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Kultur

Im Ausland top - zu Hause flop?

Die Tragödie des afrikanischen Fußballs: die Spieler haben Talent, sind international gefragt, aber die Mannschaften scheitern regelmäßig bei Weltmeisterschaften. Wieso eigentlich?

Der ghanaische Spieler Kevin-Prince Boateng im Spiel gegen die USA am 26.6. bei der Fifa-Fußball-WM 2010 (Foto: AP)

Ojokojo Torunarigha, Ex-Profifußballer beim FC-Chemnitz (Foto: DW)

Ojokojo Torunarigha

Das fragt sich auch Ojokojo Torunarigha. Der Nigerianer humpelt durchs Haus der Kulturen der Welt in Berlin. Sportverletzung, sagt er. Klar, was sonst bei einem Profifußballer. Das HdKW hat ihn eingeladen, um mit anderen Fußballexperten zu erörtern, wie das alles wohl zusammenhängt: der Fußball, die Globalisierung, Europa und Afrika, und was Europa will und was Afrika leisten kann - und überhaupt leisten will! Otscho, wie sie ihn damals nannten beim Chemnitzer FC, ist ein Pionier. Er kam 1990 aus Nigeria nach Deutschland, da war er 20 Jahre alt, und wechselte als erster Afrikaner in einen ostdeutschen Verein. Ojokojo reibt sich das Knie und sagt, nein, einfach war es nicht in Sachsen. Aber "das Gehalt lag um vieles höher als in Nigeria. Ich wollte ein besseres Leben für meine Familie, das war die Motivation." Ojokojo spielte im Angriff und im Mittelfeld. Fünf Jahre lang war er Profifußballer.

Spitzenspieler – aber in europäischen Vereinen

Heute wollen die europäischen Spitzenvereine vor allem "schwarzafrikanische Kampfmaschinen", resümiert Oliver König. "Ein deutscher Trainer würde zu mir sagen: bring mir einen defensiven Mittelfeldspieler und einen Stürmer, beide ein Meter 90 groß." Oliver König muss es wissen. Der Spieleragent versteht etwas vom internationalen Spielerhandel, vor allem von dem zwischen Europa und Afrika. Vor zwei Wochen noch war er in Kamerun unterwegs in genau dieser Mission. "Hier geht es ausnahmslos um die physische Überlegenheit der Afrikaner" sagt König. Afrikanische Spitzenspieler heißen heute Didier Drogba oder Samuel Eto’o – klangvolle Namen bei denen Spielkommentatoren in Verzückung geraten. Beide spielen in Top-Ligen in Europa.

Didier Drogba, Spieler der Elfenbeinküste (Foto: AP)

Beten bringts nicht, Didier Drogba! Oder doch?...

Und warum kommen ihre Nationalteams bei Fußball-Weltmeisterschaften nur selten ins Viertelfinale? Lars Isecke, als Trainer bereits in Benin, Ruanda und Namibia unterwegs, weiß eine Antwort. Es sind zu wenige Top-Spieler. Einzelfälle, die in Europa ausgebildet wurden. Auf dem Platz stehen schließlich elf Mann und nicht nur einer. "Samuel Eto’o ist ein Superspieler, der kommt jetzt ins kamerunische Nationalteam, hat nicht noch zehn absolute Topspieler um sich, versucht dementsprechend mehr zu machen, hat dann nicht mehr die Lockerheit, bürdet sich extrem viel auf." Dann käme noch der Druck aus der Mannschaft dazu, weiß Isecke und die Erwartung "na Du bist doch Samuel Eto’o, Du bist doch der Superstar, warum machst du’s jetzt nicht?“

Globalisierung oder Ausverkauf?

Der Kameruner Spieler Samuel Eto´o (Foto: CAF)

Samuel Eto´o - einer der Stars

Und zu all dem, wirft Ojokojo ein, stelle sich Afrika auch noch selbst ein Bein. Ein enormes Problem sei die Einflussnahme der Verbände. Bei der Aufstellung des Nationalteams gehe es nicht allein um sportliche Leistung, sondern auch schon mal darum, ob der Onkel jemanden im Verein kennt, oder, ob genug Geld fließt, weiß Ojokojo. "In Nigeria spielen nicht immer die Besten. Sie haben zum Beispiel die Verteilung der ethnischen Gruppen. Ob zum Beispiel Haussa, Ibo oder Yoruba, jeder muss drei oder vier Mann in der Mannschaft haben. Normalerweise sollten die Besten spielen." In dieser Hinsicht sei es sogar von Vorteil, meint Ojokojo, dass viele afrikanische Nationalteams von europäischen Trainern geführt werden. Die seien weniger korrumpierbar.

Will man es schön reden, könnte man es Globalisierung nennen: die besten Fußballer, die der afrikanische Kontinent zu bieten hat, werden von Europa abgeworben. Fünf von sechs zur Weltmeisterschaft angetretenen afrikanischen Teams haben europäische Trainer. Ob das ein Chance oder doch ein Dilemma ist, da wollte sich in der Runde niemand so richtig auf eine Seite schlagen. Nach 90 Minuten Diskussion war in jedem Fall eines klar, es kommt auf das korrekte Spiel an.

Autorin: Stefanie Duckstein

Redaktion: Marlis Schaum