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Politik

Im Land Osama bin Ladens

Den Amerikanern ist Saudi-Arabien als Hort von Terroristen höchst suspekt. Dennoch hält sie das nicht von guten Geschäften ab. Wie "funktioniert" der Wüstenstaat? Ein Hintergrund von DW-WORLD.

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Saudi-Arabien: Zwischen Tradition und Fortschritt

Saudi-Arabien ist ein Familienunternehmen. Die 20 verbliebenen Söhne des Staatsgründers Abdulasis Ibn Saud führen das Land. Ursprünglich waren es 45: Vier von ihnen sind nach dem Tod Sauds 1953 König geworden, streng ihrem Alter nach. Der aktuelle König Fahd, 80 Jahre alt, ist zu krank zum Regieren. De facto führt sein Nachfolger, der 78-jährige Kronprinz Abdullah, die Regierungsgeschäfte. Nummer zwei in der Erbfolge ist der Verteidigungsminister Prinz Sultan, auch er ist 78 Jahre alt.

Der Monarchie droht Gefahr durch Machtkämpfe innerhalb der betagten Troika. Prinz Sultan ist Sprecher der "Sudeiri-Brüder", der Vollbrüder des Königs. Ihre Gruppe gilt als ausgesprochen USA-freundlich. Kronprinz Abdullah, seinerseits nur Halbbruder des Königs, sieht die Amerika-Bindung des Königshauses kritischer und preist die Vorzüge des einfachen Beduinen-Lebens. Das saudische Königshaus steht zunehmend vo turbulenten Zeiten: Die Staatsverschuldung wächst, das Stillhalteabkommen mit den Islamisten bröckelt.

Gesellschaft im Zwiespalt

Der Riss durch das Königshaus geht auch durch die gesamte arabische Gesellschaft: Sie schwankt zwischen radikalem Islam und westlichen Standards. Ein heikler Punkt ist die besondere Beziehung zu den USA: Die Vereinigten Staaten beziehen jährlich für Milliarden Dollar saudisches Öl. Im Gegenzug kauft das Königshaus in großem Stil Waffen aus den USA, darunter hochmoderne Kampfjets vom Typ Lockheed F-15 und das Awacs-Frühwarnsystem. Seit den 1950er-Jahren sind in Saudi-Arabien amerikanische Soldaten stationiert.

Diese Präsenz der "Ungläubigen" im Land der heiligen Stätten empfinden viele Saudis als Zumutung. Umfragen zeigen große Unterstützung für den mutmaßlichen Terroristenchef Osama bin Laden unter saudi-arabischen Jugendlichen. Der verlorene Sohn, 1994 ausgebürgert, hat noch immer enge Beziehungen in seine ehemalige Heimat. Ein Großteil seiner Familie, die mehrheitlich eines der wichtigsten Unternehmenskonglomerate des Landes besitzt, lebt in Saudi-Arabien. Auch 15 der 19 Selbstmordattentäter von New York und Washington waren saudi-arabische Staatsbürger. Sie stammten aus der südlichen Provinz Asir an der Grenze zum Jemen, woher auch Bin Ladens Familie kommt.

Ein neuer "Schurkenstaat"?

Amerikanische Politiker warfen den Saudis vor, den Terrorismus finanziell und ideologisch zu unterstützen. Besäße Saudi-Arabien nicht die größten Erdölreserven der Welt, es wäre wohl längst in die Liste der "Schurkenstaaten" aufgenommen worden, mutmaßen einige Experten. Und so stehen plötzlich Seiten der Wüstenmonarchie im Blickpunkt, von denen die Weltöffentlichkeit bisher nicht viel wissen wollte: Sein mittelalterliches Rechtssystem etwa oder die Unterdrückung der Frauen. Das Land kennt keine Meinungsfreiheit: Die Familie der Sauds kontrollieren alle Lebensbereiche, Presse und Politik, Geschäfts- und Gebetshäuser.

In Saudi-Arabien wird eine besonders konservative Form der Koran-Auslegung praktiziert: Der Wahhabismus, benannt nach dem Wanderprediger Bin Abd al-Wahhab. Er lebte im 18. Jahrhundert und trat für eine Rückkehr zur ursprünglichen Strenge des Islam ein. Das heißt: Keine Musik, keine Fernsehunterhaltung, keine Dekoration in den Moscheen und ein Leben in strenger Askese.

Klamme Wahrer des Glaubens

Das Königshaus ist seit der Staatsgründung 1932 mit dem Wahhabismus verquickt. Der Monarch ist zugleich "Hüter der Heiligen Stätten" von Mekka und Medina. Bei all den Problemen ist das Land der Petro-Dollars auch noch chronisch klamm. Mit westlichen Maßstäben gemessen, würde die Staatsverschuldung für einen ganzen Stapel blauer Briefe aus Brüssel reichen. Nach offiziellen Angaben liegen die Schulden bei 160 Milliarden Dollar, eine im Vergleich zum Bruttoinlandsprodukt von 171 Milliarden Dollar enorme Summe. (arn/jf)

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