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Kultur

Im Labyrinth des Erzählers

"Willst du ein Mann der Schrift werden, so musst du auch lügen und Geschichten erfinden können, sonst wird deine Historia langweilig."

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Umberto Eco feiert 70. Geburtstag

Diesen Ratschlag des Bischofs Otto von Freising an seinen Lehrjungen "Baudolino" hat der Autor des gleichnamigen Romans selbst beherzigt. Umberto Eco, selbst ernannter "Philosoph der Vernebelung", schreibt Bücher, die sich sowohl naiv als Abenteuergeschichten konsumieren als auch als Bildungsroman eines Gelehrten lesen lassen. Sein Erstlingswerk "Der Name der Rose" (1980) schrieb der Italiener angeblich aus Langeweile, weil er mit Ende Vierzig schon alles erreicht zu haben schien. Inzwischen hat er seinen vierten seitenstarken Roman veröffentlicht - und dieser wird nicht der Letzte sein. Umberto Eco hat auch nach seinem 70. Geburtstag am 5. Januar nicht vor, sich zur Ruhe zu setzen.

Eco, der Workaholic

Die Frage ist, wie und wann er seine akribisch recherchierten Bücher über das Mittelalter alle schreibt. Ist er doch beileibe kein Mönch in der Zelle, sondern streitbarer Zeitungs-Kolumnist, geistig-witziger Essayist und viel zitierter Wissenschaftler der Semiotik, der Lehre von den Zeichen und Bedeutungen - nicht nur an seiner Universität in Bologna, sondern weltweit als Gastdozent.

Umberto Eco - Der Name der Rose

Eco ist ein rauchender Workaholic, ein Nachtarbeiter, der auf den Festen der Schönen und Reichen von Mailand tanzt und dann wieder in seinem labyrinthischen Stadt-Appartment arbeitet. Dort versorgen ein Computer, Tausende von handschriftlichen Notizen und über dreißigtausend Bücher mit Lesezeichen den enzyklopädischen Gelehrten mit Material. Zuweilen allerdings zieht die Familie – Eco ist mit der deutschen Grafikerin Renate Ramge verheiratet und hat einen Sohn und eine Tochter - in das Sommerhaus auf den Hügeln bei Rimini, eine ehemalige Jesuiten-Schule aus dem 17. Jahrhundert.