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Im Dialog

Er ist eine eigene Kommunikationsform: der Dialog. Notwendig sind mindestens zwei Personen. Manchmal findet man ihn jedoch auch auf der Speisekarte eines Edelrestaurants.

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Im Dialog

In gehobenen Restaurants oder in solchen, die in den Augen ihrer Betreiber als solche gelten sollen, befindet er sich auf der Speisekarte. Unter „Köstlichkeiten aus dem Meer und aus heimischen Gewässern“, oder so ähnlich.

Sprechendes Essen

Ein kunstvoll gestaltetes Fischgericht (dpa/Martin Schutt)

So könnte man sich einen Dialog von Edelfischen vorstellen

Dort gibt es ihn, den „Dialog von Edelfischen“, sagen wir einmal Seezungen- und Rotbarbenfilets, „an einer Mousse von Langoustines mit einem Hauch von geschäumter Zitronenbutter überzogen“. Auch Medaillons vom Kalb befinden sich im Dialog mit anderen Fleischstückchen. Und zum Nachtisch dialogisieren tropische und einheimische Früchte an irgendeiner Sauce mit geraspeltem Dingsbums.

Und damit verlassen wir die vermeintlich noblen Restaurants und wenden uns den ernst zu nehmenden Dialogformen zu. Damit ist schon angedeutet, dass Dialog nicht gleich Dialog ist. So ist der zwischen Gewerkschaften und Regierung angestrebte Dialog etwas anderes als der zwischen den Industriestaaten und der sogenannten Dritten Welt. Aber immer schön der Reihe nach.

Rede und Gegenrede

Gemälde von Raffael: Die Schule von Athen. Dort sind unter anderen die Philosophen Platon und Sokrates sowie weitere Philosophen zu sehen ( dpa)

In der griechischen Philosophenschule der Antike wurde der Dialog gepflegt

Am Anfang war das Zwiegespräch. Die Unterredung. In der griechischen Antike, so bei Platon und Sokrates, war der Dialog eine Form von Rede und Gegenrede. Bei Platon ist Dialog schlechthin das Mittel, um zur Einsicht in die Wahrheit zu gelangen. Ein weiß Gott hochgestecktes Ziel. Der Dialog – wir müssen diesen kleinen Ausflug in die Philosophie machen – ist eine kommunikative Beziehung zwischen zwei Partnern.

Der Dialog, der Austausch, ist nicht nur Methode zum Erreichen von Erkenntnis und Wahrheit, er ist sogar Bedingung dafür – und jetzt kommt ein Zitat –, „dass es Personen, die ihrer selbst bewusst sind, also die Fähigkeit haben, sich und die Welt zu erkennen, überhaupt geben kann.“ So steht es in Rowohlts Philosophielexikon. Was heißt das? Streng genommen bedeutet es, dass sich salopp und ein bisschen gewagt formuliert, niemand selbst erkennen kann, wenn er nicht in der Lage ist, sich durch den anderen erkennen zu wollen.

Das Ich und das Du

Eine Mutter (links) und ihre Tochter (rechts) sitzen auf einem roten Sofa. Die Mutter hält ein Kondom in der Hand, um ihre Tochter über Verhütung aufzuklären. Die Tochter guckt peinlich berührt in die andere Richtung.

Manchmal stockt der Dialog mit der Jugend etwas

Zur Verdeutlichung: Das „Ich“ spricht im Dialog zu einem anderen. Dieses wird als „Du“ angeredet. Umgekehrt spricht das „Du“ das „Ich“ an. Nur in dieser wechselseitigen Abhängigkeit, in diesem Gegenüber, kann es überhaupt ein „Du“ und ein „Ich“ geben. Und: Nur in dieser Beziehung wird deutlich, wer beide sind, was beide denken und wollen.

Zugegeben, das klingt ein bisschen hochgestochen. Aber vor diesem Hintergrund wird klar, welcher Anspruch zum Beispiel hinter dem arg strapazierten Schlagwort vom „Dialog mit der Jugend“ steckt.

Der Dialog heute

Sich verstehen wollen und dann aus einem Interessenabgleich die Einsicht gewinnen, so oder so könnte es gehen, das ist in etwa gemeint, wenn heutzutage von Dialog gesprochen wird. Dazu bedarf es natürlich erst einmal der Dialogbereitschaft. Dann steht der Aufnahme eines Dialogs normalerweise nichts mehr im Wege.

Es gibt das Angebot zum Dialog, es gibt „Dialogbemühungen“, „ein Dialog gerät ins Stocken“ und wird nach mühseligen Vermittlungsversuchen „wieder aufgenommen“. Das Wort „Dialog“ erscheint sehr häufig in politischen Zusammenhängen – meist wird eine positive Bedeutung mit ihm in Verbindung gebracht. Dialoge werden gern als demokratisch, konstruktiv und offen bezeichnet.

Der literarische Dialog

Szene aus Samuel Becketts Theaterstück Warten auf Godot.

„Warten auf Godot“: ein weitgehend sehr einsilbiger „Dialog“

Nun gibt es Dialoge keineswegs nur im öffentlichen oder privaten Leben. Der Dialog als Zwiegespräch ist auch eine literarische Form mit langer Tradition. Im Epos, im Roman und vor allem natürlich im Drama ist der Dialog ein Kunstmittel, das zum Beispiel im „Dialogroman“ seine eigene Gattung hat.

Sollen Bühnen- und Filmdialoge besonders geschliffen, ausgefeilt, subtil oder spritzig-witzig sein, werden sie von Spezialisten, den „Dialogautoren“, geschrieben. Gerade im literarischen, im künstlerischen Dialog, können Figuren auf faszinierende Weise und sehr genau gezeigt werden.

Stummfisch

So gesehen wird uns der Dialog von Edelfischen ein ewiges Rätsel bleiben. Denn selbst wenn sie Figuren wären, blieben sie stumm. Aber „Dialog“ und „Edelfisch“ klingt halt nach irgendwas Besonderem.

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