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Filme

Ikarus in Kasachstan

Der Filmemacher Veit Helmer hat ein Faible für seltsame Geschichten in seltsamen Ländern. Sein neuer Film Baikonur handelt von einem kasachischen Dort, in dem die Menschen Weltraumschrott sammeln. Ein Set-Besuch.

Rakete in Baikonur (Foto; ESA)

So manches lassen sie fallen

Als Kasachstan noch kein selbstständiges Land war, sondern nur ein Teil der weiten Sowjetunion, da war das kasachische Städtchen Baikonur ein großes Geheimnis. So geheim, dass der Ort jahrzehntelang auf den Landkarten falsch eingezeichnet wurde. Denn in Baikonur startete der Ruhm der Sowjetunion, die Raketen, die den Amerikanern anfangs ja so weit überlegen waren. Eine Legendengegend.

Veit Helmer (Foto: dpa)

Veit Helmer liebt das Bizarre

In so einer Gegend dreht der Berliner Filmemacher Veit Helmer derzeit seinen aktuellen Film. Mitten in der Steppe hat er dafür ein pittoreskes Dorf aus Weltraumschrott gebaut. "Baikonur" ist die Geschichte von einem Dorf, indem die Menschen Weltraumschrott sammeln. In einer Jurte seines Filmdorfes erzählt er, worum es in seinem neuen Werk genau geht. "Da gibt es einen jungen Mann, der per Funkgerät ab hört, wann die Raketen starten, der rechnet dann aus, wo die ersten Tanks nach 60 Sekunden in die Steppe herunter fallen." Manchmal kommen auch die ganzen Raumkapseln in der Nähe des Dorfes runter. "Der junge Mann in meinem Film heißt Gagarin, denn er träumt davon ins All zu fliegen, der findet dann eine abgestürzte französische Weltraumtouristin. Die ist leider im Koma und er nimmt sie mit in seine Jurte und versucht sie wachzukriegen".

Sexstreik in Absurdistan

Veit Helmer ist ein Freund derart bizarrer Geschichten. Mit versponnen, surrealen Filmmärchen hat er sich einen Namen gemacht. "Tuvalu" zum Beispiel spielt in einem verfallenen Schwimmbad, in „Absurdistan“ geht es um einen Sextsreik – auch dieser Film spielt in einem Dorf in Zentralasien. Er ist ein Filmbesessener, der schon mit 14 seinen ersten Film mit einer Super 8 Kamera gedreht.

Szene Tuvalu (Foto: AP)

Kapitän im Schwimmbad: Tuvalu

Der Drehort von "Baikonur" liegt mitten in der Steppe. Das Team ist in der Kleinstadt Kapchugai untergebracht, etwa 80 Kilometer von der kasachischen Hauptstadt Almaty entfernt. In der Nähe liegt ein riesiger, künstlicher See, im Sommer Badeort für geplagte Großstädter. Eine typisch sowjetische Stadt mit breiten Magistralen. Und wenn man Kapchugai verlässt und noch einmal eine halbe Stunde auf einer Schlaglochpiste unterwegs ist, sieht man links und rechts nichts als Steppe, keine Dörfer, keine Menschen.

Abstürzende Weltraumtouristen

2004 kam Veit Helmer auf Einladung des Goethe Instituts zum ersten Mal nach Kasachstan und drehte mit Filmstudenten einen Kurzfilm. Vor drei Jahren hat ihn der Autor Sergej Ashkenazi dann gefragt, ob er mit ihm zusammen ein Drehbuch entwickeln wolle. "Da hatte ich diese Idee im Kopf, mal einen Film auf der Weltraumstation Baikonur zu drehen. Wir haben dann recherchiert und sind auf so abstruse Dinge gestoßen. Dass Kapseln manchmal verloren gehen, dass man sich für 20 Millionen eine Woche Urlaub im All kaufen. All das war dann eigentlich schon genug, um die Geschichte zu entwickeln, dass so eine Touristin in der Steppe verloren geht."

Szene Absurdistan (Foto: AP)

Auch Absurdistan spielt in einem asiatischen Dorf

Diese weibliche Hauptrolle spielt Marie de Villepin, die Tochter des ehemaligen, französischen Premierministers Dominique de Villepin, die als Model arbeitet. Den jungen Kasachen Gagarin, der sich in sie verliebt, spielt der erst 20-jährige Alexander Asoschakow. Er wuchs in einem russischen Dorf in Asien auf und verkörpert etwas Liebenswertes, Unschuldiges. Über seinen Regisseur Veit Helmer sagt der junge Mann, der in Petersburg an die Schauspielschule fast nur positives. "Veit ist sehr spannend, voller Energie ein wenig nervös, aber nur ein bisschen. Veit ist sehr unkompliziert und ich verstehe soweit alles, was Veit von mir verlangt."

Gedreht wird auf Russisch und Englisch, das Team ist international. So hat Veit Helmer Deutsche, Kasachen, Georgier, Russen, eine Französin und ihre japanische Maskenbildnerin um sich geschart. In genau einem Jahr kommt der Film dann in die deutschen Kinos. Man darf gespannt sein. Die Dreharbeiten begannen vielversprechend.

Autor: Jörg Taszmann

Redaktion: Manfred Götzke

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