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Kultur

Im "Reinen Land" des Amida-Buddha

Mit der Fußball-WM stehen Japan und Korea im Blickpunkt. In beiden Ländern sind die meisten Menschen Buddhisten. Doch auch in Deutschland hat diese Religion Zulauf. Eine Reportage.

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In japanischen Tempeln sind Schuhe tabu

Schon nach wenigen Minuten lässt sich der Tempel nur mit einem großem Schritt über die abgelegten Schuhe betreten. Die aus Reisstroh geflochtenen Tatamimatten fühlen sich angenehm weich unter den Fußsohlen an. Erwartungsvoll setzen sich die Besucher.

Altar im Eko-Haus

Altar in Eko-Haus

Der Tempel des EKO-Hauses in Düsseldorf ist dreigeteilt. Eine breite Stufe trennt den Bereich der Gläubigen vom Bereich der Priester. Nach einer weiteren Stufe eröffnen bunt bemalte Schiebetüren den Blick auf den Altar, in dem der Amida Buddha in einer Nische thront. Das geschnitzte Holz schimmert Gold und Rot im Licht flackernder Kerzen.

Mit der Kirchengruppe zu Buddha

Gläubige im Eko-Haus in Düsseldorf

Gläubige im Eko-Haus in Düsseldorf

In der ersten Reihe sitzt Frau Hannelore Freundt aus Düsseldorf. Mit ihrer katholischen Kirchengruppe hatte sie vor Jahren das Eko-Haus in Düsseldorf besichtigt und fand so den Zugang zum buddhistischen Glauben. Wichtig sei ihr, dass der Mensch nur ein kleiner Teil vom Ganzen sei und nicht über den Tieren und Pflanzen stehe.

Von drei Seiten scheint mildes Sonnenlicht durch die Shoji, die Schiebetüren. Eigentlich bestehen solche Shoji aus Holzgittern, deren Zwischenräume mit Papier ausgekleidet sind – in Düsseldorf hat man sich für weißes Glas entschieden. Plötzlich setzen Gongschläge ein; erst langsam, dann schneller. Bei jedem Schlag schrickt ein kleiner Junge in der Ecke zusammen. Das Flüstern der Anwesenden verstummt.

Auf weißen Socken

Buddhistischer Mönch im Eko-Haus in Düsseldorf

Buddhistischer Mönch im Eko-Haus in Düsseldorf

Dann wird eine Shoji-Tür an der Seite aufgeschoben und drei Priester mit traditioneller japanischer Kleidung betreten den Raum. Mit ihren weißen Socken aus dickem Stoff, die nur den großen Zeh von den anderen Zehen abtrennen, schlurfen sie nahezu geräuschlos vor den Buddha-Altar und setzen sich mit einer geschmeidigen Bewegung auf ihre Füße. Über den Daumen ihrer zusammengelegten Händen baumelt ein Perlenkranz.

Frau Freundt ist eine von vielen Buddhismus-begeisterten Deutschen. Während den Kirchen in Deutschland die Gläubigen weglaufen, wenden sie immer mehr Menschen dem Buddhismus zu - mittlerweile sind es rund 50.000. Die Priester in Düsseldorf folgen dem Zeremoinell einer der beliebtesten Buddhismus-Schulen in Japan, der Jodo-Shinshu Schule. Sie wurde 1224 von dem Priester Shinran gegründet. Nach seiner Lehre können Menschen, die Vertrauen in den Amida-Buddha haben und ihn bei seinem Namen anrufen, ins Nirwana, das "Reine Land", kommen.

Sutren und Räucherstäbchen

Räucherstäbchen im Eko-Haus in Düsseldorf

Gefäß mit Räucherstäbchen

Langsam strömt der Duft von Räucherstäbchen durch den Raum. Die Priester und Gläubigen heißen den Amida-Buddha mit ihrem monotonen Singsang willkommen. Frau Freundts Stimme klingt hell unter denen der Männer. Dann rezitiert der Priester Sutren in japanischer Sprache. Während ein paar Frauen Räucherstäbchen in ein schwarzes bauchiges Gefäß stecken, singen wieder alle zusammen. Die Luft ist inzwischen leicht nebelig.

Am Ende der Zeremonie erheben sich die drei Priester, schlurfen fast unhörbar zu den Shoji-Türen am Rande des Raumes und verlassen den Tempel. Langsam erheben sich auch die Besucher, finden ihre Schuhe in der Menge vor der Tür und schlendern – erleuchtet oder nicht - durch den japanischen Garten zurück in den Alltag.

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