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Wirtschaft

Im Schatten der Wirtschaft

Die Konjunktur in Deutschland schwächelt, die Lage auf dem Arbeitsmarkt ist düster. Gleichzeitig boomt die Schwarzarbeit.

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Bei den Wachstumsraten der Schwarzarbeit liegt Deutschland an der Spitze.

Die Schattenwirtschaft in Deutschland verzeichnet Experten zufolge Wachstumsraten von denen die offizielle Wirtschaft derzeit nur träumen kann. Nach einer am Mittwoch vorgestellten Prognose des Tübinger Instituts für Angewandte Wirtschaftsforschung und des Linzer Volkswirtschaftlers Friedrich Schneider wird die Schattenwirtschaft in diesem Jahr rund 3,5 Prozent zulegen.

Damit wachse der Wirtschaftsbereich, der am Finanzamt vorbei arbeitet, drei- bis vier Mal stärker als das Bruttoinlandsprodukt (BIP). Beim BIP, der Summe aller in Deutschland erwirtschafteten Güter und Dienstleistungen, wird für 2002 mit einem Anstieg von rund einem Prozent gerechnet.

Neuer Rekordwert

Im internationalen Vergleich nimmt die Schwarzarbeit in Deutschland, aber auch in Österreich und der Schweiz, überproportional zu. "Während Ende der Neunziger Jahre die Schattenwirtschaft in vielen Ländern stagnierte und teilweise sogar leicht rückläufig war, ist der Anstieg der Schwarzarbeit in den deutschsprachigen Ländern ungebremst", stellten die Forscher fest. Mit rund 350 Milliarden Euro werde der Anteil der Schwarzarbeit in Deutschland am offiziellen Bruttoinlandsprodukt damit im Jahr 2002 mit 16,5 Prozent ein neues Rekordhoch erreichen. Im Vorjahr seien es noch etwa 16 Prozent gewesen.

Am stärksten verbreitet ist Schwarzarbeit weiterhin in den Ländern Südeuropas, sagten die Experten. Dort mache die inoffizielle Wirtschaft etwa 20 bis 30 Prozent des offiziellen Bruttoinlandsproduktes aus. Allerdings verliere Schwarzarbeit in diesen Ländern - im Gegensatz zur Situation in Deutschland - an Bedeutung.

Senkung von Abgaben als Rezept

Zur Bekämpfung der Schwarzarbeit empfiehlt Schneider die drastische Senkung von Steuern und Sozialversicherungsabgaben auf den Faktor Arbeit. Allerdings sei die Eindämmung der Schattenwirtschaft nicht nur eine ökonomische, sondern vor allem auch eine gesellschaftspolitische Herausforderung. Neben ökonomischen Schäden könne im Extremfall auch "die Funktionstüchtigkeit der Demokratie und somit das gesellschaftliche Zusammenleben" gefährdet werden. (mik)

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  • Datum 23.01.2002
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