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Handball

Im Schatten des Europameister-Glanzes

Während Deutschland bei der Handball-WM als Mit-Favorit gilt, läuft in der Bundesliga längst nicht alles rund. Die stärkste Liga der Welt und ihr Unterbau tun sich schwer, Traditionsklubs verschwinden von der Landkarte.

Das Dilemma des deutschen Handballs ist die eingleisige zweite Bundesliga - eine Spielklasse, in der Vereine aus der gesamten Bundesrepublik gegeneinander antreten. Eine Liga, die nicht mehr, wie es zuvor traditionell organisiert war, in eine Nord- und eine Südstaffel aufgeteilt ist. Zumindest dürften das einige Handballvereine so sehen. Diese Eingleisigkeit der zweithöchsten deutschen Spielklasse war lange kontrovers diskutiert worden. Vor gut fünf Jahren wurde sie dennoch eingeführt. Aus bisher 32 Zweitligisten, aufgeteilt in Nord- und Südgruppe, wurden 16. Die anderen 16 Klubs mussten in die ebenfalls neu eingeführte dritte Liga weichen. Die Handball-Landschaft hat sich dadurch massiv verändert. Immer weniger Vereine schaffen heute den Sprung nach oben oder sind überhaupt bereit, das finanzielle Risiko eines Aufstiegs in die zweite Bundesliga zu wagen - aus Angst vor einer Insolvenz.

Öffentlich rüttelt keiner am System

Kritik gibt es wenig, zumindest nicht in der Öffentlichkeit. Hinter vorgehaltener Hand allerdings wünschen sich viele Vereine die zweigleisige zweite Bundesliga zurück, sagt der ehemalige Nationalspieler und Weltmeister Christian "Blacky" Schwarzer.

U21-Nationaltrainer Christian Schwarzer am Spielfeldrand (Foto: picture-alliance/Eibner-Pressefoto)

Junioren-Nationaltrainer Christian Schwarzer übt Kritik

Gegen die Eingleisigkeit sprächen die langen Anfahrtswege bei Auswärtsspielen und die dementsprechend hohen Fahrtkosten, kritisiert der heutige U21-Nationaltrainer. Zum Beispiel wenn der HC Empor Rostock bei der HG Saarlouis antritt. Über 860 Kilometer reist der Verein dann von der Ostsee in das Saarland. Hinzu kommen die Übernachtungskosten. Viele Klubs hätten das finanziell unterschätzt, so Schwarzer. Er könne sich an keine Saison in den vergangenen Jahren erinnern, in der nicht eine Mannschaft frühzeitig oder am Ende der Rückrunde zwangsweise abgestiegen sei.

Weniger Geld, höherer Druck, mehr Risiko

Darüberhinaus fehle es durch die eingleisige zweite Liga an packenden Derbys, sagt Schwarzer. Die würden nicht nur mehr Zuschauer in die Hallen bringen, sondern auch mehr Geld in die Vereinskassen. Aus Mangel an finanziellen Mitteln ist der Aufstieg besonders für kleine Klubs kein Thema. So waren beispielsweise die HSG Krefeld und der Leichlinger TV in der vergangenen Saison der dritten Liga  Aufstiegskandidaten. Beide hatten jedoch keinen Antrag für die zweite Bundesliga gestellt. Für die höhere Klasse hätten sie ihre Etats verdoppeln müssen.

Von zuvor 36 Zweitligisten blieben nach der Reform zwanzig übrig. Dementsprechend gibt es weniger Ausbildungsstätten für leistungsfähige Handballer, die ins Profigeschäft "Bundesliga" wechseln möchten. Beraubt sich die DKB HBL dadurch nicht der Chance, mehr Talente entdecken und fördern zu können? "Im Gegenteil", resümiert Liga-Geschäftsführer Frank Bohmann. Die Eingleisigkeit habe wie gewünscht die sportliche Qualität verbessert, betont er. Die Leistungsdichte sei höher, weil die Konkurrenz größer sei. Und schließlich mache das den sportlichen Sprung in die erste Liga weniger hürdenreich.

Vorteile überwiegen Nachteile

Der Geschäftsführer der Handball-Bundesliga Frank Bohmann im Porträt (Foto: picture-alliance/dpa/D. Reinhardt)

Liga-Geschäftsführer Frank Bohmann ist voll auf zufrieden

Der Erfolg der Nationalmannschaft im vergangenen Jahr spricht für den Erfolg der Reform von 2011. So sieht es die DKB HBL und auch der Deutsche Handballbund. Europameister und Dritter bei den Olympischen Spielen 2016 - viele der jungen "Bad Boys" haben vor zwei, drei Jahren noch in der zweiten Liga gespielt. Eine Generation, die so große Chancen hat wie kaum ein Team vorher, prophezeite der ehemalige Nationalspieler Stefan Kretzschmar. Er sehe weltweit keine Nation, die so viele gute Talente habe wie Deutschland. Auch jetzt bei der Weltmeisterschaft in Frankreich gehe Deutschland auf Medaillenkurs, glaubt Kretzschmar.

Wenn es um sportliche Top-Leistungen geht, ist das Konzept also durchaus aufgegangen. Wirtschaftlich allerdings könne man die umstrukturierte Liga hinterfragen, gibt auch Bohmann zu. Vor allem kleine Klubs würden sich dem Risiko der zweiten Liga nicht mehr stellen wollen, weiß auch der Liga-Geschäftsführer. Das Budget sei zwar im Schnitt um dreißig Prozent gestiegen, die Ausgaben allerdings auch. Zumal das der Erfolg in der nun leistungsstärkeren zweiten Liga von bezahlten Vollprofis abhängt. Bohmann weiß, dass das Verschwinden vieler Clubs von der Handball-Landkarte ebenfalls gegen die Umstrukturierung vor gut fünf Jahren spricht. Einen Weg zurück aber soll es nicht geben. "Wir haben alles richtig gemacht", betont Bohmann und hat dabei auch die WM in Frankreich im Blick. 

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