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Nahost

Im Iran und China werden die meisten Menschen hingerichtet

Im vergangenen Jahr wurden weltweit fast doppelt so viele Menschen hingerichtet wie 2007. Nach dem Land der Olympischen Spiele, China, sind im Iran die meisten Menschen durch staatliche Anordnung getötet worden.

Hinrichtung eines jungen Iraners im August 2007 (Foto: AP)

Hinrichtungen sind im Iran immer noch an der Tagesordnung

Sie werden meist an öffentlichen Plätzen hingerichtet und ihre Exekution als Spektakel inszeniert. Ihre Vergehen: Raub, Alkoholkonsum oder Ehebruch. Im Iran wurden im Jahr 2008 mindestens 346 Menschen hingerichtet, wie die Menschenrechtsorganisation Amnesty International (ai) in ihrem am Dienstag (24.03.2009) veröffentlichten Jahresbericht "Todesstrafe" erklärte.

Die Dunkelziffer sei aber vermutlich um ein vielfaches höher, hieß es dort ebenfalls. Bei der Verhängung der Todesstrafe liegt der Iran im internationalen Vergleich damit auf dem zweiten Platz. Nur in China wurden im vergangenen Jahr mehr Menschen auf Anordnung des Staates getötet.

Der wegen Raubmordes zum Tode verurteile Liu Tianlong in Chengdu bei seiner Hinrichtung 2001 (Foto: dpa)

China ist für mehr als 70 Prozent aller vollstreckten Todesstrafen verantwortlich

Insgesamt wurden dem Bericht zufolge im vergangenen Jahr mindestens 2.390 Menschen in 25 Ländern hingerichtet und mindestens 8.864 weitere in 52 Ländern zum Tode verurteilt. Die Volksrepublik China ist dabei mit 1.718 Fällen für mehr als 70 Prozent aller vollstreckten Todesstrafen verantwortlich, teilte Amnesty International mit. Die Hoffnung, dass die Vergabe der Olympischen Sommerspiele 2008 an Peking etwas an der Zahl der Hinrichtungen im Land ändern könnte, erfüllte sich damit nicht. Im Gegenteil: Dem Amnesty-Bericht zufolge verdreifachte sich die Zahl der bekannt gewordenen Hinrichtungen im Olympiajahr sogar.

"Kein Platz für Enthauptung und Giftspritze im 21. Jahrhundert"

"Die Todesstrafe ist eine grausame, erniedrigende und in höchstem Maße unmenschliche Strafe. Enthaupten, Erhängen, Erschießen, Steinigen, der elektrische Stuhl und die Giftspritze haben im 21. Jahrhundert keinen Platz", sagt Oliver Hendrich, Anti-Todesstrafen-Experte bei Amnesty International in Deutschland. Viele Todeskandidaten müssten unter menschenunwürdigen Bedingungen vor ihrer Hinrichtung in den Gefängnissen ausharren oder würden erst kurz vor der Vollstreckung von ihrer bevorstehenden Tötung erfahren.

Gegen die Todesstrafe für Minderjährige im Iran protestiert ein Aktivist der Menschenrechtsgruppe amnesty international (ai) 2007 (Foto: AP)

Proteste: Auch Minderjährige werden im Iran hingerichtet



Hinrichtungen weltweit auf dem Rückzug

Amnesty International fordert nachdrücklich die Abschaffung der Todesstrafe, betont aber auch, dass Hinrichtungen weltweit auf dem Rückzug seien. So hätten im vergangenen Jahr mit Argentinien und Usbekistan zwei weitere Staaten die Todesstrafe abgeschafft. In der vergangenen Woche hatte sich zudem der US-Bundesstaat New Mexico dazu entschlossen. Derzeit gibt es die Todesstrafen, nach Zählung von Amnesty International, noch in 59 Ländern. In Europa werde die Todesstrafe lediglich in Weißrussland praktiziert. "Doch jede Hinrichtung ist eine zuviel", so ai-Experte Hendrich. (ina/stg/afp/dpa/epd)

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