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Kultur

Im Schatten des Vaters

"Er war homosexuell, er war süchtig und der Sohn Thomas Manns. Also war er dreifach geschlagen." So schrieb der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki über Klaus Heinrich Thomas Mann, der vor 100 Jahren geboren wurde.

KLaus Mann

Klaus Mann, der 'ewige Sohn'

Mit 26 Jahren schrieb Klaus Mann seine erste Autobiografie "Kind dieser Zeit". Mit diesem prophetischen Titel lässt sich auch sein 42 Jahre dauerndes Leben überschreiben. Als Klaus Heinrich Thomas Mann wurde er vor 100 Jahren, am 18. November 1906, in München-Schwabing geboren als zweites Kind des Jahrhundert-Schriftstellers Thomas Mann und seiner Frau Katja. In Hamburg findet aus diesem Anlass die Veranstaltungsreihe "Schreiben - einzige Möglichkeit der Erleichterung" statt, die zahlreiche Klaus-Mann-Forscher und Liebhaber seiner Literatur anzieht.

Selbstmord nach 42 Jahren

Übervater: Literatur-Nobelpreisträger Thomas Mann

Übervater: Literatur-Nobelpreisträger Thomas Mann

Einer von ihnen ist Uwe Naumann, einer der wichtigsten Klaus-Mann-Biografen: "Klaus Mann war zeitlebens ein Brückenbauer, der zwischen Menschen, Sprachen, Kulturen, auch zwischen politischen Strömungen vermitteln wollte. Und diese Rolle hat er mit Leidenschaft wahrgenommen. Mit großem Erfolg an bestimmten Stellen seines Lebens. Am Ende dann leider nicht mehr, deswegen hat er sich früh das Leben genommen."

Das war am 22. Mai 1949 im südfranzösischen Cannes. Klaus Mann wird von vielen als tragische Figur gesehen, die vielleicht nur ein Ziel hatte, wie einige Freunde meinten: "Er wollte selber Thomas Mann werden."

Für seinen Biografen Naumann war er ein ausgesprochen weitsichtig denkender Schriftsteller. "Für wen schreibe ich? Für die Kommenden", notierte er in seinem Roman "Der Vulkan", der 1939 erschien. Mann entwarf hier seine Utopie des sozialistischen Humanismus als eine Ordnung, in der alle Platz hätten, auch "Drogensüchtige, Homosexuelle, Anarchisten". Den Weg dorthin fand er sein ganzes Leben lang nicht.

Der ewige Sohn

Gustav Gründgens auf der Bühne

Künstler unter dem Hakenkreuz: Gustav Gründgens

Schon als Kind, hoch begabt, schrieb Klaus Mann erste Romane. Doch als "der ewige Sohn" von Thomas Mann hatte er es nicht leicht im Literaturbetrieb. Er lehnte sich auf. In den 20er Jahren bewegte sich Klaus Mann in der schwulen Subkultur von Berlin und Paris, auf der Suche nach einem Lebenskonzept, in dem er seine intellektuellen Interessen teilen kann.

Von daher waren Klaus und Thomas Mann nicht nur in ihren Werken sondern auch in ihren Auffassungen nicht vergleichbar: Beide hatten auch eine völlig entgegen gesetzte Meinung zu Leben und "Auftrag" eines Künstlers. Für den umtriebig-nervösen Klaus waren sein extravaganter Lebensstil und das Schreiben kein Widerspruch, während das Credo seines Vaters die Entsagung blieb, die erst wahres künstlerisches Schöpfertum ermögliche. Entsprechend gegensätzlich gingen Vater und Sohn auch mit ihrer Homosexualität um.

Abrechnung mit den Nazis

Die Familie Mann 1927

Die Familie Mann 1927

Seine literarischen Proteste fanden 1936 ihren Höhepunkt: Mit seinem "Mephisto" schrieb Klaus Mann nicht nur eines der bedeutendsten Beispiele deutscher Exil-Literatur im 20. Jahrhundert, sondern auch eine sarkastische Abrechnung mit deutschen Karrieren im Künstlermilieu unter dem Hakenkreuz. Er portraitierte den Schauspieler Gustav Gründgens und geißelte dessen Verstrickung mit dem nationalsozialistischen Regime aufs Schärfste.

"Schmähschrift in Romanform"

In Deutschland allerdings blieb Manns Roman "Mephisto" als "Schmähschrift in Romanform" auf Antrag eines Adoptivsohnes von Gustaf Gründgens jahrzehntelang verboten. Gründgens, eben noch Vorzeigeschauspieler der Nazis, spielte weiter eine zu wichtige Rolle, als dass ein deutscher Verlag sich an die Veröffentlichung gewagt hätte. Klaus Mann konnte in Deutschland nicht Fuß fassen. Keines seiner Werke wurde nach 1945 zu seinen Lebzeiten in der jungen Bundesrepublik veröffentlicht.

Klaus Mann starb am 21. Mai 1949 an einer Überdosis Schlaftabletten. Frido Mann, der Sohn seines jüngsten Bruders Michael, war damals acht Jahre alt: "Für unsere Familie war es typisch, das zu tabuisieren. Ich habe als Achtjähriger gehört: "Er ist gestorben." - Warum?" - "Er hat einen Herzschlag gehabt."

Alles tabuisiert

Frido Mann wirkt mit am vielleicht schönsten Geschenk, das die Hamburger Veranstaltungsreihe Klaus Mann zu seinem 100. Geburtstag macht: Am 18. November lesen Schauspieler den gesamten Mephisto unter der Schirmherrschaft des Hamburger Bürgermeisters.

Klaus Mann hinterließ ein umfangreiches Werk aus Romanen, Erzählungen, politischen Essays, autobiographischen Schriften und Tagebüchern. So ist auch der Titel der Veranstaltungsreihe zu verstehen, entnommen einem Tagebucheintrag von 1933: "Schreiben - die einzige Möglichkeit der Erleichterung".

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