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Wirtschaft

ILO: "Die Krise ist längst nicht vorbei"

Die ILO, die internationale Arbeitsorganisation der UNO, warnt vor einem Anstieg der Arbeitslosenzahl von derzeit 201 Millionen auf 212 Millionen bis 2019. Der Grund dafür sei fehlendes Wirtschaftswachstum.

Laut ILO-Berechnungen wird die Kluft zwischen Arm und Reich in den kommenden Jahren größer, auch weil die globale Jobkrise andauere. "Mehr als 61 Millionen Jobs sind seit Beginn der globalen Krise im Jahr 2008 verloren gegangen", sagte ILO-Generaldirektor Guy Ryder zur Veröffentlichung der jährlichen Trendstudie der UN-Sonderorganisation zur Entwicklung der Arbeitsmärkte.

"Die Jobkrise ist also längst nicht vorbei, es gibt keinerlei Grund für Selbstgefälligkeit", erklärte Ryder. Zwar habe sich die Lage in den USA, Japan und einigen Ländern Europas verbessert, darunter auch Deutschland. In Südeuropa gehe die Arbeitslosigkeit jedoch nur sehr langsam zurück.

Besonders junge Menschen sind betroffen

Allein in diesem Jahr wird die Zahl der Arbeitslosen laut ILO weltweit voraussichtlich um drei Millionen zunehmen. Weitere acht Millionen Menschen ohne Job könnten bis 2019 hinzukommen. Den Hauptgrund sieht die ILO darin, dass das Wirtschaftswachstum bislang in fast keinem Land wieder das Niveau von vor dem Ausbruch der Finanzkrise vor sechs Jahren erreicht hat. Besonders stark seien Jugendliche betroffen. Fast 74 Millionen Menschen zwischen 15 und 24 Jahren seien 2014 vergeblich auf der Suche nach Arbeit gewesen.

Besorgniserregend ist nach Einschätzung der ILO auch das weitere Anwachsen der Kluft zwischen Arm und Reich. Während die Einkommensunterschiede in Entwicklungsländern seit langem besonders groß seien, nähmen sie inzwischen auch in den Industriestaaten immer stärker zu. Im globalen Durchschnitt würden mittlerweile bis zu 40 Prozent aller Einkommen auf die reichsten zehn Prozent der Bevölkerung entfallen. Hingegen kämen die ärmsten zehn Prozent insgesamt nur auf zwei Prozent der weltweiten Einkommen.

Die Verantwortlichen treffen sich in Davos

Die ILO appellierte vor allem an die europäischen Regierungen, wirtschaftliches Wachstum stärker zu unterstützen. Besonders in der Eurozone seien Maßnahmen zur Stärkung der Nachfrage, gezielte Investitionen zur Schaffung von Jobs und eine Geldpolitik nötig, die die Kreditvergabe für die Realwirtschaft ankurbelt.

Die ILO-Arbeitsmarktstudie wurde wie stets kurz vor dem Jahrestreffen des Weltwirtschaftsforums (WEF) veröffentlicht. Dazu kommen von Mittwoch bis Samstag rund 2500 Manager, Politiker und Wissenschaftler aus 140 Ländern im Schweizer Alpenkurort Davos zusammen, unter ihnen rund 40 Staats- und Regierungschefs. Aus Deutschland reisen Bundeskanzlerin Angela Merkel und mehrere Minister an.

dk/wen (dpa)