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Kultur

"Ihren Ausweis bitte"

Die britische Regierung möchte Personalausweise einführen. In anderen Ländern sind sie eine notwendige Selbstverständlichkeit, in England Symbol eines Obrigkeitsstaats. Ein Blick auf die europäische Bürokratiekultur.

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Hier alltäglich, dort verhasst: der Personalausweis

Die Szene spielt in einer Bank irgendwo in England. Der Kunde möchte eine größere Summe Geld abheben. Grübelnd vergleicht der Kassierer das hingeschmierte Kürzel mit der Referenzunterschrift. Im Zweifelsfall fragt er aber allenfalls: "Kennt Sie vielleicht irgend jemand bei uns?". Personalausweise oder gar eine Meldepflicht gibt es in Großbritannien nicht. Wer seine Identität nachweisen muss und keinen Reisepass oder Führerschein besitzt – letzterer ist erst seit kurzem mit Bild versehen –, zeigt einfach die Stromrechnung mit seiner Anschrift vor.

Schon die Frage nach einem Ausweisdokument ist verpönt. Britische Polizisten dürfen Passanten nur dann nach einem Identitätsnachweis fragen, wenn begründeter Verdacht auf eine Straftat besteht. Auch beim Gang zur Urne reicht die Vorlage der Wahlbenachrichtigung. "Identity Cards" wurden zwar während des Zweiten Weltkriegs eingeführt, um deutsche Spione leichter fangen und um das Bezugsscheinsystem für Nahrungsmittel besser kontrollieren zu können. Doch in Friedenszeiten verschwanden die Kennkarten flugs wieder in der Schublade.

Angst vor dem Spionagestaat

Biometrie

Innenminister David Blunkett möchte dies nun ändern. Ob die "ID Card" einfach nur ein Bild und Geburtsdatum sowie die Anschrift, oder zudem Fingerabdruck und andere biometrische Daten enthalten wird, ist noch offen. Viele Untertanen ihrer Majestät sind "not amused" über so einen Eingriff in ihre Persönlichkeitsrechte. Im Lichte möglicher Terroranschläge, illegaler Einwanderung und dem Missbrauch des Sozialsystems scheint zwar eine Mehrheit die Einführung der Ausweise zu befürworten, doch muss Blunkett mit Widerstand in Parlament und Kabinett rechnen.

In Spanien dagegen geht ohne das "Documento Nacional de Identidad" (DNI) gar nichts. Die Ausweisnummer ist zugleich die Kennziffer von Reisepass und Führerschein, sowie die Steuernummer. Kein Bankkonto, kein Telefon, keine Wohnung oder keine Heirat ohne diese Zahlenkolonne. Sogar die Kindergärten fragen die Eltern nach der DNI-Nummer. Wer keine Kennzahl hat, der existiert für die Behörden gar nicht. Die Iberier selbst finden nichts dabei. Engländer haben laut "Independent" für diese "staatliche Ausspionage" nur ein Kopfschütteln übrig. Doch ausgerechnet auf der Insel stehen unzählige Polizeikameras, die öffentliche Plätze und Straßen rund um die Uhr filmen. An den elektronischen Überwachungsaugen à la "Big Brother" stoßen sich aber nur wenige.

Verwirrung beim Bierkauf

Kauft ein Schwede im Auslandsurlaub einen Korb voll Bier, so kann er an der Kasse mit der eilfertigen Frage "Do you want to see my leg?" erhebliche Verwirrung stiften. Gemeint ist mit "leg" nicht das Bein, sondern der Personalausweis, die Legitimation. Diese ist unerlässlich, wenn sich Schweden mit Alkoholika und Rauchwaren am Kiosk um die Ecke eindecken wollen. Bei der Reise ins Ausland lauert aber mehr als nur ein Verständigungsproblem. Die Karte gibt’s nämlich ganz unbürokratisch bei der Post und das ist der Brüsseler Bürokratiemaschinerie nicht offiziell genug. Der Ausweis ist zwar fälschungssicherer als so mancher Reisepass anderer EU-Nationen, doch was die Post ausstellt, kann nach Brüsseler Meinung kein ordentliches Dokument sein. Für Reisen durch Europa brauchen die Schweden dann doch den Pass.

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