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Kultur

Im Liebesexpress durchs Ruhrgebiet

MELEZ – das ist Türkisch für "Mischung" und der Name eines Festivals der Kulturen im Ruhrgebiet. Im Kulturhauptstadtjahr 2010 bekommt es besondere Aufmerksamkeit. Eines der Themen: die Liebe. Der Ort: ein Zug.

Eine junge Frau im Melez-Liebesexpress (Foto: Sola Hülsewig)

Los geht die Fahrt!

Langsam rollt der umgebaute S-Bahn-Zug aus dem Dortmunder Hauptbahnhof aus, während sich zahlende Gäste, Musiker, Kamerateams und Teammitglieder des MELEZ-Liebesexpress durch die engen Gänge schieben. Thomas Bug, der Moderator, begrüßt die Mitreisenden durch die Lautsprecher. Und auch wenn einem nicht ganz klar ist, was nun im einzelnen passieren wird - es scheint nicht so wichtig zu sein.

Suche nach dem "schnulzigsten Liebeslied"

Der Melez-Liebesexpress am Dortmunder Bahnsteig (Foto: Sola Hülsewig)

Der Liebesexpress von außen

Was die meisten wissen, ist, dass während der zweieinhalbstündigen Fahrt das "schnulzigste Liebeslied" gefunden werden soll. Dieses wird zusammen mit allen Mitreisenden umgedichtet, eingespielt und gesungen - und dann der passende Videoclip produziert. Aber wie? Bug und seine Kollegen werden ihre Mitreisenden schon rechtzeitig darüber aufklären, denkt man sich – das Chaos wirkt irgendwie organisiert.

Über Lautsprecher informiert Bug die Fahrgäste, dass sie im ersten Wagen über das Liebeslied abstimmen sollen, das dann umgetextet wird. Das Ergebnis wird rasch verkündet: "Ich glaube, nein, ich fürchte, nein, ich weiß: Es ist Stevie Wonder", verkündet Thomas Bug. "I just called to say I love you" soll also die Grundlage für die neu zu erfindende Schnulze sein. Gespielt und gesungen wird sie von Musikern, die sich für die Aktion bewerben konnten, sich aber auf der Fahrt erst kennenlernen.

Alles muss schnell gehen

Mitreisende im Melez-Liebesexpress (Foto: Sola Hülsewig)

Der Liebesexpress von innen

Die ersten musikalischen Versuche schallen bereits aus den Lautsprechern. Währenddessen dichten die Gäste im Salonwagen am Text für das Liebeslied. Aline war eine der schnellsten: Die Studentin mit rotblonder Pony-Frisur sitzt mit mehreren Freundinnen in einem Vierer und gibt eine erste Kostprobe: "Ich war verliebt, wie wunderbar, sie hieß Margarethe und sang in einer Bar. Alternativ: sie hatte eine Machete." Margarethe und Machete reime sich ja auch, fügt sie hinzu.

Zeit für langes Feilen an den Formulierungen ist nicht: Alles muss schnell gehen im Liebesexpress. Das Lied samt Videoclip soll schließlich während der zweieinhalbstündigen Fahrt fertig produziert werden. Aber ist das überhaupt realistisch? "Mittlerweile, wo wir mitten drin sind, frage ich mich das ehrlich gesagt auch", gibt Thomas Bug zu und lacht: "Alle hier haben aber große Lust und großen Spaß, das Lied ist bestimmt, die Ideen für das Video und die Texte entstehen gerade: Es fühlt sich gut an!“

Amor mit Flitzebogen

Björn als Amor verkleidet im Melez-Liebesexpress-Musikvideo (Foto: Sola Hülsewig)

Björn als Amor

Einen Wagon weiter wartet Björn auf seinen Einsatz. Auch er hat sich ein Ticket für den Liebesexpress gekauft – und wurde dann von den anderen Gästen als "Amor" gewählt, einer tragenden Rolle im Liebesexpress-Musikvideo. Hierzu wurde Björn in ein weißes Gewand gesteckt, trägt Engelsflügel und ein goldenes Stirnband und in der Hand Pfeil und Bogen. Der Plot des Videos steht schon grob: Amor versucht mit seinem Flitzebogen eine junge Dame zu treffen, die verträumt am Fenster sitzt. Nach zwei Versuchen ist die Szene im Kasten. Noch über eine Stunde bleibt den Videomenschen, um ihr Werk fertig zu drehen. Auch der Text für das Lied existiert mittlerweile: "Ich schau hinaus / die Sonne scheint / ich frage mich / warum bin ich so allein? / Ich ruf dich an / du gehst nicht ran / von Dortmund bis nach Essen – kein Empfang". Hierauf haben sich die Texter geeinigt, und auch die Band ist gut vorangekommen.

Der Liebesexpress rollt weiter

Verliebtes Pärchen im Melez-Liebesexpress (Foto: Sola Hülsewig)

Romantik pur...

Eine halbe Stunde bevor der Liebesexpress wieder im Dortmunder Hauptbahnhof einrollt, kann schon die erste Version der neuen Schnulze aufgenommen werden. Das Lied klingt etwas schräg, doch dem Publikum gefällt es, und Spaß gemacht hat es allemal.

Und der Liebesexpress soll noch ein zweites Mal starten: Dann wird nicht das schnulzigste, sondern das "härteste" Liebeslied gesucht. Aber die umgebaute S-Bahn verbreitet nicht nur Liebe: Einen Monat lang ist sie durchs Ruhrgebiet unterwegs und Ort für die unterschiedlichsten Veranstaltungen im Rahmen von MELEZ, von Ausstellungen über Tanzperformances bis zu Orchester-Auftritten. Literaten, Musiker, Filmemacher, Denker, HipHopper und Performer aus Europa und der Region treffen dann zusammen mit Gästen der Kulturhauptstadt Ruhr 2010.

Autorin: Sola Hülsewig
Redaktion: Petra Lambeck

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