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Filme

Im Kino-Olymp: Alejandro González Iñárritu

Für Regisseur Iñárritu könnte es der nächste Triumph seiner Karriere sein. In seinem neusten Film "The Revenant" spielt Hollywood-Superstar Leonardo DiCaprio einen Trapper, der ums nackte Überleben kämpft.

Das ist wohl das, was man einen Lauf nennt. Erst zu Beginn des Jahres 2015 stand Regisseur Alejandro González Iñárritu auf der Oscar-Bühne in Los Angeles und nahm die begehrte Trophäe entgegen, unter anderem für den besten Film und "Beste Regie". Ausgezeichnet wurde sein Kinofilm "Birdman". Und jetzt kommt an den Weihnachtsfeiertagen schon der nächste Film des mexikanischen Regisseurs in die US-amerikanischen Kinos.

Allerdings startet er nur mit wenigen Kopien. Der reguläre US-Start ist für den 8. Januar 2016 vorgesehen, so hat "The Revenant" gute Chancen auch bei der nächsten Oscarverleihung wieder berücksichtigt zu werden. Es wird längst darüber spekuliert, dass Hauptdarsteller Leonardo DiCaprio nach fünf Nominierungen zum ersten Mal als Schauspieler die kleine goldene Statue mit nach Haus nehmen könnte. Nach den Spielregeln von Hollywood muss ein Film bis zum Ende des laufenden Jahres zumindest einmal im Kino gezeigt werden, damit er ein paar Wochen später bei den Oscars ausgezeichnet werden kann.

Authentische Western-Geschichte aus dem 19. Jahrhundert: The Revenant

In "The Revenant" schickt Iñárritu Leonardo DiCaprio auf eine Reise in die unendlichen Weiten der nordamerikanischen Prärie. Erzählt wird die authentische Geschichte des Pelztierjägers Hugh Glass, der im 19. Jahrhundert in den Rocky Mountains auf eine harte Probe gestellt wird.

Bei einem Kampf mit einem riesigen Grizzly-Bären wird Glass schwer verletzt. Seine beiden Kameraden, mit denen er durch die Wälder und Prärie zieht, lassen ihn im Stich - heben gar schon ein Grab aus für den schwer Verwundeten. Doch wie durch ein Wunder überlebt Glass in der Einsamkeit und schwört auf Rache. "The Revenant" ist ein Film, der an Grenzen geht. Der Kampf des Trappers gegen den Bären, das Überleben in der unwirtlichen Natur Nordamerikas - all das wird von Iñárritu und seinem Kameramann Emmanuel Lubezki in grandiosen Bildern eingefangen.

Die Drehkosten von "The Revenant" schnellten auf 135 Millionen Dollar

Iñárritu wollte seinen nunmehr sechsten Spielfilm in chronologischer Reihenfolge drehen. Auch wollte der mexikanische Regisseur auf sämtliche digitale Effekte verzichten und seine Bilder nur bei natürlichem Tageslicht aufnehmen. Das stellte das Filmteam vor ungeahnte Herausforderungen - sowohl in logistischer als auch in finanzieller Hinsicht. Weil es an den geplanten Drehorten in Kanada phasenweise nicht genügend Schnee gab, zog die Film-Crew noch nach Südamerika um.

In einem Interview mit dem Kinoportal "The Wrap" beschrieb Leonardo DiCaprio die Dreharbeiten in der eisigen und verschneiten Landschaft als die härtesten seiner bisherigen Karriere. Oft ist DiCaprio einziger Akteur auf der Leinwand - neben der Natur. Er habe seinen Part wie in einem Stummfilm absolvieren müssen, so DiCaprio. Fünfmal war der US-Amerikaner bisher schon für einen Oscar nominiert worden, ging aber immer leer aus. Jetzt werden ihm sowohl für die Nominierung als auch für eine Auszeichnung gute Chancen eingeräumt.

Für diesen Regisseur sind Film-Preise schon fast Routine

Vier Golden Globe-Nominierungen, immer ein sicheres Zeichen auch für die Oscars, konnte "The Revenant" gerade schon einheimsen - unter anderem für Leonardo DiCaprio. Die Chancen für Alejandro González Iñárritu, demnächst wieder auf den Oscar- und Golden-Globe-Bühnen zu stehen, sind also nicht schlecht. Preise entgegennehmen sind für diesen Regisseur schon fast eine Routineangelegenheit.

Sein komplex erzähltes Spielfilm-Debüt "Amores Perros" (2000) räumte Auszeichnungen gleich im Dutzend ab, gewann zwei Trophäen beim Festival in Cannes und wurde in der Kategorie "Bester nichtenglischsprachiger Film" für einen Oscar nominiert. Auch seine folgenden Filme wurden reichlich mit Preisen bedacht. Vorläufiger Höhepunkt dann im Februar 2015 die vier Oscars für "Birdman".

Was macht diesen Regisseur aus Mexiko so außerordentlich? Warum begann gerade mit ihm eine neue Blüte des mexikanischen Kinos? Warum entuppte sich gerade Iñárritu für viele Regisseure in Südamerika und für andere Teile der Welt als so inspirierend?

"Im Rückblick erkennt man, dass 'Amores Perros' stilistische Entwicklungen im Autorenkino der 1990er Jahre zu einer kraftvollen Synergie bündelt: den Neuen Realismus in den Milieustudien einerseits, das episodische Erzählen paralleler Lebenswelten andererseits", so der Filmwissenschaftler Roman Mauer. Das seien zwei Trends gewesen, die die "Künstlichkeit der Postmoderne und die linearen Heldenreisen" zurückgedrängt hätten.

Iñárritu tanzt auf vielen Hochzeiten

Dass Alejandro González Iñárritu aber noch viel mehr Talente hat, als experimentelle Erzählformen in großen Spielfilmen mit Hollywood-Stars zu etablieren, hat der Mexikaner auf anderen Gebieten bewiesen. 2002 machte er bei einem globalen Filmprojekt über die Anschläge vom 11. September 2001 mit. Zwischen seinen Spielfilmen drehte Iñárritu weitere Kurzfilme und inszenierte aufwendige Werbesports für Firmen wie Nike im Vorfeld der Fußball-WM 2010.

Man darf also gespannt sein, wie sich die weitere Karriere des 1963 in Mexiko-Stadt geborenen Regisseurs entwickelt. In Iñárritu, der auch als Produzent arbeitet und Drehbücher für andere Filmprojekte schreibt, scheint noch viel kreatives Potential zu schlummern. Zunächst einmal gilt es abzuwarten, wie sein neuer Film "The Revenant" an der Kasse abschneidet.

Deutschland und Europa-Start ist der 7./8.Januar. Außerdem läuft "The Revenant" am 28. Februar bei der 88. Oscarverleihung im Dolby Theatre in Los Angeles.

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