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Wirtschaft

ILA 2016: Weniger Show, mehr Geschäft

Auf der deutschen Luftfahrtmesse wird aufgeräumt. Zwar sollen immer noch 200 Fluggeräte über Berlin kreisen, die ILA geht aber auch neue Wege. Im Mittelpunkt steht deutsche Hochtechnologie, berichtet Sabine Kinkartz.

Es ist die bedeutendste Fachmesse der Luft- und Raumfahrtindustrie in Deutschland und auch international zählt die ILA Berlin Air Show neben dem Pariser Aerosalon Le Bourget und der Farnborough Air Show in England zu den großen und wichtigen Luft- und Raumfahrtmessen. Regelmäßig zieht die ILA rund 230.000 Besucher an. Trotzdem sahen die Veranstalter in diesem Jahr den Zeitpunkt gekommen, um die seit 1992 alle zwei Jahre stattfindende Messe neu auszurichten.

Kleiner und inhaltlich konzentrierter soll die ILA sein, die an diesem Mittwoch beginnt. Allein die Ausstellungsfläche unmittelbar neben der Großbaustelle des Hauptstadtflughafens Berlin-Brandenburg bleibt mit 250.000 Quadratmetern gleich. Nur noch vier statt sechs Tage Dauer, das hatten sich die Aussteller gewünscht, um die Kosten zu senken. 1017 Aussteller aus 37 Ländern präsentieren in diesem Jahr ihre Produkte auf der ILA. Vor zwei Jahren waren es noch 200 mehr, die aus 40 Ländern kamen.

Blick in die Zukunft

"Es gab sicherlich die Überlegung, so weiterzumachen wie bisher, analog zu Le Bourget und Farnborough", sagte Volker Thum, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie bei einem Messe-Rundgang mit dem brandenburgischen Ministerpräsidenten Dietmar Woidke kurz vor der Eröffnung der ILA. "Aber wir haben ganz klar gesagt, dass wir uns unterscheiden wollen, und zwar mit den Stärken, die Deutschland in diesem globalen Markt hat", so Thum.

Das seien Innovationen und High-Tech. "Es gibt in Deutschland eine hervorragende Verbindung von Universitäten, Hochschulen und dem deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt mit der Großindustrie und dem Mittelstand. Das wollen wir hier darstellen und den Besuchern zeigen, denn das ist unser Pfund, mit dem wir auf dem Weltmarkt wuchern", so der BDLI-Geschäftsführer.

Flugzeuge aus dem 3D-Drucker

Erstmals werden auch Startups, also junge und innovative Unternehmen dabei sein. Rund 140 hatten sich beworben, 50 von ihnen erhalten nun am 2. Juni die Chance, neue Ideen einzubringen und die Industrie für sich zu begeistern. In zahlreichen Konferenzen, Seminaren und Workshops wird über Themen und Trends wie Industrie 4.0 oder den 3D-Druck diskutiert.

Was mit dieser Technologie bereits möglich ist, zeigte die Airbus-Tochter Apworks kürzlich mit dem gedruckten Elektromotorrad. Airbus will auf der ILA einen nach dem 3D-Bauprinzip gestalteten Flugzeug-Prototyp präsentieren. Das vier Meter lange Projektflugzeug mit dem Namen Thor besteht aus rund 50 gedruckten Einzelteilen. Nur die beiden Motoren und die Steuerung sind konventionelle Technologie.

Elektromotorrad aus dem 3D-Drucker (Foto: dpa)

Ungemein stabil und nur 35 Kilogramm leicht: Das Motorrad aus dem 3D-Drucker

Weniger Sprit, weniger Lärm

Mit Innovationen wartet auch der Triebwerkshersteller MTU auf. Auf dem Messestand zeigt das Unternehmen mit dem "Getriebefan GTF" einen besonders sparsamen Antrieb. 15 Prozent weniger Kraftstoffverbrauch, das bedeutet auch 15 Prozent weniger CO2. Gravierend sei auch, dass der Lärm nahezu halbiert werde, sagt MTU-Pressesprecherin Martina Vollmuth. "Das ist eine völlig neue Triebwerksarchitektur, ein technologischer Quantensprung und es wird auch schon weitergeforscht, damit man das noch verbessern kann."

Zum ersten Mal auf der ILA ist Boeing vertreten. Der US-Konzern feiert in diesem Jahr sein 100-jähriges Jubiläum. Im Fokus der Messepräsentationen stehen innovative Technologien, die von Zulieferern in Deutschland und Europa gefertigt werden. Darunter das Modell einer treibstoffsparenden Flügelspitze der neuen Boeing 777X, für das Liebherr-Aerospace Lindenberg Komponenten entwickelt.

Drohnen am Himmel

Während dieses Exponat wie so viele andere am Boden bleibt, werden auf der ILA aber auch zahlreiche Fluggeräte in Aktion sein. Rund 200 Maschinen sind für das jeweils mehrstündige Flugprogramm angemeldet. Im zivilen Bereich führt Airbus die Linienmaschine A350 XWB vor, ein für Emirates fliegender A380 ist genauso zu sehen wie die A320neo. Den Großteil des Flugprogramms bestreiten Militärmaschinen aus Deutschland, Polen und den USA. Dazu gehört das umstrittene Transportflugzeug A400M genauso wie der Eurofighter und der Multifunktions-Tanker A330 MRTT.

Drohne vom Typ Heron (Foto: dpa)

Drohne vom Typ Heron auf der ILA

Besonderes Augenmerk liegt in diesem Jahr auf unbemannten Flugkörpern, pauschal oft als Drohnen bezeichnet. Dazu gehören die ferngesteuerten Aufklärungssysteme "Aladin", "Luna" und "Mikado" der Luftwaffe und die israelische Drohne Heron TP sowie die MQ-9 "Reaper" der U.S. Air Force, die mit Bomben und Luft-Boden-Raketen bewaffnet werden. Letztere hat eine Spannweite von 20 Metern.

Noch mehr Unwetter?

Im militärischen Bereich liefen die Geschäfte für die Luftfahrtindustrie in den letzten Jahren immer schlechter. Trotzdem ist der größte Aussteller auf der ILA die Bundeswehr. In der gut bewachten Halle sind aber nicht nur das Kampfflugzeug Eurofighter und ein Hubschrauber vom Typ Tiger zu sehen. Die Bundeswehr wirbt hier ganz bewusst mit einem Karrierezentrum um Personal. "Die Bundeswehr präsentiert sich hier als attraktiver Arbeitgeber, weil wir gerade im Bereich der Luftfahrzeuge unglaublich viele Möglichkeiten für technische Berufe bieten und vielen jungen Menschen attraktive Arbeitsplätze bieten können", sagt Stefan Kamp, Pressestabsoffizier bei der Luftwaffe.

700 Bundeswehr-Soldaten sind auf der Messe im Einsatz, darunter auch eine Reihe von Piloten, die vor allem auf gutes Wetter hoffen. Wegen der Unwetter in ganz Deutschland hatte es große Probleme schon mit den sogenannten Abnahme-Flügen gegeben, die Teil der strengen Sicherheitsvorkehrungen sind. Alle Piloten müssen ihr Programm erst vor einem Sicherheitsbeauftragten zeigen, ehe sie auch vor Publikum fliegen dürfen. Am Montag fehlten dafür aber die Fluggeräte. Während in Berlin noch die Sonne schien, steckten Eurofighter, Tankflugzeuge und der Militärtransporter A400M weit verstreut in Deutschland fest.

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