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Alltagsdeutsch – Podcast

Im Reich der Insekten

Sie surren und brummen überall dort, wo es stinkt. Schmeißfliegen sind zwar nicht die beliebtesten Tiere, aber wenn es sie nicht gäbe, würden wir ganz schön "in der Scheiße sitzen" - im wahrsten Sinne des Wortes.

Dr. Klaus Coelln:

"Man kennt knapp unter einer Million Insekten, aber wie viele es wirklich gibt, das ist nach wie vor unklar. Da streitet man sich, ob es 30 Millionen Insektenarten gibt, manche sagen, es sind wahrscheinlich 100 Millionen, aber keiner bestreitet mehr, dass wir so um die 5 Millionen sicher haben. Die meisten Insekten leben in den Tropen. Auf der anderen Seite finden wir selbstverständlich auch hier in Deutschland immer noch neue Arten, wir haben zum Beispiel vor einiger Zeit eine Fliegenart gefunden, die sozusagen eine Weltneuheit war. Sie heißt Eudorylas goennersdorfensis."

Sprecherin:

Dr. Claus Coelln vom Kölner Institut für Zoologie ist einer der wenigen Insektenforscher in Deutschland. Die meisten Menschen können die Aufregung um eine Fliege wahrscheinlich kaum nachvollziehen, doch für den Experten und seine Kollegen ist die Entdeckung einer neuen Art eine Sensation. Eine scheinbar ganz normale Taufliege hat sich als bis dato unbekanntes Insekt entpuppt. Benannt hat Dr. Coelln das seltene Exemplar nach dem kleinen Dorf in der Eifel, in dem es entdeckt wurde, und so heißt die Fliege jetzt ganz wissenschaftlich: Eurodylas Goennersdorfensis.

Mann:

"Woran erkennt man eigentlich ein Insekt?"

Dr. Klaus Coelln:

"Es hat sechs Beine und in der Regel zwei Paar Flügel. Dann ist etwas ganz Besonderes ein äußerer Panzer: Insekten haben nicht wie wir Knochen, sondern sie haben ihr Skelett praktisch außen als Haut auf sich. Wenn man Leuten unter dem Mikroskop kleine Insekten zeigt, sind die teilweise unheimlich begeistert, wie schön die eigentlich sind. Dann gibt es natürlich auch ja nicht unbedingt Sympathieträger wie so eine fette Fliegenmade, die dann an einer Leiche herum frisst oder so…"

Sprecherin:

Die wissenschaftliche Betrachtung des Insekts ist der Fachwelt vorbehalten. Die meisten Menschen reagieren eher emotional, wenn sie an Insekten denken:

Frau:

"Also ich ekle mich vor allem, was krabbelt. Insekten wie Spinnengetier und Schmeißfliegen kann ich nicht leiden, mit denen bin ich spinnefeind. Wenn so was aus den Ecken kriecht, bin ich auf der Hut, dann hole ich immer meinen Mann, der muss die Viecher beseitigen."

Mann:

"Ich weiß echt nicht, wer meiner Frau den Floh ins Ohr gesetzt hat, dass die Tierchen ihr was tun, so ’n Quatsch. Letztens habe ich ’ne Fliege gejagt und mir den Kopf angeschlagen, ich hatte danach ’nen ziemlichen Brummschädel."

Sprecherin:

Die Frau, die sich vor Spinnen und Fliegen ängstigt, ist einem ziemlich verbreiteten Irrglauben unterlegen, denn nicht alles was krabbelt, muss zwangsläufig ein Insekt sein. Lassen Sie sich den Unterschied zwischen einem Insekt und einer Spinne von Dr. Klaus Coelln erklären.

Dr. Klaus Coelln:

"Spinnen sind keine Insekten. Die sind zwar verwandt mit den Insekten, aber sie haben zum Beispiel acht Beine, sie haben nicht das Fliegen gelernt wie die Insekten im Laufe der Evolution. Dafür gibt es Anhaltspunkte, dass sie den Insekten das Fliegen beigebracht haben, weil sie so aggressiv und erfolgreich als Jäger sind, dass diese Spinnen die Insekten sozusagen in die Luft gejagt haben, weil sie dort sicherer sind."

Sprecher:

Dorthin hat sich auch gerade die Taufliege Eudorylas goennersdorfensis abgesetzt. Sie will nicht in das Netz einer Spinne geraten, denn diese ist ihr größter Feind. Wenn man mit jemandem spinnefeind ist, hasst man ihn so sehr wie ein Insekt die Spinne. Und wer uns auflauert und Böses will, sitzt wie die Spinne im Netz. Die Taufliege hat sich als Weltneuheit entpuppt, sie stellt sich ganz anders da, als man erwartet hat. Dieser Begriff leitet sich vom Insekt ab, dass sich im Laufe seiner Entwicklung verändert. Ob sich in der Puppe ein bunter Schmetterling oder eine gewöhnliche Fliege verbirgt, erfährt man erst, wenn das Insekt schlüpft. So kann sich auch eine Angelegenheit, die viel versprechend beginnt, als kolossaler Reinfall entpuppen. Um sich davor zu schützen, sollte man auf der Hut sein. Man sollte Vorsicht walten lassen. Diese Wendung hat nichts mit der Kopfbedeckung zu tun, sondern leitet sich vom Verb ‚hüten’, also sich vor etwas schützen, ab.

Sprecherin:

Auf der Hut sollte man auch sein, bevor man in Naturkreisläufe eingreift.

Dr. Claus Coelln:

"Man sollte sich nur mal vorstellen, wenn es keine abbauenden Insekten gäbe und die Laubstreu jedes Jahr liegen bleibt, was für Konsequenzen das hätte, die ja nicht nur darin bestehen, dass wir bis zum Hals durch Laub marschieren würden, sondern der Kreislauf würde unterbrochen. Kreisläufe sind auch zigfach gesichert, so dass unser Eingreifen zunächst gar nicht so deutlich würde, wenn ein oder zwei Arten ausfallen, dann sind immer noch eine Anzahl da, die das wieder übernehmen können."

Sprecherin:

Wussten Sie eigentlich, dass eine Kuh jährlich fast fünf Tonnen Dung produziert? Ohne Insekten, die davon leben und ihn verarbeiten, würde es auf diesem Planeten wahrscheinlich ganz schön stinken. Jeder, der sich mal auf einer Wiese neben einem frisch gedüngten Feld im Gras ausstrecken wollte, hat bestimmt schon die Nase gerümpft und bei sich gedacht:

Spaziergänger:

"Bäh, stinkt das. Ich mach’ besser die Fliege."

Sprecherin:

In Australien hat der Mensch in den natürlichen Kreislauf eingegriffen und Kühe importiert – ohne zu bedenken, dass es auf dem fünften Kontinent keine Insekten gibt, die sich auf den Abbau von feuchtem Kot spezialisiert haben. Als Folge liegen die Kuhfladen länger als ein Jahr herum, wertvolles Weideland bleibt ungenutzt.

Sprecher:

Tja, da hat man so mancher Farmer wohl gedacht, er käme mit einer Rinderherde zu schnellem Reichtum, er könnte schnell zig Tausend Dollar scheffeln. Zig ist die Abkürzung der Zahlwörter vier-zig, fünf-zig, sech-zig, und so weiter. Man legt sich nicht auf einen bestimmten Wert fest, stellt aber klar, dass es sich um eine größere Menge handelt. Wenn man jemanden einen Floh ins Ohr setzt, dann stachelt man ihn so an, dass er fortan keine Ruhe mehr findet. Das Bild leitet sich vom Hund ab, der sich verzweifelt mit der Pfote am Kopf kratzt, den Floh aber nicht loswird.

Sprecherin:

"Anstacheln, also antreiben, ist ebenfalls ein Begriff aus dem Reich der Insekten. Wenn eine Biene sticht, ist ihr Opfer ziemlich unruhig, weil der Stachel im Fleisch schmerzt. Einen Brummschädel bekommt man von so einem Stich allerdings nicht, der ist eher erhöhtem Alkoholgenuss oder einem Schlag auf den Kopf zuzuschreiben. Man meint dann, ein lautes Brummen wie von einem Insektenschwarm zu hören. Wenn man hingegen sagt, der Laden brummt, dann ist er sehr gut besucht - eben so, als ob ein Insektenschwarm eingefallen wäre, dessen Flügelschlagen ein brummendes Geräusch erzeugt.

Dr. Klaus Coelln:

"Insekten spielen natürlich auch als Gesundheitsschädlinge eine Rolle. Die Läuse gibt es ja immer mal wieder, Flöhe sind seltener geworden. Dann gibt es natürlich die Malaria, die übertragen wird von Insekten als ein Hauptproblem der Menschheit überhaupt. Insekten sind auch unsere größten Konkurrenten, zum Beispiel, wenn es um Nahrung geht. Unsere Vorräte werden von ihnen angegriffen, die Heuschreckenplage ist natürlich etwas ganz Deutliches in dieser Richtung. Wir haben dann selbstverständlich auch Schädlinge, die unsere Ausrüstung betreffen, denken Sie an unsere Kleidung: Wer die Motten kriegt, der hat auf jeden Fall Probleme mit seinen Pullovern und den vielen Löchern, die dort hinterlassen werden."

Sprecherin:

So mancher hat sich schon über ein ruiniertes Kleidungsstück geärgert, aber man sollte darüber nicht vergessen, wie wertvoll Insekten im Naturkreislauf sind. Nicht umsonst heißt es schließlich fleißiges Bienchen. Ein Ausdruck, der gern auf besonders arbeitsame Menschen übertragen wird.

Dr. Klaus Coelln:

"Insekten sind für uns nützlich, ich denke nur an die Bestäubung. Unsere Vorräte hätten wir häufig gar nicht, wenn die Insekten nicht unsere Pflanzen bestäuben würden und das ist nicht nur die Honigbiene, das sind sehr viele Fliegen. Und man stelle sich nur mal vor, man müsse eine Kirschplantage oder eine Tomatenzucht mit dem Pinsel bestäuben, indem man von den Staubgefäßen das auf die Nabe übertragen würde. Das geht in die zig Millionen, was allein in Deutschland jedes Jahr durch die Insekten erwirtschaftet wird."

Sprecherin:

Und so manch verliebtes Pärchen liegt mit Schmetterlingen im Bauch faul auf der Wiese, während die fleißigen Bienen die Pollen transportieren.

Mann:

"Wenn man das so hört, das ist schon faszinierend. Da kommt man sich vor wie die Made im Speck, die von der Arbeit der Insekten profitiert."

Sprecherin:

Insekten sind in vielerlei Hinsicht nützlich, in manchen Ländern landen sie sogar als Delikatesse auf dem Tisch.

Dr. Klaus Coelln:

"Es gibt Dokumente aus Mesopotamien, dass dem König sogar Heuschreckenspieße, ein Heuschreckenschaschlik, aufgetragen wurde. Das war etwas Besonderes. Es gibt auch so Kulinarisches wie zum Beispiel Ameisen in Schokolade, das soll besonders nussig schmecken und das kann man heute in Konserven kaufen in den entsprechenden Läden."

Esser:

"Hmmm, lecker, so ’ne Raupe. Da kann ich gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Es schmeckt und ist gesund."

Sprecherin:

Die Menschen essen Insekten, springen aber wie von der Tarantel gestochen auf und laufen weg, wenn diese wiederum Nahrung von ihnen einfordern. Ein Stückchen Kuchen am Kaffeetisch zum Beispiel wie die Wespe oder ein bisschen Blut wie die Mücke.

Frau:

"Du Mistvieh. Ich mach’ dich platt!"

Sprecherin:

Sollten auch Sie Mücken für unnütz halten, fragen Sie mal Dr. Klaus Coelln.

Dr. Klaus Coelln:

"Die Mücke hat ja auch zum Beispiel ein Leben als Larve gehabt, und als Larve im Wasser hat sie viele Bakterien dort gefressen und hat dort auch zur Reinheit des Wassers beigetragen. Und dann sind es ja schließlich nur die Weibchen der Mücken, die uns ein wenig Blut abzapfen, die brauchen unsere Bluteiweiße, um ihre Eier aufzubauen. Um dann wieder für Larven zu sorgen, die das Wasser reinigen."

Sprecherin:

Das ist der ewige Kreislauf der Natur. Und so sollte man vielleicht nicht wie von der Tarantel gestochen, nämlich jäh und plötzlich wie nach einem heftig Schmerz, aufspringen und den Kuchen in Sicherheit bringen, wenn sich Wespen dem Kaffeetisch nähern; sie wollen doch nur ihre Brut ernähren. Auch wenn man manchmal den Eindruck hat, dass sie wie die Heuschrecken über einen herfallen – äußerst zahlreich vertreten also, wie man es von den Heuschreckenschwärmen kennt, die ganze Felder in Windeseile auffressen.

Sprecher:

Diese Heuschrecken leben dann wie die Made im Speck, sie haben Nahrung im Überfluss. Uns allerdings macht so ein Vieh den Schinken ganz schön madig. Es verleidet uns das Essen, es wird ungenießbar, denn wer will schon ein von Maden befallenes Mahl zu sich nehmen. Wenn man jemandem also eine Person oder eine Angelegenheit madig macht, dann verleidet man sie ihm dementsprechend.

Frau:

"Ihh, ekelhaft. Das kann doch keiner mehr essen."

Sprecherin:

Das Wort anzapfen bezieht sich ursprünglich auf das mit dem Zapfhahn angeschlagene Bierfass, im übertragen Sinne kann man aber auch andere Flüssigkeiten abzapfen: Benzin aus einem Tank zum Beispiel oder im Fall der Mücke Blut vom Menschen. Wer Schmetterlinge im Bauch hat, spürt ein Kribbeln im Bauch: ein untrügliches Anzeichen dafür, dass er verliebt ist. Und wer zwei Fliegen mit einer Klappe schlägt, erreicht mit einer einzigen Handlung den doppelten Nutzen.

Sprecher:

Damit die Damenwelt sich verschönern kann, werden übrigens rote Schildläuse zerrieben, aus ihren Farbpigmenten wird nämlich Lippenstift hergestellt. Wenn die Frauen das wüssten…! Ziemlich sicher ist auch, dass Insekten die wahren Herrscher der Welt sind. Glaubt man Studien, sollen auf einer Fläche von circa 1,5 mal 1,5 Meter des tropischen Regenwaldes mehr Insekten leben als Menschen auf der ganzen Welt und etwa 60 Prozent aller Lebewesen auf diesem Planeten Insekten sein.

Dr. Klaus Coelln:

"Eine Zahl, die ziemlich sicher ist: dass die Menge der Zahl der Ameisen auf der Welt gewichtsmäßig dem Gewicht aller Menschen dieser Welt entspricht. Und die Insekten sind auch sicherlich die erfolgreichste Tiergruppe der Welt heute, auch wenn wir das nicht unbedingt wahrhaben wollen. Und sie haben uns auch immer wieder die Grenzen gezeigt. Wenn wir mal denken an die großen Pestepidemien, die ja letzten Endes übertragen wurden von Rattenflöhen, und das sind ja wirklich Epidemien gewesen, die ja die Menschheit unheimlich dezimiert haben und ich glaube, da müssen wir ständig auf der Hut sein, das Gleichgewicht, das vielleicht jetzt im Moment herrscht oder die Kontrolle, die wir entwickelt haben, das die erhalten bleibt. Aber die Insekten werden sicher auch noch unter ungünstigeren Umweltbedingungen bestehen können, wenn wir zum Beispiel nicht mehr bestehen können."

Sprecherin:

Man muss es zugeben, Insekten sind definitiv anpassungsfähiger als der Mensch. Es gibt sie schon seit fast 400 Millionen Jahren, sie haben sogar die Dinosaurier überlebt.

Dr. Klaus Coelln:

"Die Generationsfolge der meisten Insekten ist ja relativ kurz. Die Taufliege zum Beispiel, die braucht etwas mehr als zehn Tage für eine Generation, und von Generation zu Generation kann das veränderte Erbgut schneller ausprobiert werden, Entwicklungstrends können schneller eingeleitet werden als bei uns. Außerdem gibt es eigentlich Insekten überall in Höhen bis hinauf in die Gletscher, praktisch alle Lebensräume, die nur irgendwie von Lebewesen besetzt werden können, haben sie besetzt und sind von daher schon gerüstet. Wenn der Trend ins Kalte geht, kommen eben die Kälteangepassten und wenn er in die Wärme geht, die Wärmeangepassten und können sich ausbreiten und das mit diesen enormen Zahlen."´

Sprecher:

Das Wort gerüstet leitet sich von der Ritterrüstung ab, die einen Panzer gegen äußere Gefahren darstellt. Wer gut gerüstet ist, dem kann also nicht viel passieren. Und wir sind jetzt gerüstet, die nächste Wiese zu besuchen und die Insekten mal genauer unter die Lupe zu nehmen. Und machen Sie am besten die Fliege, wenn Sie aus Versehen zu nahe an ein Bienennest geraten!

Fragen zum Text:

Wenn man mit jemandem spinnefeind ist,…

1. hat man Angst vor Spinnen.

2. hasst man jemanden so sehr wie ein Insekt die Spinne.

3. ist man sehr eng miteinander befreundet.

Jemand, der wie die Made im Speck, lebt…

1. muss hungern.

2. hat Nahrung im Überfluss.

3. ist Vegetarier.

Wer zwei Fliegen mit einer Klappe schlägt,…

1. geht besonders brutal gegen Insekten vor.

2. erreicht mit einer einzigen Handlung den doppelten Nutzen.

3. isst gern Insekten.

Arbeitsauftrag:

Erklären Sie folgende Redewendungen schriftlich:

jemandem einen Floh ins Ohr setzen, auf der Hut sein, Schmetterlinge im Bauch haben, etwas genauer unter die Lupe nehmen, die Fliege machen.

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