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Spurensuche

„Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen“ (Apg 1,8)

Wer redet heute noch vom Heiligen Geist? Dr. Christine Hober tut es und beschreibt ihn als sinnlich erfahrbare, dynamische Kraft, ein belebender Geist, der von Zwängen befreit, die Denken und Handeln blockieren.

Seit Wochen habe ich Rückenschmerzen, trotz Sport, trotz vieler Spaziergänge mit dem Hund, trotz Wärmflasche und Sportsalbe. Die helle Atmosphäre in der Praxis wirkt entspannend. Bevor mein schmerzender Rücken mit Neuralinjektionen, Schröpfmassage und Heilsalbe bearbeitet wird, beginnt mein Heilpraktiker mit einer Lektion zur Mobilisierung der Selbstheilungskräfte: „Sie wissen doch: wir haben den Heiligen Geist bekommen, wir müssen ihn nur nutzen...“ Dass ausgerechnet er mich auf das Wirken des Heiligen Geistes hinweist, erstaunt mich und ich überlege angestrengt, was der Heilige Geist mit meinen Rückenschmerzen zu tun haben soll…  

 

Überhaupt – wer redet heute noch vom Heiligen Geist? Dass die Sendung des Heiligen Geistes an Pfingsten, einem der wichtigsten Kirchenfeste neben Weihnachten und Ostern gefeiert wird, wissen nur noch wenige. Zu unverständlich und abstrakt und viel zu theologisch scheint die Rede vom Heiligen Geist. Dabei war das Kommen des Geistes, wie es die Apostelgeschichte beschreibt, alles andere als abstrakt. Es war wie ein Naturereignis, das plötzlich über die Apostel hereinbrach und das sie und die Menschen um sie herum nachhaltig veränderte:

 

„Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren. Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab“ (Apg 2,1-4).

 

Sinnlich erfahrbar

 

Der Heilige Geist wird hier als sinnlich erfahrbar und höchst dynamisch beschrieben, als eine Macht, der man sich nicht entziehen kann. Dieser Geist ist alles andere als abstrakt. Er ist ein lebendiger und belebender Geist. Das klingt auch noch in der Urbedeutung des Wortes „Geist“ mit: Geist im ursprünglichen Sinn ist bewegte Luft, Wind, Hauch oder Atem und damit etwas, was einer elementaren menschlichen Erfahrung entspricht: ob jemand atmet oder nicht atmet, ist ein Zeichen dafür, ob er tot oder lebendig ist.

 

Als „Lebensgeist“ ist der Heilige Geist ganz nah an der Wirklichkeit der Menschen – so schildert es die Apostelgeschichte. Bevor er auf spektakuläre Weise von den Aposteln Besitz ergreift, bieten die ehemaligen Jünger Jesu einen traurigen Anblick. Nach Jesu Himmelfahrt sind sie zunächst verunsichert und fühlen sich alleingelassen. Sie versammeln sich mit Maria und den Brüdern Jesu in Jerusalem zum Gebet – in der Hoffnung auf das, was der auferstandene Jesus ihnen beim Abschied versprochen hatte: „Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen“ (Apg 1,8) Dann reißt das Brausen und Stürmen des Geistes sie aus ihrer Lethargie. Sie verlassen den geschützten Raum der Gemeinschaft und gehen hinaus zu den anderen Menschen, um später aufzubrechen und die heilbringende Botschaft Jesu über die Grenzen Israels hinaus zu verkünden. Endlich sind die Apostel fähig, ohne Angst den Auftrag Jesu zu leben, denn jetzt wissen sie, dass der Heilige Geist als Beistand an ihrer Seite ist.

 

Mit Jesus und Gott verbunden

 

Diesen Beistand brauchen wir heute genauso dringend wie damals die Apostel Jesu. Denn deren unwiederholbare Erfahrung des Geistes war mehr als nur ein spektakuläres Ereignis: es war wie eine Initialzündung, die bei den Aposteln Blockaden gelöst und sie aus ihren eingefahrenen Perspektiven befreit hat. Die Verbindung des eigenen Atems mit dem Atem-Wind des Geistes hat die Apostel wieder mit Jesus und mit Gott verbunden. Diese Verbindung ist für uns heute genauso lebenswichtig wie für die Menschen damals. Auch wir sind in vielen Zwängen gefangen, und oft lässt uns das Leben mit seinen komplexen Herausforderungen nicht zur Ruhe kommen, blockiert unser Denken und Handeln – oder unseren Körper. In diesem Zusammenhang – das habe ich auf der Rückfahrt von der Praxis meines Heilpraktikers begriffen – sind offensichtlich auch meine Rückenschmerzen zu sehen...

 

Bildunterzeile/Fotorechte

So manche Zwänge blockieren unser Denken und Handeln: der Heilige Geist kann uns von ihnen befreien, damit wir als Erlöste von Gott Zeugnis geben.   Foto: Rainer Sturm/pixelio.de


 

Christine Hober, Dr. theol., arbeitet als Lektorin und Autorin. Sie lebt in Bonn, ist verheiratet und hat zwei Kinder.