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Politik

Illegale Migration als Geschäft

Die Migrationsströme in und nach Europa sind facettenreich - Deutschland gilt als Ziel- und Durchreiseland, um sich von hier weiter nach Großbritannien und Nordamerika durchzuschlagen.

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Die EU versucht mit großem Aufwand die Flüchtlinge zu stoppen

Die Migrationswelle verändert sich ständig und unterliegt erheblichen Schwankungen, je nach politischer Großwetterlage und wirtschaftlichen Entwicklungen in den verschiedenen Regionen. So gibt es die Wohlstandsmigration aus Westeuropa in Richtung Spanien, wo sich aber auch gern Arbeitsmigranten aus Marokko, Polen, Rumänien, der Ukraine und aus Lateinamerika niederlassen. In den letzten Jahren ist Deutschland, in der Mitte Europas, ein bevorzugtes Ziel- und Transitland für illegale Migranten aus dem asiatischen Raum geworden. Migranten werden in aller Regel mit Hilfe von "Menschenschmugglern" von A nach B befördert. Aber diese Schmuggler haben nichts mit den Menschenhändlern gemein, die Frauen in die Prostitution zwingen und im Drogengeschäft zu Hause sind.

Grenzgänge in Osteuropa

Asylsuchende in der Ausländerbehörde in Hamburg

Asylsuchende in der Ausländerbehörde in Hamburg

Die "Festung Europa" hat nach der EU-Erweiterung ihre Grenzen nach Osten verschoben. Mit großem technischen, logistischen und finanziellen Aufwand versucht die EU, die Grenzen gegen unerwünschte Zuwanderer und Flüchtlinge zu sichern. Zugleich tragen Entwicklungsprojekte, Eingliederungsmaßnahmen und militärische Vorkehrungen zum Beispiel auf dem Balkan dazu bei, die Flüchtlingsströme nachhaltig einzudämmen und hiesige Flüchtlinge zur Rückkehr in ihre Heimat zu bewegen. Aber außerhalb dieser Grenzen toben Kriege: Tschetschenien, Georgien, Aserbaidschan, Nagorni Karabach, Armenien sind nur die nächstliegenden. In den weiter östlich liegenden zentralasiatischen Staaten der untergegangenen Sowjetunion bestehen Konfliktpotentiale, die jederzeit in gewalttätige Auseinandersetzungen ausarten können. Und Irak, Iran und Afghanistan liegen quasi in der Nachbarschaft.

So verwundert es nicht, dass immer mehr Tschetschenen und Kurden auf dem Weg in den Westen aufgegriffen werden, wobei die wahre Identität in vielen Fällen äußerst fragwürdig ist. In jüngerer Zeit hat sich das Migrantenprofil aber merklich nach Süd- und Ostasien verschoben, hin zu Chinesen und Indern. Doch diese Migranten benutzen Deutschland nicht als Zielland, sondern als Transitland, um sich von dort aus dann nach Großbritannien oder Nordamerika durchzuschlagen.

Ein globales Netzwerk

Flüchtlinge aus Libyen in Italien

Schleuser verstecken die Flüchtlinge in Boote, LKWs und Flugzeugen

Ein wichtiges Drehkreuz ist wegen der laxen Visumbestimmungen Moskau, wie Matthias Neske vom "European Forum for Migration Studies" in Bamberg betont. Er untersucht seit Jahren die internationalen Netzwerke der Menschenschmuggler: "Also nach Moskau kommen die meisten per Flugzeug und dann geht es über Land weiter. Das heißt, dass jeweils von einem Etappenziel zum anderen weitergeschleust wird, versteckt in LKW oder zu Fuß - zur Not auch über die grüne Grenze. Und das alles wird organisiert von lokal ansässigen Koordinatoren."

Diese Koordinatoren haben die selbe Ethnie wie die Geschleusten. Die Durchführungsaktion besorgen aber Einheimische: "Es ist noch nie vorgekommen, dass ein chinesischer Schleuser chinesische Geschleuste über die Oder gerudert hat. Dafür sind dann die Polen zuständig, die sich in der Gegend auskennen."

Das gelobte Land

Wieder illegale Einwanderer vor Spanien aufgegriffen

"Pionier-Schleuser" sind heute meist legal im gelobten Land

Die Schleuser-Netzwerke bestehen im Zielland und im Herkunftsland. Häufig koordinieren Landsleute dieses Netz, die in beiden Kulturen zu Hause sind. Sie gehören zumeist zu den "Pionier-Migranten", die vor vielen Jahren ohne fremde Hilfe Monate - in vielen Fällen auch Jahre - unterwegs waren, um das gelobte Land zu erreichen. Nun aber leben sie legal im Ziel- oder Transitland und sind zumeist im Gastronomie- und Im-Export-Bereich tätig. Und mit Hilfe dieses Netzwerkes versuchen sie, eigene Familienangehörige nachziehen zu lassen oder bieten anderen Migranten ihre Dienste gegen Bezahlung an. Dabei werden auch Anzahlungen akzeptiert, was ein hohes Maß an Vertrauen voraussetzt.

Und genau dieses Vertrauen und die finanziellen Voraussetzungen sind vorhanden, sie halten den Kreislauf der Schleusung in Gang. Matthias Neske sagt, dass im Allgemeinen Migranten nie zu den Ärmsten der Armen gehören, "es muss erst einmal das Wissen überhaupt vorhanden sein, in ein anderes Land gehen zu wollen. Der unternehmerische Geist muss da sein". Meist seien es Menschen aus der Mittelschicht, vor allem was China oder Indien anbelangt. Die meisten Schleuser sind selbst geschleust worden sind und benutzen die Kenntnisse aus dem Schleusungsprozess dann dafür, um weiter zu Geld zu kommen.

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