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Nahost

IKRK: "Wir werden nicht auf eine Waffenpause im Jemen warten"

Ob auf dem Luft-, Land- oder Seeweg: Das Internationale Rote Kreuz (IKRK) will den Menschen im Jemen helfen. Doch die Helfer stehen nicht nur vor logistischen Herausforderungen, sagt Sprecherin Sitara Jabeen.

DW: Sie sollen die Genehmigung erhalten haben, Hilfsgüter mit dem Flugzeug nach Sanaa zu bringen. Ein Schiff, das nach Aden soll, hat diese Genehmigung noch nicht erhalten. Zwei Konvois des Internationalen Roten Kreuzes (IKRK) sollen allerdings schon dort sein. Ist das der Stand der Dinge?

Sitara Jabeen: Die Konvois konnten noch nicht nach Aden reinfahren. Wir haben derzeit nur die Erlaubnis der von Saudi-Arabien angeführten Koalition, mit zwei Flugzeugen in Sanaa zu landen. Eines ist ein kleines Passagierflugzeug, mit dem wir unsere Mitarbeiter gestern von Dschibuti nach Sanaa gebracht haben. Das andere Flugzeug enthält die medizinischen Hilfsgüter. Es war nicht einfach, ein Luftfracht-Flugzeug zu finden, das nach Sanaa fliegen will beziehungsweise darf. Letztendlich haben wir es geregelt. Es wird noch am heutigen Dienstag in Jordanien mit 16,4 Tonnen medizinischen Materials beladen. Die Krankenhäuser brauchen dringend Medikamente. Wir erwarten, dass das Flugzeug morgen in Sanaa landen wird.

Also konnte das Internationale Rote Kreuz noch nicht nach Aden?

Die Situation in Aden ist sehr schwierig. Wir haben große Sicherheitsbedenken, weil die Gefechte unvermindert weitergehen. Der Konflikt im Land ist immer größer geworden, aber Aden ist am stärksten betroffen. Dort kommt es auch zu Luftschlägen. Dutzende Menschen sterben täglich, viele werden verwundet. In so einer Situation müssen wir den Moment abpassen, an dem es für humanitäre Helfer möglich ist, dort zu arbeiten. Wir warten zudem auf die Freigabe von allen beteiligten Konfliktparteien für das Schiff: Noch dürfen wir mit den Hilfsgütern nicht in Aden anlegen. Erst einmal hoffen wir aber, dass wir das Material nach Sanaa bringen können. Damit könnten wir bis zu 1500 Menschen helfen.

Sitara Jabeen (Foto: IKRK)

Sitara Jabeen ist Sprecherin beim IKRK in der Schweiz

Sie sagen, Sie warten auf die Freigabe durch die verschiedenen Kriegsparteien. Sind Sie als Hilfsorganisation in Kontakt mit den jemenitischen Parteien und der von Saudi-Arabien geführten Koalition?

Ja, wir stehen mit allen Parteien in Kontakt. Wir brauchen Genehmigungen von allen, weil wir damit auch Sicherheitsgarantien von allen Konfliktparteien bekommen. Nur so können unsere Mitarbeiter vor Ort sicher ihre Arbeit verrichten. In der vergangenen Woche wurden drei unserer jemenitischen Kollegen erschossen. Wir brauchen die Freigabe von allen Parteien für unser Schiff, aber eben auch für die Sicherheit unserer Mitarbeiter.

Ihr Kollege Robert Mardini nennt Aden derzeit eine "Geisterstadt". Wie würden Sie die humanitäre Lage im Jemen beschreiben?

Die humanitäre Lage im Jemen ist prekär. Die Menschen können ihre Häuser aufgrund der schweren Gefechte nicht verlassen und sind somit abgeschnitten von jeglicher Hilfe, die sie benötigen. Daher haben wir vom Internationalen Roten Kreuz um eine 24-stündige humanitäre Feuerpause gebeten, die leider bis dato noch nicht stattgefunden hat. Dabei ist es so wichtig, denn die Menschen müssen atmen können. Sie müssen die Möglichkeit bekommen, sich mit dem Nötigsten einzudecken. Wir bereiten aber bereits ein zweites Flugzeug mit einer Ladung von 32 Tonnen Material vor. Wir werden nicht nur Medikamente, sondern auch Generatoren und Stoffe nach Sanaa bringen, die man braucht, um Wasserleitungen zu reparieren. In vielen Gegenden des Jemen gibt es weder Strom noch Wasser.

Sollte das Flugzeug am Mittwoch kommen, was werden die ersten Schritte sein, die die Mitarbeiter vom IKRK unternehmen?

Unser Ziel ist es, die Medikamente und die medizinischen Materialien so schnell wie möglich an die Krankenhäuser zu verteilen. Wir hoffen, dass wir das schnell und auch sicher tun können. Zeitgleich werden unsere Mitarbeiter hoffentlich den Menschen auch in anderen Bereichen Unterstützung zukommen lassen können. Wir haben 250 Mitarbeiter im Jemen, die alle sehr nah an den Menschen dran sind.

Werden Sie denn die Medikamente auch ohne eine Feuerpause an die Krankenhäuser verteilen?

Bis jetzt haben wir lediglich die Genehmigung, die Hilfsgüter nach Sanaa zu bringen. Eine Waffenpause hat noch niemand zugesagt. Sobald es die Situation erlaubt, werden unsere Mitarbeiter mit der Verteilung an die Krankenhäuser beginnen. Wir koordinieren unsere Wege und Routen mit den Konfliktparteien, aber wir werden nicht auf eine Waffenpause warten, um den Menschen zu helfen. Das können wir den Menschen nicht antun.

Sitara Jabeen ist Pressesprecherin des Internationalen Roten Kreuzes für den Nahen Osten.