebenso, wenn der Fahrer mehr Gas gibt. Daher tuckeln die Studenten mit 50 km/h durch die Welt - meistens zumindest. "Das schnellste war um die 110 km/h", sagt Elbrecht. "Das war, glaube ich, in Neuseeland. Da ging es gerade bergrunter."

Bei der Reise um die Welt fahren aber auch zwei gewöhnliche benzinbetriebene Wagen mit. Sie transportieren das Gepäck und das Team der Hochschule Bochum. Denn die Studenten fahren abwechselnd das Auto, außerdem sorgen sie dafür, dass alles funktioniert und reparieren auch mal, wenn es sein muss. "Ich hab mir zwei Urlaubssemester genommen, um die ganze Tour mitmachen zu können", sagt Elbrecht und strahlt. "Ich dachte mir: Du kriegst nie wieder diese Chance, einmal um die ganze Welt zu fahren, und dann mit einem Solarauto – ist doch einfach toll!"

Erinnerungen an die letzte Dorfkirmes

Cockpit des Solarautos (Foto: DW/Per Henriksen)

Das Cockpit des Solarautos

Wer sich das erste Mal hinters Steuer des Solarautos setzt, denkt sofort an den Autoscooter zurück, mit dem man auf der Kirmes seine Runden geflitzt ist. Das Lenkrad ist recht klein, und auch die beiden einzigen Sitze sind ziemlich unbequem. Viel Platz gibt es nicht: Wer so groß ist wie Yago Elbrecht, sitzt nicht wirklich gemütlich. "Aber das geht schon", versichert er, "ich lieg dann halt ein bißchen gekrümmt hier drin." Und es seien ja auch nicht alle im Team so groß wie er.

Nur ein paar Minuten an einem sonnigen Tag wie heute im Auto, und der Schweiß bricht aus: Nicht anders als in einem gewöhnlichen Auto wird es knallheiß. Eine Klimaanlage gibt es natürlich nicht - die wäre zu schwer und würde zuviel Energie schlucken. Lediglich zwei Luftschlitze vorne am Wagen lassen während der Fahrt etwas Luft rein und bringen dem Fahrer ein wenig Kühlung. "In Australien hat aber auch das wenig gebracht - da war es einfach zu heiß", sagt Elbrecht.

Auch fehlt die Heizung - in den Bergen von Arizona musste sich der Fahrer daher warm einpacken, erzählt er. Servolenkung und Bremskraftverstärker gibt es nicht. Wie im Sportwagen sitzt man recht tief und damit nah an der Straße. Zudem ist das Fahrwerk weniger gedämpft als bei einem gewöhnlichen Auto: "Man merkt schon jede Bodenwelle und jedes Schlagloch, über das man fährt. Es rappelt doch sehr."

Rattern statt Dröhnen

Probesitzen im Solarauto - Brigitte Osterath (Foto: DW/Per Henriksen)

Probesitzen, nicht selber fahren: DW-Reporterin Brigitte Osterath

Nach vier Stunden sind die Batterien im Solarauto wieder voll geladen. Elbrecht, Drossel und die anderen haben alle Solarpaneele wieder auf dem Auto festgeschraubt. Die Probefahrt auf dem Beifahrersitz kann also doch stattfinden. Bevor es losgeht, setzt der Fahrer einen Helm auf. Denn daran ist ein Funkgerät befestigt, über das er ständig mit seinen Kollegen in den Begleitfahrzeugen in Kontakt ist. "Ich starte den Motor jetzt!", ruft er ins Mikrofon.

Er dreht den Schlüssel und der Elektromotor beginnt, leise zu brummen - ganz anders als bei einem Verbrennungsmotor. Erst als der Fahrer Gas gibt und anfährt, rasselt der Motor lauter. Es klingt ziemlich abgehakt und ungesund - aber der Fahrer schaut zufrieden drein, also ist wohl alles in Ordnung. Und ab 15 km/h Geschwindigkeit sei der Motor wieder flüsterleise, sagt er.

Die Probefahrt endet leider viel zu schnell - nämlich an der nächsten Ecke. Von da fährt das Auto weiter Richtung Duisburg. Und dann durch Asien zurück nach Australien.

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