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Projekt Zukunft

Im Gespräch: Dr. Matteo Valleriani zum keltischen Mondkalender

Dazu ein Gespräch mit Dr. Matteo Valleriani, Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte

Video ansehen 03:37

DW: Herr Dr. Valleriani, die Kelten haben astronomische Berechnungen angestellt und ein Kalendersystem entwickelt. Was bringt uns denn das Wissen über diese alten Techniken heute?

Dr. Matteo Valleriani: Die alten Kalendersysteme sind für uns vor allem ein Beweis, dass schon in der Antike die Suche nach Regelmäßigem in der Natur existierte - und vor allem der Bedarf, diese Regelmäßigkeiten zu verwenden, um das Leben in der Gruppe und in der Gesellschaft zu organisieren. Ein Kalender wird für viele Zwecke verwendet, zum Beispiel in der Landwirtschaft, um sich an besondere Ereignisse erinnern zu können, oder auch um voraus zu sehen, wann das nächste besondere Ereignis stattfinden wird.

DW: Was sagt das über die Art und Weise aus, wie sich das naturwissenschaftliche Denken beim Menschen entwickelt hat? Heute würde man ja eher sagen, die Menschen damals haben noch gar nicht so naturwissenschaftlich gedacht wie wir heute. Das stimmt so ja nicht, oder?

Nein, in diesem Fall stimmt das nicht. Die Menschen damals haben zwar andere Methoden verwendet. Sie haben für Beobachtungen, in diesem Fall für astronomische Beobachtungen, nicht dieselbe Technologie oder den technologischen Apparat zur Verfügung gehabt wie wir. Aber sie haben mit ihren Mitteln systematisch beobachtet. Sie haben wichtige Daten systematisch aufgenommen, und sie haben stabile Strukturen in der Natur gesucht und versucht, diese zu beherrschen.

DW: Warum sehnen wir Menschen uns so nach dieser Systematisierung?

Vor allem, weil wir dadurch eine Methode haben, die Überlebenschancen der Gruppe zu erhöhen beziehungsweise uns selbst besser zu organisieren: zum Beispiel, um Ressourcen zu verwalten. Das wird am Beispiel der Landwirtschaft deutlich, oder wenn wir an Ägypten denken und an die Naturkalender, um Wasser als Ressource zu verwalten. Das ist der Ursprung des Bedarfs, kalendarische Berechnungen durchzuführen und Kalender zu erstellen, die heutzutage immer noch gültig sind.

DW: Sie schauen in Ihrer Forschungsarbeit auf Technologien der Antike. Welche Technologie war für Sie besonders wegweisend?

Ich beschäftige mich insbesondere mit Wassertechnologie, mit Wasserleitungssystemen in der Antike. Ein sehr bekanntes Beispiel dafür sind die römischen Aquädukte, die viele Menschen wahrscheinlich kennen. Es sind diese wunderbaren architektonischen Strukturen, die überall in Europa und im Mittelmeerraum verstreut sind. Vor allem schaue ich mir an, wie sich diese Strukturen entwickelt haben - nach politischem und gesellschaftlichem Bedarf auf der einen Seite, auf der anderen Seite aber auch nach meteorologischen Veränderungen. Also wie die Technologie sich weiter entwickelt hat und wie sie sich dann verbreitet hat, von einer Kultur oder einer Region zur anderen, von einer Epoche zur anderen, ...

DW: ... und wie wir sie heute auch noch nutzen können.

Genau.

Interview: Ingolf Baur