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Politik

Im Abseits

Brüssel präsentiert sich gerne als Hauptstadt Europas. Doch die letzten Wochen haben am politischen Selbstbewusstsein der Stadt genagt. Warum, das erklärt DW-Korrespondent Alexander Kudascheff.

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Alle wiederholen es ständig: Nach dem 11. September wird nichts mehr so sein wie vorher. Das gilt auch für Brüssel, das gilt für die EU und das gilt für die NATO. Denn ganz plötzlich sind beide unwichtig, genauer: Sie sind unwichtiger als früher. Dabei hat die NATO sogar zum ersten Mal in 52 Jahren den Bündnisfall ausgerufen. Lord Robertson of Port Ellen, Generalsekretär und Schotte, hat den NATO-Rat so lange vor sich her getrieben bis alle zustimmten - und dann erlebten sie - nichts. Denn Washington nahm die politische Solidarität entgegen und vertraute ansonsten auf sich selbst - oder auf ausgesuchte Allianzpartner.

Doch auch da gilt: Selbst die Briten werden nur nebenbei gebraucht und die Vorstellung die USA bräuchten ein deutsches Sanitätsflugzeug ist geradezu wirklichkeitsfremd.

Militärisch braucht Amerika die NATO nicht - aber politisch. Und so versinkt die NATO in ihrer anscheinend größten Stunde in der Marginalität. Das hat - ehrlicherweise muss man das zugeben - auch damit zu tun, dass der Kampf gegen den Terror kein konventioneller Krieg ist - und damit die klassischen Ressourcen der Allianz nicht benutzt werden können. Aber bitter ist es allemal.

Für die EU ist es noch schlimmer. Man traf sich ganz schnell - und zum ersten Mal in der Geschichte - zu einem außerordentlichen Gipfel in Brüssel. Man war politisch, wirtschaftlich, geheimdienstlich uneingeschränkt solidarisch. Man beschwor rhetorisch, New York sei auch in Europa - und dann erlebte man die Renaissance der Nationalpolitik. London, Paris, Berlin, Rom, Madrid waren gefragt - nicht Brüssel.

Und die vielbeschworene europäische Außen- und Sicherheitspolitik? Ein Papiertiger in den Zeiten der Not. Also begann man ganz neu Diskussionen in Brüssel! Zum Beispiel: Wie gut spricht Romano Prodi, der ehrenwerte Präsident der ehrenwerten Kommission Englisch? Gut, passabel oder unverständlich? Aber muss man das wissen?

  • Datum 19.11.2001
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  • Permalink http://p.dw.com/p/1NUS
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