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Wirtschaft

ILA 2014: Endlich was los in Schönefeld

Berlins Hauptstadtflughafen bleibt verwaist. Betrieb herrscht am BER in diesen Tagen trotzdem: Bis Sonntag wird auf der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung ILA gezeigt, was am Himmel alles möglich ist.

Scheinbar aus dem Nichts sind sie aufgetaucht: Zwei Eurofighter und vier Tornados jagen lärmend durch die Luft. Sie sichern drei Kampfhubschrauber ab, aus denen sich Soldaten auf eine Wiese abseilen. Nach ein paar Minuten fliegt eine olivgrüne Transportmaschine ein, die die Soldaten wieder aufnimmt und dazu noch einen Jeep, der von rechts in die Szene gefahren ist.

"Willfire 2014" heißt das Manöver, mit dem sich die die Bundeswehr auf der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung in Berlin-Schönefeld den Zuschauern präsentiert.

ILA Berlin Bundeswehr Vorführung Willfire 2014

Ganz nah dran: Die Bundeswehr auf der ILA

Militärische Aussteller

haben einen Anteil von rund 30 Prozent auf der ILA. Zehn bis fünfzehn Prozent nimmt die Raumfahrt ein, der große Rest ist der zivilen Luftfahrt vorbehalten. "Die ILA ist eine der drei größten Luft- und Raumfahrtmessen der Welt", sagt ILA-Direktor Stefan Grave. Hervorzuheben sei vor allem das Raumfahrt-Segment. "Das wird auf den anderen Messen im französischen Le Bourget und dem britischen Farnborough in dem Maße nicht gezeigt."

Reden über Russland

Herzstück des Raumfahrtauftritts ist die Halle 4, in der sich der 1.500 Quadratmeter große Space Pavilion befindet. Gleich im Eingangsbereich hängt ein Modell des Telekommunikationssatelliten Alphasat in Originalgröße, gleich daneben finden sich Modelle von Trägerraketen und eine Darstellung der Erdbeobachtung aus dem All.

Die Europäische Weltraumorganisation ESA ist hier genauso präsent wie die

Industrie

. "Wir präsentieren hier alle wesentlichen europäischen und deutschen Raumfahrtprogramme in einem Auftritt: alle wichtigen Satellitenprogramme, alle wichtigen Technologien für den Zugang zum All, also auch die Raketentechnologie und wir präsentieren natürlich auch die Erforschung des Weltalls und die Internationale Raumfahrtstation ISS und zukunftsweisende Programme", erklärt Stefan Hess vom Bundesverband der Luft- und Raumfahrtindustrie.

Aus dem

gemeinsamen Betrieb der ISS will sich Russland ab 2020

bekanntlich verabschieden. Ein Thema, das auf der ILA für Gesprächsstoff sorgen dürfte. "Das ist für uns in der Industrie ein Thema, das die Politik lösen und klären muss", fordert Hess. "Wir haben über viele Jahre mit Russland im Bereich der Luft- und Raumfahrt zusammengearbeitet und wir haben natürlich die Hoffnung, dass man dort eine tragfähige Lösung für die Zukunft entwickelt."

ILA Berlin Dietmar Woidke

Pressewirksame Auftritte: Brandenburgs MP Woidke besuchte die ILA noch vor der offiziellen Eröffnung

Eine Erwartung, die die Industrie allen Politikern mit auf den Weg geben will, die die ILA besuchen. Das sind eine ganze Reihe, angeführt von der Bundeskanzlerin und einigen ihrer Minister.

Leistungsschau statt Order-Messe

Sechs Tage dauert die Leistungsschau, auf der rund 1.200 Aussteller aus 40 Ländern zeigen, wozu Spitzentechnologie und High-Tech-Produkte inzwischen in der Lage sind. 300 Fluggeräte sind für Vorführungen angemeldet. Insgesamt rechnet ILA-Direktor Grave mit mehr als 200.000 Besuchern, von denen über die Hälfte als Fachbesucher aus dem In- und Ausland anreisen.

Einkaufslisten haben sie jedoch nicht dabei. Luft- und Raumfahrtmessen seien keine Ordermessen, wie man das aus dem Bereich der Mode- oder Konsumgüterindustrie kenne, sagt Grave, sondern es seien politische Plattformen, auf denen Kontakte geknüpft werden.

ILA Berlin 2014 Drohne Heron 1

Umstrittene Exponate: Auch Drohnen sind auf der ILA ausgestellt

"Natürlich wird hier gezeigt, was die Flugzeuge können und welche Fähigkeiten sie haben, aber es ist nicht so, dass hier der Vertreter einer Airline, ein Scheich beispielsweise, kommt und sagt, packen sie mir mal drei A380 ein und dann nehme ich noch eine A350 mit dazu und dann sagen sie mir mal, welchen Rabatt ich bekomme." Was nicht heißen soll, dass auf der ILA keine Geschäfte angebahnt, oder spektakuläre Abschlüsse verkündet werden.

A350 hat nur einen kurzen Auftritt

Als größter industrieller Aussteller präsentiert sich

Airbus

. Das Unternehmen hat neben seinem Militärtransporter A400M auch das neueste Modell in der zivilen Flotte, die A350 im Gepäck. Die schaut allerdings nur kurz in Schönefeld vorbei. "Leider nicht in dem zeitlichen Umfang, wie wir uns das wünschen würden", bedauert Wolfram Cornelius, der Leiter des Flugprogramms auf der ILA, "aber da sich die Maschine im Zulassungsprozess befindet ist es dem Hersteller nicht möglich gewesen, die A350 während der gesamten ILA zur Verfügung zu stellen."

Wenn die Messe am Wochenende für das breite Publikum öffnet, wird der jüngste Spross der Airbus-Familie schon wieder abgehoben haben. Dafür sind in den ILA-Hallen zahlreiche Bauteile des Langstreckenfliegers zu bewundern. Wer in der Nähe eines Flughafens wohnt, dürfte sich vor allem für die neueste Triebwerkstechnologie interessieren. Fündig wird man am Stand des Münchener Triebswerksspezialisten MTU.

ILA Berlin Triebwerk von MTU

Airbus verbaut die Flüster-Triebwerke von MTU im A320 neo

Gehört die Zukunft dem Elektro-Flieger?

Dort steht Hansjoachim Mauch vor einem PW1500G-Getriebefan-Triebwerk und lobt dessen "hervorragende" technische Daten. Der Kerosinverbrauch und der CO2-Ausstoß seien um 15 Prozent reduziert, die Lärmemission um zehn Prozent. "Das entspricht einer Halbierung der subjektiven Lärmwahrnehmung", betont Mauch. "Das sind beispiellose Werte und die MTU und unser Partner Pratt & Whitney, wir sind im Moment die einzigen, die diese Technologie entwickelt haben, bauen und im nächsten Jahr in den Markt ausliefern werden."

Effizienteres Fliegen, leisere Turbinen, neue Werkstoffe und Antriebe sind ein großes Thema auf der ILA. Wohin die Reise gehen könnte, zeigt ein Elektroflugzeug, das von Airbus vorgestellt wird. Allerdings transportiert die "E-Fan" bislang nur zwei Personen. In diesem Segment ist also noch viel Entwicklungsarbeit nötig. Als Schulungsflugzeug für Nachwuchspiloten könnte der Elektroflieger aber demnächst schon eingesetzt werden.

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