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Kultur

Im Namen des Meisters: Chinesischer Kulturexport

Konsumgüter "Made in China" besitzt mittlerweile nahezu jeder. Jetzt soll dem ökonomischen Export der kulturelle folgen - mit der Gründung so genannter Konfuzius-Institute.

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Alter Meister Konfuzius

Schüler in China

Schüler in China: Lehren des Konfuzius feiern ein comeback

"Kung Fu Tse" - oder Konfuzius, wie man ihn nennt - war einer der großen chinesischen Morallehrer. Seine theologisch-philosophischen Theorien prägten das Reichs der Mitte über Jahrtausende hinweg. Jetzt muss sein Name herhalten für eine groß angelegte Image-Kampagne der chinesischen Regierung. Bis 2010 sollen weltweit 100 so genannte Konfuzius-Insitute entstehen, an denen dem Auditorium Sprache und Kultur Chinas näher gebracht werden sollen. Auch in Berlin wird ab Herbst 2005 eine Dependance entstehen, und den dortigen Fachbereich der Sinologie unterstützen.

"Ort für Diskurs strittiger Aspekte"

2004 startete die chinesische Regierung ihre Offensive. Binnen eines Jahres wurden 20 Konfuzius-Institute überall auf der Welt gegründet, das erste in Südkorea. Es folgten Einrichtungen in den USA, Schweden, Frankreich und Usbekistan. Die Insitute sollen Foren sein für kritische Diskussion, so verheißt es offiziell. Auf der Website des Insituts an der Universität von Maryland (USA) heißt es zu den Aufgaben:" Ort für Diskurs und Besprechung strittiger Aspekte des chinesischen Lebens."

"Kommunismus ist outdated"

60 Jahre danach - Mao Zedong

Initiierte die "Große Proletarische Kulturrevolution": Mao Zedong

China, ein Land, das von 1966 bis 1976 mit einer "Kulturrevolution" versuchte, seine traditionellen Werte und Strukturen abzuschütteln und sich bis heute als kommunistisches Land definiert, exportiert in Zukunft nicht nur Konsumgüter, sondern auch Kultur. "Das ist kein Widerspruch", sagt Mechthild Leutner, Professorin am Seminar für Sinologie der Freien Universität Berlin. "China ist zwar ein autoritäres Land, aber der Begriff 'kommunistisch' ist nüchtern betrachtet outdated." Mechthild Leutner erkennt seit Jahren ein zunehmendes Interesse an den deutsch-chinesischen Beziehungen - auf beiden Seiten. Einerseits stürmen Studierende, Hobby-Sinologen und Menschen, die beruflich nach China fahren, die offenen Seminare an der FU, die seit 2 Jahren in den Semesterferien ein interkulturelles China-Training anbieten. Andererseits öffne sich auch in China die Mauer der Verschlossenheit. "Wenn sie heute mit Regierungsvertretern sprechen, dann sind das sehr offene und reflektierte Gespräche. Die alten Bilder des dunklen KP-Funktionärs sind endgültig überholt", sagt Leutner.

Großer Konkurrent

China hat sich gewandelt: von einem abgeschotteten Riesenreich, das es zu Beginn der 1990er-Jahre noch war, hin zu einem Global Player, und zwar einem der größten. Für die USA ist China der wichtigste Konkurrent der Zukunft, der schon jetzt für ein gewaltiges Handelsbilanzdefizit mitverantwortlich ist und immer mehr Arbeitsplätze nach Fernost abzieht. Schließlich ist es mittlerweile für junge Menschen selbstverständlich, für ein Praktikum nach Shanghai zu gehen - und nicht nach New York. Der kulturelle Transfer konnte jedoch bisher nicht im selben Tempo mit der ökonomischen Entwicklung mithalten, obwohl China als eines der ältesten Kulturländer viel Wissen und Weisheit bereit hält.

Nach Kulturrevolution jetzt Kulturexport

Schanghai

Mao´s Kulturrevolution ist Vergangenheit: "Kommunismus ist outdated"

Das soll sich ändern. Nachdem bereits traditionelle chinesische Medizin den Westen erreicht hat und in den vergangenen Jahren das chinesische Kino ein wahrer Exportschlager wurde, soll der Kultur-Transfer jetzt in geordneten Bahnen geschehen. "Es geht darum, zu versuchen, die großen Erfolge Chinas der vergangenen Jahrzehnte dazustellen," sagt Mechthild Leutner. "Es geht aber auch darum, darzustellen, welche Probleme China hat. Es geht darum, China zu dekonstruieren, zu zeigen, welche Vielfalt das Land hat."

Von Freunden lernen

Der alte Meister Konfuzius würde sich sicher sehr freuen, wenn in Berlin das Konfuzius-Institut entsteht. Zwei seiner Weisheiten lauteten: "Lernen und es zur rechten Zeit anzuwenden, ist das nicht eine Freude?", und "Wenn ein Freund von weit her kommt, ist das nicht eine Freude?"

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  • Datum 21.08.2005
  • Autorin/Autor Constantin Schreiber
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  • Permalink http://p.dw.com/p/73kE
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