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Kultur

"Il Divo - Der Göttliche"

Neunundzwanzig Mal wurde er angeklagt und ebenso oft freigesprochen: Giulio Andreotti - Italiens schillerndster Nachkriegspolitiker. Regisseur Paolo Sorrentino hat eine untypische Biografie über ihn gedreht.

Filmszene: Giulio Andreotti (Toni Servillo / Mitte) auf dem Weg ins den Gerichtssaal, in Begleitung von Polizisten (Foto: picture-alliance/dpa)

Filmszene: Giulio Andreotti (Toni Servillo / Mitte) auf dem Weg ins den Gerichtssaal

Giulio Andreotti ist ein Mann ohne besondere Eigenschaften und eher durchschnittlich als charismatisch. Doch der 90-jährige hat eine ungewöhnliche Karriere hinter sich. Er war Regierungschef, Außenminister und prägte jahrzehntelange die Politik der Vor-Berlusconi-Ära. Er galt als machtbesessener und listiger Politiker, dem Mordkomplotte, Korruption und immer wieder die Nähe zur Mafia nachgesagt wurden.

Bewusste Ambivalenz

"Il Divo" ist kein wütender Politfilm: Fast unterkühlt zeigt Paolo Sorrentino den Mann, dem Macht alles bedeutet und der sich wie auf einer großen Bühne bewegt. So zeigt Sorrentino oft leere luxuriöse Innenräume in der Totalen. Dazwischen gleitet ein kleines Männchen über das spiegelglatte und rutschige Parkett. Genau dort kann der uncharismatische Andreotti brillieren, und wenn er einmal ausrutscht, dann fängt er sich auch wieder.

Porträt des Regisseurs Paolo Sorrentino (Foto: picture-alliance/dpa)

Regisseur Paolo Sorrentino

"Il Divo" arbeitet stark mit der Stilisierung als ästhetisches und entlarvendes Mittel, besonders dann, "wenn es um Privates geht oder auch um die Inszenierung der Macht", sagt Regisseur Paolo Sorrentino. In den erzählerischen Passagen, die etwa von den Gerichtsprozessen berichten, wird der Stil realistischer, ja fast dokumentarisch.

Dem Phänomen Andreotti gerecht werden

Ästhetisch ist der Film von Paolo Sorrentino komplex und manchmal verwirrend. Mal arbeitet der Regisseur mit klassischer Musik und langen Einstellungen. Dann wieder ändert er mit lauter Rockmusik den Rhythmus und komponiert schnell geschnittene Bildfolgen. Sorrentino nimmt in Kauf, dass der Zuschauer irritiert zurückbleibt, der Zwiespalt ist meisterhaft inszeniert.

"Il Divo" soll weder eine Kritik an Andreotti sein, noch soll er seine Fähigkeiten übermäßig loben, sagt Regisseur Sorrentino."Wenn man einen ehrlichen Film über einen Menschen dreht, muss man ihn in all seinem Facettenreichtum zeigen." Es gelte die positiven und die negativen Seiten zu zeigen, und dann gebe es ja auch noch "die Möglichkeit, mit Ironie zu arbeiten."

Andreotti kann den Film nicht leiden

Giulio Andreotti reagierte eher verärgert über den Film. Zu sehr ist es dem Regisseur offenbar gelungen, dem Politiker seine geheimnisvolle Aura zu nehmen. Auf der Leinwand wird er oft als einsamer, fast zwergenhafter Mensch dargestellt, der sich wie ein Vampir im Dunkel der Städte und Innenräume bewegt. Am Ende hat man einen Film gesehen, der den Betrachter perplex zurück lässt und der dabei doch irgendwie noch lange nachwirkt.

Autor: Jörg Taszman
Redaktion: Petra Lambeck