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Europa

IKRK: "Wir tun alles, um neutral zu bleiben"

Das Internationale Rote Kreuz hat sich bereit erklärt, die Hilfe für die Ostukraine zu koordinieren. Nun gibt es Meldungen über Konvois unter russischer Leitung. Andre Loersch, Sprecher des IKRK, zeigt sich überrascht.

Herr Loersch, alle Konfliktparteien scheinen sich mittlerweile zumindest darin einig zu sein, dass es humanitäre Hilfe für die Zivilbevölkerung geben muss - und dass das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) sie koordinieren soll. Gestern schien es ja so, als sei man sich einig geworden, jetzt gibt es etwas verwirrende Nachrichten über einen russischen Konvoi mit 280 Lastwagen mit Hilfsgütern: Was wissen Sie darüber?

Andre Loersch: Es gab in der Tat eine grundsätzliche Einigung zwischen allen Seiten darüber, dass Russland mit Hilfe des IKRK Hilfsgüter in die Ukraine liefert. Diese sollten dem IKRK übergeben werden, damit wir sie in Eigenregie verteilen können. Wir haben dann versucht, von der russischen Regierung eine konkrete Liste der Hilfsgüter zu bekommen, die sie uns zur Verfügung stellen können, seien es Medikamente, Nahrungsmittel oder andere Dinge - aber wir haben sie bis jetzt nicht erhalten. Deshalb waren wir sehr überrascht, als uns die Nachricht erreichte, dass es Hilfskonvois aus Russland geben soll.

Diese Meldungen haben alles wieder durcheinandergebracht: Jetzt müssen wir uns erst einmal Gewissheit über die Lage verschaffen. Es gibt im Moment so viele unterschiedliche Meldungen, auch in den russischen Medien, und es ist schwierig, dass alles richtig einzuordnen.

Andre Loersch, Sprecher des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes Foto: ICRC

Auf der Suche nach Gewissheit: IKRK-Sprecher Andre Loersch

Es gab heute früh auch ein Telefongespräch zwischen dem Präsidenten des IKRK und dem ukrainischen Präsidenten Poroschenko. Wir sind noch immer mit den ukrainischen Behörden im Gespräch, um zu klären, was im Moment überhaupt passiert.

Welche Bedingungen müssen denn erfüllt sein, damit Sie mit Ihrer Hilfsmission beginnen können?

Wir arbeiten ja jetzt schon in der Ukraine, auch im Osten, und leisten dort humanitäre Hilfe. Wir stellen unter anderem Medikamente in der Region Donbas zur Verfügung, zum Beispiel in Charkiw und Mariupol, oder liefern Nahrungsmittel und Hygieneartikel.

Die Voraussetzung für uns, um an dieser neuen Mission mitzuwirken, bei der die Lieferungen von Russland kommen, ist, dass die Hilfsgüter an uns übergeben werden, damit wir sie prüfen können. In diesem Fall sollte die Übergabe an einem offiziellen Punkt an der ukrainischen Grenze stattfinden. Es geht darum, dass wir selbst die Bedürftigen identifizieren und entsprechend verteilen, damit wir unabhängig bleiben und nach unseren üblichen Kriterien verfahren können.

Sie sprachen gerade davon, wie wichtig es ist, in diesem Konflikt neutral zu bleiben. Wie können Sie es denn vermeiden, einer der beiden Seiten zu nutzen oder gar Teil einer Propaganda zu werden?

Das war für uns ein ganz wichtiger Bestandteil der Verhandlungen, die wir mit beiden Seiten geführt haben. Wir tun wirklich alles, um neutral zu bleiben, und ich kann nur hoffen, dass wir uns weiterhin von niemandem in irgendeinen Konflikt hineinziehen lassen - das gilt für alle Seiten, und das gilt auch nicht nur in der Ukraine. Wir müssen darauf bestehen. Denn wenn wir diese Unabhängigkeit verlieren, dann können wir überhaupt nicht mehr arbeiten, weil wir für die Menschen, die unsere Hilfe brauchen, jede Glaubwürdigkeit verlieren.

Das Gespräch führte Jeanette Seiffert.

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