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Filme

Im Kino: "Janis: Little Girl Blue"

Ihr Tod kam früh mit 27. Doch in den wenigen Jahren zuvor wurde Janis Joplin zur bekanntesten Rock- und Bluesmusikerin ihrer Zeit. Eine bewegende Filmdokumentation zeichnet jetzt ihr Leben nach.

Manchmal braucht es nur eine kurze Zeit um in die Geschichte einzugehen, zumal in die Musikhistorie. Jim Morrison starb mit 27. Und Jimi Hendrix. Brian Jones von den Rolling Stones wurde auch nur 27. Später starben Kurt Cobain und Amy Winehouse in dem scheinbar verfluchten Alter. Nach Cobains Tod wurde der Begriff "Club 27" geprägt, die Häufung der Todesfälle bekannter Rockgrößen in eben diesem Alter war verblüffend.

Neben dem Doors-Frontmann Morrison, dem Hexer an der E-Gitarre Hendrix und Jones gehörte Janis Joplin als einzige Frau damals zu jenem imaginären Club. Janis Joplin ist heute zweifellos ein Mythos. Vor allem, weil sie auf der Bühne einige legendäre Auftritte absolviert hat, bei den Festivals in Monterey 1967 und zwei Jahre später auch in Woodstock.

Zwischen Enge und Ausbruch

Schon einmal, 1974, hatte es eine Dokumentation (The Janis-Joplin-Story) über die Musikerin gegeben, 40 Jahre später nun kommt ein Film in die Kinos, der mit bisher unveröffentlichtem Material arbeitet und das Leben einer Musik-Ikone in Erinnerung ruft, das sich immer zwischen den Extremen bewegt hat.

Joplin wurde im Januar 1943 in Port Arthur geboren. Das Aufwachsen in ihrer texanischen Heimat, die wie kaum eine andere für ein konservatives und engstirniges Amerika steht, wurde für das junge Mädchen zu einer traumatischen Erfahrung.

Combo Club 27 Symbolbild

Tod mit 27: Der legendäre "Club 27"

"An der Universität von Texas wurde sie zum 'hässlichsten Menschen auf dem Campus' gewählt", so Amy Berg, die Regisseurin der Dokumentation "Janis: Little Girl Blue". Klar, dass die junge Frau darüber nicht erfreut war und sich andere Wege suchte, ihr Glück zu finden. Und auch wenn ihre Eltern immer zu ihr standen und die junge Janis sich auch später noch in vielen Briefen immer vertrauensvoll an Mam und Dad wandte, war es nur eine Frage der Zeit, bis Janis Joplin das enge texanische Korsett sprengte.

Tiefe Einsamkeit…

Zunächst in Los Angeles, später dann in San Francisco, suchte sie ihr Glück in der Musik und phasenweise fand sie es auch. Doch sie blieb eine Getriebene. Amy Berg: "Bei all der Anbetung und Bewunderung, die sie und ihre Musik auslösten, verwundert am meisten die tiefe Einsamkeit und das Gefühl, nicht geliebt zu werden, das sie oft empfand, wenn die Massen nach Hause gingen." Die Einsamkeit versuchte sie, mit Alkohol und Drogen zu betäuben. Wie andere Musiker auch, die nur auf der Bühne ganz zu sich selbst fanden,

Film JANIS: LITTLE GIRL BLUE (Foto: Arsenal Film)

Auf der Bühne ein Ereignis: Janis Joplin im Film von Amy Berg

Das Ergebnis ist bekannt. Regisseurin Amy Berg zeichnet diesen Weg in ihrem Film sensibel und mit viel Feingefühl nach, zeigt den Ausbruch aus der texanischen Enge, den kurzen steilen Aufstieg zum umjubelten Star und die vielen kleinen Niederlagen, die schließlich (1970) in einem viel zu frühen Tod endeten.

"Janis ist immer noch ein Symbol unseres kollektiven Schmerzes - die raue, wortgewaltige Stimme, die unser Leiden angemessen und unverschleiert ausdrückt", beschreibt die Regisseurin das Verhältnis vieler Menschen heute zu Janis Joplin. Musik habe Janis damals die ersehnte Akzeptanz gegeben. Aufzutreten sei für sie wie eine Erlösung gewesen, sagt die Filmemacherin Berg.

Porträt einer sensiblen Persönlichkeit

"Janis: Little Girl Blue" kombiniert Bilder ihrer legendären Auftritte auf den Bühnen der großen amerikanischen Rockfestivals mit vielen Fotos aus privaten Archiven, zitiert ehemalige Freunde und Familienangehörige. Aus diesem Puzzleteilen hat Amy Berg das Bild einer Persönlichkeit zusammengesetzt, das zwischen Rausch und Wirklichkeit, zwischen Überlebenskampf und stetigen Abstürzen berichtet.

Film JANIS: LITTLE GIRL BLUE (Foto: Arsenal Film)

Janis Joplin und ihr legendärer Porsche, der im Dezember 2015 für 1,76 Millionen Dollar versteigert wurde

Bei den Festspielen in Venedig feierte der Film im Herbst vergangenen Jahres seine Uraufführung, nun kommt er in die Kinos. Und wenn eines haften bleibt - außer dem eindringlichen Blick auf ein kurzes Musikerleben - dann sind es die verblüffenden Parallelen, die sich dem Zuschauer von heute offenbaren. Zumal demjenigen, der noch die Dokumentation "Amy" in frischer Erinnerung hat.

Seelenverwandte

Das Leben der Janis Joplin und Jahrzehnte später das der Soulsängerin Amy Winehouse verlief in vielem ähnlich. Auch Amy Winehouse erlebte eine frühe und steile Karriere, verfiel den Drogen und starb mit 27. Insofern kann man eines aus "Janis: Little Girl Blue" mit Sicherheit mitnehmen: Allzu viel hat sich eigentlich nicht verändert, wenn man auf das Leben einer jungen begabten Sängerin und Musikerin blickt, die in einem konservativen Umfeld aufwächst und in sich etwas entdeckt, das größer, sperriger und unkonventioneller ist als biedere Bürgerlichkeit.

Man muss schon mit einem ausgeprägten Willen ausgestattet sein, über einen starken Charakter verfügen und gute Freunde um sich herum wissen, um zu überleben als junger Rockstar.

(AP Photo/David Fenton)

Rockröhre auf der Bühne

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