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Sport

Im Land der Motoren

Das 125. Geburtsjahr des Automobils lässt sich exzellent in der Emilia Romagna feiern. Die Region ist Ursprungsstätte der italienischen Autokultur und noch heute eine Schatzkammer für Liebhaber des Motorsports.

Historische Fiat 500 stehen auf einem Platz in Castelvetro in der Emilia Romagna in Italien

Schaufenster mit Spezialitäten der Emilia Romagna in Bologna

Delikatessen in Bologna

Die Emilia Romagna im Nordosten Italiens ist vor allem auch wegen ihrer kulinarischen Köstlichkeiten bekannt. Parmaschinken, Parmesankäse, Tortellini oder Balsamico-Essig stammen aus dem Gebiet südlich des Po. Doch auch Auto- und Motorsportfans kommen dort auf ihre Kosten. So gilt die Region zwischen Parma und Rimini an der Adria als "Terra di Motori - Land der Motoren". Viele edle und klangvolle Auto- und Motorradmarken haben oder hatten hier ihren Sitz wie Bugatti, Lamborghini, Ferrari und Maserati. Zu nennen wären unter anderem aber auch Ducati, De Tomaso, Pagani oder einstmals Stanguellini.

"Die Emilia Romagna hat eine große Autotradition. Hier gibt es die schönsten Automobilindustrien der Luxusbranche und der Supersportbranche", sagt Rodrigo Filipani Ronconi. Er leitet das Museum des Sportwagenproduzenten Lamborghini in Sant' Agata Bolognese. In seinen Anfängen war das Unternehmen mit dem Stier-Symbol erfolgreich auf Traktoren spezialisiert. "Ferruccio Lamborghini hat damit schon 1945 gleich nach dem letzten Weltkrieg angefangen. Und 1948 war er in der Lage, einen nagelneuen Traktor zu bauen".

Vom Traktor zum Sportwagen

Kinder umringen einen Lamborghini in der Emilia Romagna

Blickfang Lamborghini

Firmen-Gründer Ferruccio Lamborghini war auch ein Liebhaber von Sportwagen. Mit einem Ferrari soll er einstmals aber unzufrieden gewesen sein – der Technik wegen. Und so schlug er dem legendären Unternehmenschef von Ferrari eine Konstruktionsänderung vor. Doch Enzo Ferrari wies ihn mit den Worten zurück: "Lass es, mach mit deinen Traktoren weiter. Sportwagen sind meine Sache", erzählt Museumsleiter Ronconi. Lamborghini sei sehr enttäuscht gewesen: "Ich werde es ihm zeigen. Ich werde mein Auto selbstständig bauen", habe er angekündigt. Und so fabrizierte Lamborghini seit den 1960er erfolgreich eigene Sportwagen. Heute gehört die Nobelmarke der deutschen Audi AG.

Auch Konkurrent Ferrari ist längst nicht mehr eigenständig, sondern gehört dem Fiat-Konzern. Die Fabrik von Enzo Ferrari war während des 2. Weltkriegs von Modena nach Maranello verlegt worden. Noch heute werden dort die "roten Renner" produziert, mit denen Michael Schumacher fünfmal Formel-1-Weltmeister wurde.

Ein gelber Ferrari 458 Italia, ausgestellt auf der North American International Auto Show in Detroit, Januar 2011. (Foto: AP)

Ein gelber Ferrari 458 Italia

Allerdings: "Die Leute denken, dass rot die Farbe Ferraris ist. Aber in Wirklichkeit waren auch die Maserati und Stanguellini rot", sagt Marina Selmi, Stadtführerin von Modena. "Rot war nur eine Identifizierungsfarbe, damit die Zuschauer bei den Autorennen Anfang des 20. Jahrhunderts besser erkennen konnten, welche Länder teilnahmen." Die offizielle Farbe von Ferrari ist gelb, wie Marina Selmi weiter erklärt: "Wenn Ferrari mit einem neuen Auto in die Produktion geht, wird normalerweise zuerst ein gelbes Exemplar gefertigt".

Traumautos von Stanguellini

Bologna ist die Hauptstadt der Emilia Romagna und "praktisch der Ort, wo alles angefangen hat", berichtet Simona Spadoni. Die Fremdenführerin der Universitätsstadt verweist auf die Zeit nach dem 1. Weltkrieg, als die Landwirtschaft auf der Poebene mechanisiert wurde. "Es entstanden viele Fabriken, die Motoren vor allem für landwirtschaftliche Maschinen produzierten." Die weitere Entwicklung in Richtung Sportwagen habe es dann durch die Leidenschaft von Familien wie Ferrari, die Gebrüder Maserati oder Stanguellini gegeben.

Blick in das Stanguellini-Museum in Modena

Renn-Atmosphäre in der Stanguellini-Sammlung in Bologna

Francesco Stanguellini gilt in der Region als "Vater der Automobilindustrie". Er hatte den ersten Autohof. Sein Sohn Vittorio machte sich nach 1937 einen Namen, als er Fiat-Serienmodelle erfolgreich für Autorennen tunte und später eigene Rennwagen baute. "Stanguellini hat immer die Motoren gemacht. Diese waren recht klein, aber groß in der Wirkung. Das heißt, sie hatten wenig Hubraum, aber eine große Beschleunigung", erzählt Arturo Vicario. Er betreut eine exklusive Oldtimer-Sammlung im Stanguellini-Museum von Modena.

Nicht weit entfernt hat ein weiterer Sportwagenhersteller seinen Sitz. Maserati, 1914 von fünf Brüdern in Bologna gegründet, ist heute ebenfalls im Fiat-Besitz. Vor allem in den 1950er Jahren waren Maserati-Rennwagen im Zeichen des Dreizacks erfolgreich. "Das Symbol der Firma wurde von einem der beidem Symbole des Stadt entnommen, vom Dreizack des Neptuns", berichtet Simona Spadoni. Das sei noch heute sehr wichtig für die Bologneser.

Ducati und Verdi

Die Ducati Cucciola, das erste Motorrad von Ducati, ausgestellt im Ducati-Museum in Bologna

Cucciola, die erste Ducati

Wo Sportwagen ihre Heimat haben, dürfen auch berühmte Rennstrecken wie in Imola oder Misano Adriatico nicht fehlen. Aber die Emilia Romagna ist auch ein Land der Motorräder. Einst waren in der Region mehr als 80 Motorradhersteller angesiedelt. Heute noch produzieren hier vor allem Malaguti und Ducati sportliche Zweiräder. Ducati fertigte in Bologna ursprünglich Bauteile für Radios, mittlerweile engagiert sich das Unternehmen vor allem im Rennsport mit erfolgreichen Fahrern wie "Carl Fogarty, Loris Capirossi, Casey Stoner und jetzt Valentino Rossi und Nicky Hayden", verkündet Livio Lodi, Direktor des Ducati-Museums. Und nicht minder Stolz blickt der Historiker auf weitere große Namen der Emilia Romagna. Diese sei nicht nur das "Land der Motoren" und kulinarischer Spezialitäten, sondern auch die Heimat berühmter Menschen wie Opernkomponist Giuseppe Verdi, Opernsänger Luciano Pavarotti oder Giovanni Guareschi, dem Schöpfer von Don Camillo und Peppone. "All' diese Menschen haben auch die Geschichte der Emilia Romagna geschrieben."

Autor: Arnulf Boettcher

Redaktion: Wolfgang van Kann

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