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Filme

Im Namen der Heilkräuter – Hildegard von Bingen

Die einen kennen ihren Kräutergarten, die anderen ihre Gesänge. Mit Hildegard von Bingen als Persönlichkeit haben sich die meistens noch nie auseinandergesetzt. Margarethe von Trotta hat ihr Leben jetzt verfilmt.

Barbara Sukowa als Hildegard v. Bingen mit Nonnentracht im Kräutergarten (Concorde)

Im Kräutergarten: Hildegard von Bingen

Margarethe von Trotta hat schon öfters die Lebensgeschichten großer Frauen verfilmt. So weit in die Vergangenheit wie bei Hildegard von Bingen ist sie aber noch nie gegangen. Die Biografie der Äbtissin, die als Visionärin, Heilkundige und Komponistin in die Annalen einging, ist nun, 830 Jahre nach dem Tod von Hildegard von Bingen, im Kino zu sehen.

Der Film "Vision – Aus dem Leben der Hildegard von Bingen" zeigt eine fremde Welt hinter Klostermauern. Die Schauspieler tragen graue, schmucklose Kutten wie die Nonnen und Mönche damals. Gedreht wurde in Klöstern, die tatsächlich aus dieser Zeit stammen. Doch trotz strenger Kirchenregeln hatte sich Hildegard von Bingen in dieser religiös geprägten Umgebung einen Freiraum geschaffen, der für Frauen damals mehr als ungewöhnlich war.

Nonnen um Hildergard von Bingen bei Gesang und Gebet im Kloster (Concorde)

Im Kloster: die Nonnen um Hildergard von Bingen bei Gesang und Gebet

Ganzheitliches Denken moderner Prägung

"Sie muss eine ungeheuer tatkräftige Person gewesen sein", sagt Regisseurin Margarethe von Trotta und zeigt sie auch so im Film. Als Hauptdarstellerin wählte sie wie schon bei ihrem Film über Rosa Luxemburg Barbara Sukowa. Keine schlechte Wahl, denn ihr nimmt man die mystische Begabung der Nonne genauso ab wie deren mutiges Auftreten gegenüber Herrschern und Kirchenfürsten - in sanfter Demut, doch bestimmt die eigenen Interessen vertretend. Sei es bei der Gründung eines eigenen Klosters oder beim Versuch sich Zutritt zu wichtigen Bibliotheken zu verschaffen - Hildegard von Bingen wußte ihren Willen durchzusetzen.

Fasziniert haben die Regisseurin vor allem zwei Facetten der historischen Figur: "Einerseits das ganzheitliche Denken in der Medizin, nicht nur den Körper zu heilen, sondern auch auf die Seele zu achten und andererseits wie sie über die Elemente spricht. Und das sehen wir ja heute mit Klimawandel und Naturkatastrophen. Die Elemente, das ist - in der mittelalterlichen Sprache ausgedrückt - derselbe Gedanke."

H.v.Bingen mit Kirchenfürtst (Concorde)

Sie scheute die Auseinandersetzung mit den Mächtigen nicht: Hildegard von Bingen

Mehr als eine Kräuter-Heilige

Margarethe von Trotta hatte schon in den 1980er Jahren die Idee, dieses ungewöhnliche Leben in den Mittelpunkt eines Films zu stellen. Dass nun auch tatsächlich ein Produzent für dieses Projekt gefunden wurde, ist sicher der zunehmenden Popularität Hildegard von Bingens zu verdanken. So vermarkten heute Apotheken die Heilkräuter, die von ihr erstmals systematisch beschrieben und für medizinische Zwecke eingesetzt wurden.

Im Film "Vision" sind aber nicht nur die Aspekte von Hildegard Lehren, die heute an Aktualität gewonnen haben, zu sehen, sondern auch der Mensch dahinter: sowohl ihre Visionen als auch ihre Beziehungen zu anderen. Ein Staraufgebot verkörpert das Umfeld Hildegard von Bingens, die übrigens nie heilig gesprochenen wurde. Hannah Herzsprung ist die Novizin, die voller Begeisterung ins Kloster eintritt - und bald zur vertrauten Freundin der älteren Äbtissin wird. Heino Ferch verkörpert Bruder Volmer, der Hildegard stets bei der Niederschrift ihrer Werke unterstützte und Devid Striesow ist als Barbarossa zu sehen.

Novizin im Kloster (Concorde)

Gelehrige Schülerin: die Novizin, gespielt von Hannah Herzsprung

Historische Recherchearbeit

Margarethe von Trotta verließ sich aber nicht allein auf die Starbesetzung, sondern suchte nach historisch authentischen Inhalten und Bildern. Denn vieles ist in Hildegard von Bingens Schriften, einer Biografie und zahlreichen Briefwechseln erhalten, und das hat die Regisseurin ausführlich recherchiert. So sind auch die überraschenden Szenen mit den Nonnen, die mit offenem Haar und schön gekleidet an Festtagen Hildegard von Bingens Singspiele aufführten, historisch untermauert. Oder Hildegards Krankheit, von der man heute weiß, dass es eine starke Migräne gewesen sein muss - was auch die Visionen der Kirchenfrau naturwissenschaftlich erklärt.

Auch für die Kameraführung hat sich von Trotta am Bildmaterial orientiert, das man aus dem Mittelalter kennt. Nicht immer ganz freiwillig, wie sie meint, denn im klösterlichen Gewand, das fast einer Uniform gleicht, müsse man einfach direkt von vorne fotografieren, um eine Person noch erkennen zu können: "Das hat mir einen Stil aufgezwungen, der auch mittelalterlich wirkt." Trotz dieses etwas altmodischen Filmstils - die große Dame der mittelalterlichen Mystik hat uns auch heute noch einiges zu sagen.

Autorin: Renate Heilmeier

Redaktion: Jochen Kürten

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