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Ostmitteleuropa

"Ihr Tschechen seid uns ein Beispiel"

– Kubanischer Dissident Paya in Tschechien

Prag, 23.1.2003, RADIO PRAG, deutsch, Dagmar Keberlova

Die Kubaner wollen nicht warten, bis Castro stirbt oder bis sein Regime langsam zu demokratischen Veränderungen übergeht. Dies war die Botschaft, mit der einer der bekanntesten kubanischen Dissidenten nach Prag gekommen ist.

Die tschechische politische Szene unterstützt seit Jahren die kubanische Opposition, so auch Präsident Vaclav Havel, der Oswaldo Paya sogar für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen hatte. Paya, der einer der Initiatoren des Varela-Projektes ist, das für die Ausschreibung eines Referendums über die Zukunft des Landes kämpft, sprach bei seinem Besuch über die Veränderungen, die sich in der kubanischen Gesellschaft zeigen:

"Die Regierung Kubas hat sich immer repressiv verhalten. Aber zum ersten Mal sieht man, dass das Volk die Veränderungen in seinen Händen hat. Zum ersten Mal verlieren Tausende von Bürgern die Angst und verlangen ihre Rechte sowie friedliche Veränderungen. Das Regime antwortet bis jetzt nur mit Gewalt. Aber zum ersten Mal gibt es in Kuba wieder Hoffnung."

Paya sagte zu Vaclav Havel, der ihn auf der Prager Burg empfangen hatte, dass dieser für die Kubaner immer "ein Licht im Dunklen war sowie ein Symbol von Hoffnung". Tschechien und die Veränderungen im Lande nach 1989 seien Paya zufolge ein Beispiel des friedlichen Falles eines totalitären Regimes. Auf die Frage eines Journalisten zu den kürzlich abgehaltenen Wahlen auf Kuba antwortete Paya:

"Haben Sie die Prozesse, die sich in der damaligen Tschechoslowakei vor 1989 abspielten, Wahlen genannt? Hätten Sie es Wahlen genannt? Die Abgeordneten werden nicht gewählt, es gibt 609 Sitze und 609 Kandidaten. Deshalb verlangen wir mit dem Varela-Projekt ein Referendum, damit sich die Menschen frei über Gesetzesveränderungen, die die Wahrung von grundlegenden Menschenrechten zur Folge hätten, äußern können."

In Prag besuchte Paya auch kurz das Denkmal für die Opfer des Kommunismus. Bei diesem Anlass sagte er:

"In der Welt gibt es viele Denkmale für die Opfer verschiedener repressiver Regime. Sehr wenige gibt es allerdings wie dieses bescheidene Monument für die Opfer des Kommunismus, deren es Dutzende von Millionen gab. Das ist ein Zeichen dafür, dass die Welt und die Geschichte mit zwei verschiedenen Maßen misst. Es wird nicht anerkannt, dass es ungeheuer viele Opfer des Kommunismus gegeben hat- sogar ganze Generationen und Völker."

Neben Vaclav Havel traf Paya auch mit den Chefs der beiden Parlamentskammern zusammen. Der Verlauf seines Besuchs war dem eines Staatsoberhauptes ähnlich, merkte die Nachrichtenagentur CTK in ihrer Meldung an. (fp)

  • Datum 24.01.2003
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