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Politik

Im Porträt: Polens neuer Präsident

Polen hat einen neuen Präsidenten: Bronislaw Komorowski. Der 58 Jahre alte Kandidat des liberalen Regierungslagers setzte sich gegen seinen Herausforderer Jaroslaw Kaczynski durch. Ein kurzes Porträt.

Bronislaw Komorowski (Foto: AP)

Bronislaw Komorowski

Komorowski stammt aus einer aus Litauen vertriebenen Adelsfamilie. Er kommt am 4. Juni 1952 in Obronski Slaskie in der Nähe von Breslau zur Welt. Der studierte Historiker ist verheiratet und Vater von fünf Kindern. Seit dem demokratischen Umbruch 1989 hat er sich langsam aber sicher nach oben gekämpft. Nach dem tragischen Unfalltod von Präsident Lech Kaczynski am 10. April dieses Jahres rückt er als Parlamentspräsident wie in der Verfassung vorgesehen zum Übergangspräsidenten auf.

Radikaler Antikommunist

Während der Herrschaft des Kommunismus unterstützt er die demokratische Opposition. 1979 landet er nach einer illegalen patriotischen Demonstration erstmals im Gefängnis. 1980 gehört er zu dem Mitbegründern der Gewerkschaft "Solidarnosc". Nach der Verhängung des Kriegsrechts verschwindet er 1981 für ein Jahr in einem Internierungslager. "Ich war ein Radikaler", sagte er erst kürzlich über seine Zeit als Antikommunist. "Ich habe alles gelernt über die Gummiknüppel der Polizei und deren Einsatz." Wegen eines Berufsverbots muss er danach den Unterhalt für seine Familie zunächst mit Vorlesungen an einem theologischen Seminar bestreiten.

Schrift 'Solodarnosc'

Komorowskis politische Heimat: die Gewerkschaft "Solidarnosc"

Loyaler Staatsdiener

Als radikaler Regimegegner lehnt er zunächst den Dialog zwischen "Solidarnosc" und der Staatsmacht ab und spricht von Verrat. Mit der Auflösung des Ostblocks und dem Zerfall der Sowjetunion akzeptiert er den friedlichen Übergang und tritt in den Staatdienst ein. Nach den ersten freien Wahlen im Juni 1991 wird er Berater des ersten Ministerpräsidenten Tadeusz Mazowiecki. Anschließend ist er in drei Regierungen stellvertretender Verteidigungsminister, in den Jahren 2000 und 2001 übernimmt er das Ressort.

Im Herbst 2007 wird er zum Präsidenten des polnischen Unterhauses gewählt, nachdem die liberale und pro-europäische Partei Bürgerplattform (PO) des amtierenden Regierungschefs Donald Tusk bei der Parlamentswahl über die Partei "Recht und Gerechtigkeit" (PiS) der Brüder Lech und Jaroslaw Kaczynski triumphierte. Tusk und Komorowski gelten als enge Verbündete.

Liberaler Staatschef

Bronislaw Komorowski (Foto: AP)

Polen gehört für ihn nach Europa

Es stand schnell fest, dass Komorowski sich um das Präsidentenamt bewirbt. Denn er hätte – nachdem Tusk auf eine Kandidatur verzichtete – Lech Kaczynski auch bei der eigentlich für den Herbst dieses Jahres geplanten regulären Präsidentenwahl herausfordern sollen. Nun ist er auch offiziell Nachfolger des verunglückten Präsidenten. Während Kaczynski der Vertreter der konservativen, erzkatholischen und nationalistischen Klientel war, steht Komorowski für das liberale und pro-europäische Polen. Die Aussöhnung zwischen Polen und Deutschen hält er für die größte Errungenschaft der Gewerkschaft "Solidarnosc". In der Außenpolitik ist ihm das Verhältnis zur Europäischen Union nach eigenen Angaben wichtiger als das zu den USA.

Autor: Gerhard M Friese (dpa, afp)

Redaktion: Christian Walz