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Protektionismus

Ifo-Studie: "America first" kann teuer werden

"America first", der Slogan von US-Präsident Trump, könnte zu "Amerika am Ende" führen, wenn es schlecht läuft - das zeigt eine neue Studie über die Folgen der Abschottungspolitik, die Trump für sein Land will.

Das Münchner Ifo-Institut hat im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung untersucht, was aus der "America first"-Politik Trumps werden könnte: ein Bumerang, so das Ergebnis. Im ungünstigsten Fall würden die Vorhaben, die unter dem Schlagwort laufen, dazu führen, dass die US-Wirtschaftsleistung um langfristig 2,3 Prozent zurückgeht. Das entspräche bei aktuellen Preisen einem Abschlag von 415 Milliarden Dollar beim amerikanischen Bruttoinlandsprodukt (BIP).

Unter "America first" versteht man eine Reihe von Abschottungsmaßnahmen wie Importzölle und andere Handelshemmnisse, die nach Einschätzung des US-Präsidenten der heimischen Industrie und Wirtschaft helfen sollen. Das Ifo-Institut hat nun verschiedene Szenarien durchgerechnet, um die Folgen dieser Maßnahmen für 43 Staaten und den Rest der Welt aufzuzeigen. Demnach würde eine Abschottung in der Handelspolitik auch die US-Exporte sinken lassen. "Wirtschaftliche Abschottung ist ein Verlustgeschäft für alle Handelspartner", fasste der Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann-Stiftung, Aart De Geus, die Ergebnisse zusammen.

125 Dollar pro Kopf weniger

Der Untersuchung zufolge würde schon alleine die Wiedereinführung von Zöllen und Handelshemmnissen, darunter technische Auflagen und Dokumentationspflichten, in der nordamerikanischen Freihandelszone - dazu gehören die USA, Kanada und Mexiko - die amerikanische Volkswirtschaft schädigen. Das reale Pro-Kopf-Jahreseinkommen würde der Untersuchung zufolge in den USA um rund 0,2 Prozent oder 125 US-Dollar (derzeit rund 104 Euro) sinken, in Kanada wären es sogar 1,5 Prozent oder 730 US-Dollar pro Kopf.

USA Washington - Donald Trump im Oval Office (Getty Images/AFP/N. Kamm)

US-Präsident Trump und "America first": teurer Slogan

Andere Länder könnten hingegen leichte Vorteile daraus ziehen, wenn der Handel zwischen den USA, Kanada und Mexiko zurückgeht, heißt es in der Studie. Deutschlands jährliche Exporte in die USA würden den Berechnungen zu Folge um rund 3,2 Prozent steigen. In der Folge dazu würde das langfristige Pro-Kopf-Jahreseinkommen in Deutschland um knapp 0,03 Prozent wachsen.

Größere und allgemeinere wirtschaftliche Schäden hätte allerdings eine breiter angelegte protektionistische US-Politik, die sich auch gegen alle anderen Handelspartner der USA richtet - und auf die diese dann ebenfalls mit Protektionismus reagieren. Würden etwa die USA die Zölle und Handelshemmnisse für alle Handelspartner um 20 Prozent erhöhen und die anderen Länder die gleichen Maßnahmen ergreifen, würde dies der Studie zufolge den Handel erheblich einschränken.

Verluste auch für Deutschland

Für die US-Importe werden dabei je nach Land Rückgänge um 50 bis 60 Prozent berechnet. Die US-Exporte in die einzelnen Länder würden sogar um 70 Prozent und mehr sinken. Für die USA prognostizieren die ifo-Forscher für diesen Fall einen Rückgang des Pro-Kopf-Jahreseinkommens um 1300 US-Dollar, für Kanada sogar um 1800 US-Dollar. 

Und auch Deutschland würde in diesem Fall negative Folgen spüren. Das deutsche BIP würde um 22 Milliarden US-Dollar geringer ausfallen; 2016 lag es bei knapp 3,5 Billionen Dollar. In Deutschland wäre den Berechnungen zufolge ein Einkommensverlust von 0,4 Prozent oder 133 Euro je Einwohner zu erwarten.

Trump hatte im Zuge seiner "Amerika first"-Politik wiederholt Abschottungsmaßnahmen angedroht. Unter anderem brachte er mögliche Strafzölle für ausländische Unternehmen ins Spiel und kündigte kurz nach seinem Amtsantritt im Januar das fertig ausgehandelte Freihandelsabkommen TPP mit mehreren Pazifik-Anrainerstaaten auf. Über das nordamerikanische Freihandelsabkommen Nafta mit Kanada und Mexiko wird derzeit neu verhandelt.

Die Autoren der Studie weisen darauf hin, dass es sich bei den berechneten Auswirkungen um langfristige Veränderungen handelt. Die Erfahrungen mit bestehenden Freihandelsabkommen zeigten, dass Änderungen von Handelshemmnissen ihre volle Wirkung erst nach zehn bis zwölf Jahren entfalten.

ar/bea (dpa, rtr – Bertelsmann)

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