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Kultur

"I'm a poor lonesome Cowboy"

Er ist der Mann, der beim Zureiten eines Wildpferdes lässig eine Zigarette dreht. Er ist der Mann, der schneller als sein Schatten schießt. Und: er ist der Mann, der immer die gleichen Klamotten trägt. Lucky Luke!

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Hauptsache cool bleiben

Lucky Luke ist der Super-Cowboy schlechthin: Sieger in zahllosen Duellen, Beschützer hilfsbedürftiger Ladies und Schrecken aller Viehdiebe. Als der "Marlboro-Mann" noch am Daumen nuckelte, war er schon ein Held. Bereits seit 56 Jahren sorgt Lucky Luke in insgesamt 62 Heften für Recht und Ordnung im Wilden Westen. So auch in seinem neuen Abenteuer "Eine Wildwest Legende".

Sein vorerst letzter Ritt durch die Prärie

Zum Inhalt: Die Wildwest-Show von Buffalo Bill spielt das Leben berühmter Western-Figuren nach. Allerdings werden die vier berüchtigten Dalton-Brüder von den Schauspielern als gutherzige Banditen dargestellt und nicht als die dummdreisten Ganoven, die sie in Wirklichkeit sind. Die wahren Daltons werden dadurch zu umjubelten Stars; geben Interviews und Autogramme. Und natürlich nutzen Joe, William, Jack und Averell Dalton ihren unverhofften Ruhm, um ein paar krumme Dinger zu drehen. Bis sie von Lucky Luke mit Hilfe des treudoofen Hundes Rantanplan gestoppt werden.

Aber nun ist der Mann mit dem gelben Hemd und der schwarzen Haartolle erstmals wirklich in Gefahr - und das nicht wegen der Daltons. Denn Lucky Lukes Abenteuer "Eine Wildwest Legende" ist der letzte Band aus der Feder von Morris. Der legendäre Erfinder und Zeichner von Lucky Luke ist im letzten Jahr kurz nach Vollendung dieser Geschichte in Brüssel gestorben. Maurice de Bevere, wie Morris mit bürgerlichen Namen hieß, wurde 77 Jahre alt. Zu Beginn seiner Karriere hatte Morris einige Hürden zu überwinden. So musste er Filmfotos aus den Schaukästen der Kinos klauen, weil es Ende der vierziger Jahre kaum Bildmaterial über den Wilden Westen gab. Das sind längst vergangene Zeiten.

Weltbekannter Held

Heute ist Lucky Luke ein Comic-Klassiker mit Übersetzungen in mehr als 20 Sprachen. In Deutschland genießt der Cowboy mit bisher rund 30 Millionen verkauften Heften Bestseller-Status. In seiner Popularität wird er nur von "Asterix und Obelix" übertroffen. Das Geheimnis seines Erfolgs: Lucky Luke passte sich immer dem Zeitgeist an. So wurde er über die Jahre schlanker und konvertierte sogar zum Nichtraucher. Im Jahr 1983 vertauschte Lucky seinen üblichen Glimmstengel im rechten Mundwinkel gegen einen Grashalm. Für diese Änderung wurde Morris von der Weltgesundheitsorganisation mit einer Medaille ausgezeichnet.

Im Gegensatz zu berühmten Comic-Kollegen wie Asterix und Obelix umgibt Lucky Luke allerdings die Melancholie des Abschied-Nehmens. Während die beiden Gallier am Ende ihrer Abenteuer immer eine Super-Sause feiern, mit Wildschwein am Spieß bis zum Abwinken, reitet Lucky Luke auf seinem treuen Pferd "Jolly Jumper" allein durch die weite Prärie in Richtung Sonnenuntergang und singt dabei: "I'm a poor lonesome Cowboy."

Endgültiges Ende?

Hat er den Song zum letzten Mal geträllert, weil Morris in die "Ewigen Jagdgründe" gegangen ist? Wahrscheinlich nicht, denn Lucky Luke soll zurückkommen. In seinem Testament hat Morris verfügt, dass ein anderer Zeichner nach ihm die Serie fortsetzen darf. Dennoch: die glorreiche Zeit des cleversten aller Comic-Cowboys dürfte wohl vorbei sein.