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Kultur

"Im Ramadan fühlt man sich besser"

Am Montag (27.10.) beginnt der muslimische Fastenmonat Ramadan. Zwischen Sonnenaufgang und -untergang sollen gläubige Muslime weder essen noch trinken. Doch es gibt Ausnahmen. Ein Besuch bei türkischen Senioren in Köln.

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Erst wenn die Sonne untergeht, darf wieder gegessen werden

Davud Kilic sitzt im Clubraum des Begegnungszentrums der Arbeiterwohlfahrt in Köln-Kalk und rührt gedankenverloren in einem Glas mit schwarzem Tee. Noch trifft sich der 65-jährige Türke hier mehrmals in der Woche mit anderen Senioren.

Etwa ein Dutzend Männer sitzt an den Tischen mit geblümten Decken, zwei sehen sich einen Spielfilm an. Auf dem Tisch liegen gefaltete Zeitungen mit Kreuzworträtseln. Zu den gemeinsamen Aktivitäten des Altenclubs zählen der Besuch im Schwimmbad, Spaziergänge oder einfach Gespräche im Clubraum. Doch während des Fastenmonats Ramadan verändert sich das Gemeinschaftsleben.

Kein Zwang zum Fasten

Collage Samova

Selbst ein Glas Tee ist tagsüber tabu

Tagsüber ein Glas Tee – daran dürfte Davud Kilic als gläubiger Moslem streng genommen in nächster Zeit gar nicht denken. Heute (27.10.) beginnt der Ramadan, der moslemische Fastenmonat. 30 Tage lang sollen gläubige Muslime von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang weder essen noch trinken. Doch es gibt Ausnahmen, erklärt der Rentner: "Ramadan ist ja kein Zwang, also heißt mit anderen Worten: Jeder muss selber entscheiden, ob er Ramadan überhaupt einhalten kann."

Fasten sollen alle gesunden Erwachsenen – Kranke Menschen, schwangere Frauen und Kinder sind befreit. Auch Davud Kilic kann nicht fasten – er muss drei Mal täglich Tabletten für sein Herz einnehmen. Dass er seinen religiösen Pflichten nicht in vollem Umgang nachkommen kann, macht ihn ein wenig traurig.

Aber Ramadan bedeute viel mehr als nur das Fasten, erklärt er: es ist auch die Zeit der religiösen Erneuerung, in der man viel an seine Mitmenschen denkt. "Im Ramadan fühlt man sich besser", sagt er. "In diesem Monat sind wir auch zueinander freundlicher und aufmerksamer als in den anderen elf Monaten."

Den Alltag anpassen

In den kommenden Wochen werden die türkischen Wochen ihre üblichen Aktivitäten einschränken. Der gemeinsame Besuch im Schwimmbad fällt aus – wer fastet, könnte Wasser schlucken und so sein Fasten brechen. Dennoch treffen sie sich weiterhin – vor allem, um über Religion zu sprechen. "Im Ramadan sprechen wir nicht so sehr über alltägliche Probleme. Wir diskutieren über den Glauben, in einer guten Atmosphäre", sagt Davud Kilic.

Im Alter wird Religion wichtiger

Ramadan in Deutschland

Gebet und Glauben spielen nicht nur im Alter eine wichtige Rolle

Gerade im Alter nimmt die Bedeutung der Religion für die Senioren zu, hat Şerif Issı beobachtet. Er ist Sozialarbeiter im Zentrum der Arbeiterwohlfahrt und hat den Altenclub gegründet: "Während des Erwerbslebens hatte man ja kaum Zeit, den religiösen Pflichten nachzugehen", erklärt er. "Jetzt, durch das zunehmende Alter, denkt man natürlich an das nächste Leben, auch an Tod und an religiöse Verpflichtungen."

Die Sozialarbeiter bei der Arbeiterwohlfahrt in Köln achten aber darauf, dass sich die Senioren nicht nur mit Religion und Tod auseinandersetzen: "Im Bereich der offenen Altenhilfe versuchen wir, dass sie von diesem kulturellen und sozialen Leben auch Gebrauch machen", betont Issı.

Deshalb hören die gemeinsamen Aktionen auch während des Ramadan nicht auf. Im vergangenen Jahr hat der Altenclub zwei Mal in der Fastenzeit ein gemeinsames Essen nach Sonnenuntergang organisiert, zu dem alle etwas mitgebracht haben. Zu den Feiern gegen Ende des Ramadan, zum so genannten "Zuckerfest", war sogar der türkische Konsul zu Gast. Die Senioren hoffen, dass es ein ähnliches Fest auch in diesem Jahr geben wird.

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