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Europa

Illegaler Holzhandel soll erschwert werden

Es ist ein Milliardengeschäft auf Kosten der Natur - illegale Rodungen von ganzen Landstrichen, vor allem im tropischen Regenwald. Ein großer Teil des Holzes landet in Europa. Doch das soll nun ein Ende haben.

Es war eine der umfassendsten Aktionen gegen illegale Waldrodungen, die je durchgeführt wurde. In zwölf Staaten in Zentral- und Südamerika ging Interpol zusammen mit den lokalen Behörden gegen verbotene Abholzungen vor. Einsätze gab es unter anderem in Brasilien, Costa Rica, Paraguay und Venezuela. Dabei wurden 50.000 Kubikmeter Holz im Wert von acht Millionen Dollar beschlagnahmt und 194 Verdächtige vorläufig festgenommen.

Der Polizeieinsatz, über den Interpol Mitte Februar informierte, gibt einen Einblick in das Ausmaß, das der Handel mit illegalem Tropenholz angenommen hat. Zwischen 30 und 100 Milliarden Euro, so schätzt die internationale Polizeibehörde, werde auf diesem Gebiet pro Jahr weltweit umgesetzt.

Bundestag setzt EU-Recht um

Um das illegale Geschäft mit Teak, Mahagoni, aber auch weniger edlen Sorten weiter einzugrenzen, hat der Bundestag in dieser Woche eine Änderung des sogenannten Holzhandels-Sicherungs-Gesetzes beschlossen. Das deutsche Parlament setzt damit eine EU-Verordnung in nationales Recht um, die in wenigen Tagen in Kraft tritt. Sie gilt für importiertes Holz gleichermaßen wie für Inländisches und bezieht sich auch auf eine Vielzahl von verarbeiteten Erzeugnissen wie Vollholzprodukte, Fußböden und unbedrucktes Papier.

Eine kahlgerodete Fläche im brasilianischen Regenwald Foto: Wildlife (picture alliance)

Brasilianischer Regenwald: Nach der Rodung bleiben kahle Flächen zurück

Ziel des nun auch in Deutschland beschlossenen Gesetzes ist es, in der Europäischen Union die Vermarktung von illegal geschlagenem Holz zu verbieten. Dazu wird eine Informationspflicht über Art und Herkunft von Holz und bestimmten Erzeugnissen aus dem Rohstoff eingeführt, die es so bisher nicht gab. Bislang hatten Zollbehörden kaum Möglichkeiten, illegales Holz zu erkennen und so eine Einfuhr in die EU zu verhindern.

SPD stimmt gegen das Gesetz

Als einzige Fraktion im Bundestag haben die Sozialdemokraten gegen das Gesetz gestimmt. Ihnen gingen die darin festgelegten Strafen für den Handel mit illegal geschlagenem Holz nicht weit genug. Petra Crone, die für die SPD im zuständigen Agrarausschuss sitzt, spricht von einem Einknicken der Bundesregierung vor Lobbyisten.

Petra Crone, SPD, Mitglied des Bundestages Foto: Büro Petra Crone (DW Archiv)

Politikerin Crone: "Sanktionen gehen nicht weit genug"

"Der ursprünglichen Fassung des Gesetzentwurfes hätten wir ohne Weiteres zugestimmt", so Crone im Gespräch mit der Deutschen Welle. "Aber zwei Tage vor der Verabschiedung gab es dann plötzlich einen Änderungsantrag von CDU und FDP, und da sind ganz zentrale Bausteine des Gesetzes aufgeweicht worden."

Konkret gehe es darum, so Crone, dass die vorsätzliche Einfuhr von illegalem Holz nur noch eine Ordnungswidrigkeit ist. Strafrechtliche Verfolgung droht nur unter bestimmten Bedingungen. Durch die Entschärfung sei das Gesetz zu einem "zahnlosen Tiger" geworden.

Umweltverbände üben Kritik

Ähnliche Kritik äußern auch Umweltverbände. "Eine Ordnungswidrigkeit wird kaum einen Holzhändler davon abhalten, das lukrative Geschäft mit dem illegalen Holz endlich zu beenden", urteilt Andrea Cederquist von Greenpeace. "Dem Schutz der Wälder, der seltenen Tiere im Wald und den Menschen, die von nachhaltiger Waldwirtschaft leben könnten, dient diese Gesetzesänderung nicht."

Für Verbraucher war es bislang unmöglich festzustellen, ob ein gekauftes Produkt aus illegaler Holzgewinnung gefertigt wurde oder nicht. Irmgard Kahl von der Umweltschutzorganisation "Robin Wood" rät Verbrauchern deshalb, beim Kauf möglichst komplett auf exotische Hölzer zu verzichten: "Bei Möbeln und Fußböden gibt es ja durchaus europäische Hölzer, die man dafür verwenden kann."

Probleme mit Siegeln

Ein liegender Baumstamm mit FSC-Siegel Foto: Heribert Pröpper (AP)

Holz mit Zertifikat: FSC-Siegel an einem Baumstamm

Wie in vielen anderen Bereichen auch gibt es beim Holz Gütesiegel, die nachhaltigen Anbau bestätigen sollen. Am bekanntesten ist wohl das FSC-Siegel des Forest Stewarship Council, einer internationalen Zertifizierungsorganisation für Waldwirtschaft. Irmgard Kahl hält das Siegel nur für bedingt verlässlich. "Für heimische Hölzer ist das sicher schon recht gut", so Kahl im DW-Interview. Bei international gehandelten Hölzern sei Robin Wood jedoch auch beim FSC-Siegel eher skeptisch. So kritisiert die Umweltorganisation, dass Produkte das Siegel tragen, die aus riesigen Eukalyptus- und Kiefernmonokulturen in Ländern wie Brasilien oder Uruguay stammen - wodurch die Landbevölkerung verdrängt werde und große Mengen an Düngemittel und Pestiziden die Umwelt belasten.

Ab 3. März tritt die neue Gesetzgebung EU-weit in Kraft, die dem Handel mit illegal geschlagenem Holz Einhalt gebieten soll. Zumindest gibt es dann erstmals einen verbindlichen Rechtsrahmen in der gesamten Europäischen Union.